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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung. 
448 
SO. November 1889. 
Bei Aufführung eines Theatergebäudes zwischen nachbarlichen 
Brandmauern sind zu beiden Seiten des Zuschaueihauses von der 
Trennungswand zwischen Bühnenhaus und Zuschauerhaus bis zur 
Eintrittshalle offene Höfe von mindestens 6 m Breite anzulegen und 
mit der öffentlichen Strafse mittels Durchfahrten von wenigstens 8 m 
lichter Breite und 3,5 m lichter Höhe zu verbinden. 
In den UmfassuDgywändcn des Bühnenhauses dürfen Thür- oder 
Fenster-Oeffnungen nur da angelegt werden, wo der Abstand einer 
solchen Oeffnung von der Nachbargrenze oder von anderen Bauten 
auf demselben Grundstück, falls dieselben eine gröfsere Höhe als 
10 m bis zum Dachfirst haben^jnindestens 9 m beträgt. Bei Schuppen 
und kleineren Bauten mufs dieser Abstand mindestens 6 m betragen. 
Tn den Umfassungswänden des Zuschauerhauses dürfen Thür 
oder Fenster-Oeffnungen nur da angelegt werden, wo der Abstand 
einer solchen Oeffnung von der Nachbargrenze oder von anderen 
Bauten auf demselben Grundstück mindestens G m betrügt. 
Bauart. 
8*. 
Die Umfassungswände eines Theatergebäudes, die Trennungs 
wand zwischen Bühnenhaus und Zuschauerhaus, sowie die Wände, 
welche Treppen umschliefsen, sind aus Steinen, die innere» Scheide 
wände mit Ausnahme von Trennungswänden zwischen Logen entweder 
ebenso oder aus anderem unverbrennlichen Material herzustellen. 
Die Dachstühle sind aus Eisen herzustellcn. Das äufsere Deck- 
matcrial mufs gegen Uebertragung eines Feuers von aufsen her 
sicheren Schutz gewähren. 
Das bei Eindeckung der Dächer etwa verwendete Holz (Schal 
bretter, Latten und dergleichen) ist durch Berühren und Verputzen, 
durch Behobeln oder auf andere geeignete Weise gegen schnelles 
Entflammen zu sichern. 
Die Unterstützung sowie der etwaige Belag des Schnürbodens 
über dem Bühnenraume müssen zum Schutz der eisernen Dach- 
construction feuersicher ausgeführt werde«. 
Luftabzugsöffnungen und Oberlichter sind zwischen Decken und 
Dächern mit unverbrennüchen, 50 cm hoch über die Dachfläche 
hinausgeführten Einfassungen zu versehen. Ebenso müssen die Um 
fassungswände von Lichthöfen in feuersicherer Construction 50 cm 
über die Dachfläche geführt werden. Lichthof-Fenster dürfen nicht 
ans Holz hergestellt werden, Unterhalb der äufseren Oberlichter 
sind Drahtnetze anzubringen. 
Die Fufsböden der Flure, Vorsiile und Corridore sind aus un 
verbrennlichem Material herzustellen. Ein hölzerner Fufsbodenbelag 
ist nur statthaft, wenn er unter Vermeidung von Hohkäumcn dicht- 
schliefsend auf unverbrennlicher Unterlage liegt. 
Die Decken der Durchfahrten, Flure, Corridore und Treppen 
räume sind aus unverbrennlichem Material herzustellen. 
Das Kellergeschofs ist mit Ausnahme der unter der Bühne liegen 
den Theile zu wölben und darf, soweit in demselben Magazin- und 
Lagerräume angelegt werden, nicht in unmittelbarer Verbindung 
mit Corridoren und Treppenräumeu stehen. 
Alle Corridore und Treppenräume müssen unmittelbar von aufsen 
beleuchtet werden. Für Corridore sind Oberlichter ausgeschlossen. 
§ 5. 
Freitragende Treppen sind verboten. 
Bei Treppen mit graden Läufen dürfen Wendelstufen nicht an 
geordnet werden. Die Podeste derselben dürfen nicht schmaler sein 
als die Treppenläufe. 
Die Treppