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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Sr. 48, 
Centralblatt der ßauverwaltung. 
451 
§37. 
Im Kassenraum, in der Eintrittshalle und an auffälliger Stelle 
in jedem Corridor des Zuschanerhauses und des Bühnenhauses sind 
genügend grofse und deutliche Grundrifspläne des Theaters aus 
zuhängen. In diesen Plänen müssen die Sitze, die zugelassenen Steh 
plätze, die Treppen, die Ausgänge, die Feuerhähne sowie die Haupt 
leitungen für die Beleuchtung nebst den zugehörigen Absperrvor 
richtungen angegeben werden. 
Von diesen Plänen sind Abdrücke der Polizeibehörde nach Be 
darf zur Verfügung zu stellen- 
§38. 
Für jede Vorstellung mufs eine lediglich der Polizeibehörde 
unterstellte Feuerwache anwesend sei», welche ihren Dienst minde 
stens eine Stunde vor Beginn der Vorstellung anzutreten hat, das 
Theatergebäude nicht früher als eine halbe Stunde nach Schlufs der 
Vorstellung verlassen und zu anderen Zwecken nicht verwendet 
werden darf. 
Für die übrige Zeit ist im Theater, so lange Aufführungen statt 
finden, seitens der Theaterverwaltung ein Wächterdienst unter sicheren 
Controlmafsregeln einzurichten. 
§39. 
Die letzte Probe eines Stückes vor dessen erster Aufführung ist 
der Polizeibehörde rechtzeitig behufs Ueberwachung und Anordnung 
der etwa erforderlichen Sieherheitsmafsregeln anzuzeigen. 
2. Kleine Theater. 
§40. 
Auf kleine Theater finden die Bestimmungen in den §§ 3 bis 39 
mit folgenden Abänderungen Anwendung: 
Zu § 3. Der Abstand, der die Haupt-Ein- und Ausgänge 
enthaltenden Front des Theatergebäudes von der gegenüber 
liegenden Strafsenbegrenzung soll in der Regel mindestens 15 m 
betragen. 
Bei besonderen örtlichen Verhältnissen kann im Wege des 
Dispenses ein geringerer Abstand zugelassen, auch von der 
Forderung, dafs das Theater an einer öffentlichen Strafse 
liegen mufs, Abstand genommen werden. 
Zu § 4. Die Dachstühle dürfen aus Holz constrüirt werden. 
Das äufsere Deckmaterial mufs gegen Uebertragung eines 
Feuers von aufsen her sicheren Schutz gewähren. 
Die Treppenräume müssen Decken aus unverbrennlichem 
Material erhalten, im übrigen können die Decken durchweg, 
auch über Fluren und Corridoren, als Balkendecken constrüirt 
werden; es müssen dabei aber die Unteransichten mit Mörtel 
verputzt und die Fufsböden dicht schliefsend unter Vermeidung 
von Hohlräumen verlegt werden. 
§41. 
Die Beleuchtung durch Gas ist in kleinen Theatern unter folgen 
den Bedingungen zulässig: 
Die Gasleitungen für das Zuschauerhaus, den Zuschauerraum 
und die übrigen Theile des Zuschanerhauses sowie für den Bühnen- 
raum und die übrigen Theile des Bühnenhauses sind in getrennten 
Gruppen anzulegen und die Absperr-Vomchtuugen so anzuordnen, 
dafs sie von Unbefugten nicht erreicht werden können. Die Ver 
wendung von Bleiröhren ist unzulässig. Die Leitungen sind derartig 
zu verlegen, dafs sie gegen jede zufällige Beschädigung geschützt, 
aber für Untersuchung und Ausbesserung leicht zugänglich sind. 
Ueberall, auch in den Ankleideräumen für das Personal, sind nur 
unbewegliche Gasarme zulässig. 
Die Entfernung zwischen Gasflammen und brennbaren Stoffen 
mufs in senkrechter Richtung nach oben gemessen mindestens 1 m 
und in seitlicher Richtung mindestens €0 cm betragen. Falls diese 
Entfernungen nicht innegehalten werden können, müssen Schutzbleche 
angebracht werden; dieselben dürfen jedoch niemals auf verbrenn 
licher Unterlage befestigt werden. 
Deeken-Kronleuchter müssen doppelte Befestigung erhalten. 
Die im Zuschauerraum sowie auf Gängen und Treppen befind 
lichen Beleuchtungskörper müssen mit ihrer Unterkante mindestens 
2 m über dem Fufsböden liegen. 
Die Gasflammen auf Gängen, in Treppenhäusern und in Aborten 
dürfen nur Hähne mit losem Schlüssel erhalten. 
Die Gasflammen im Zuschauerhause sind mit Glocken oder Schalen 
zu versehen. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind nur die Flammen 
an Decken-Kronleuchtern. 
Alle zur Beleuchtung des Bühnenhauses dienenden Gasflammen 
sind mit Drahtkörben oder ähnlichen Schutzvorkehrungen zu ver 
sehen. 
Die Soffitenrarapen müssen aufser einem Drahtnetz doppelte 
Schutzbleche mit Luftzwischenraum erhalten und zum Herablassen 
eingerichtet werden, sodafs sie vom Bühnenfufsboden aus angezündet 
werden können. 
Zum Anzünden von Gasflammen dürfen nur elektrische Zünder 
verwendet werden. 
Die Verwendung gewöhnlicher Gummischläuche zur Zuleitung 
von Gas, auch für kurze Entfernungen, ist verboten; es dürfen nur 
undurchlässige, auf die Rohre mit Gewinden aufzuschraubende Spiral 
schläuche gebraucht werden. 
Die Gasmesser müssen in einem von massiven Wänden und un- 
verbrennlichen Decken umschlossenen Raume, welcher unmittelbar 
von aufsen Luft und Licht erhält, aufgestellt werden. 
Die Verwendung von Gas zu scenischen Zwecken bedarf be 
sonderer Genehmigung. 
Die Gasleitungen sind mindestens vierteljährlich einmal sorgfältig 
auf ihre Dichtigkeit, sowie auf die ordnungsmäfsige Beschaffenheit 
der Brenner zu untersuchen. Insbesondere ist darauf zu achten, dafs 
bei Verminderung des Gaszustromes und Druckes behufs Verdunkelung 
einzelne Brenner nicht versagen. 
§ 42. 
Wenn Gasbeleuchtung eingerichtet wird, treten in Bezug auf die 
Bestimmungen in den §§ 9—14 folgende Erschwerungen ein: 
Zu § 9. Ueber dem Parkett dürfen nicht mehr als 2 Ränge 
angelegt werden. 
Zu § 10. Die Zahl der Sitze in ununterbrochener Reihe neben 
einem Seiten- oder Zwischengang darf im Parkett 12, auf den 
Rängen 10 nicht übersteigen. 
Zu § 11. Die Breite der Gänge im Zuschauerraum sowie 
die Anzahl und Breite der auf die Corridore führenden Thüren 
mufs nach dem Verhältnis von 1 m für 60 Personen bemessen 
werden. 
Zu § 13. Die Breite der Corridore mufs mindestens 3 m be 
tragen, im übrigen jedoch nach dem Verhältnis von 1 m für 
70 Personen bemessen werden. 
Zu §14. Es müssen vorhanden sein: 
für das Parkett einscbliefslich seiner Logen: 
bis zu 270 Personen 2 Treppen zu je 1,50 m. Bei mehr 
als 270 Personen ist die Breite nach dem Verhältnis 
von 1 m für 90 Personen zu berechnen. 
für die Ränge: 
bis zu 240 Personen 2 Treppen zu je 1,50 m. Bei mehr 
als 240 Personen ist die Breite nach dem Verhältnis 
von 1 m für 80 Personen zu berechnen. 
3. Zeitweilige Baulichkeiten* 
§43. 
Auf zeitweilige für Theatervorstellungen bestimmte Baulichkeiten 
sollen die im vorstehenden für kleine Theater in Bezug auf eine 
schnelle und gefahrlose Entleerung abzielenden Vorschriften sinn- 
gemäfse Anwendung Anden. 
Im übrigen bleiben die Forderungen in Bezug auf Bauart, innere 
Einrichtung und Betrieb solcher zeitweiligen Baulichkeiten je nach 
örtlichen Verhältnissen und je nach dem Umfang des Betriebes dem 
Ermessen der Polizeibehörde überlassen. 
B. Circus-Anlagen, 
§44. 
Circusgebäude dürfen der Regel nach nur auf freien Plätzen unter 
Beobachtung eines Abstandes von mindestens 15 m von jeder Nachbar 
grenze errichtet werden. 
Ausnahmsweise darf ein Circus auf einem Eckgrundstück auf- 
geführt oder zwischen nachbarliche Brandmauern eingebaut werden 
unter der Bedingung, dafs auf zwei Seiten getrennte, in ihrer Ge- 
eamtbreite nach dem Verhältnis von 1 m für 150 Personen be 
messene Verbindungen mit zwei Öffentlichen durchgehenden Strafsen 
für die Circusbeeucber vorgesehen werden und außerdem eine be
	        
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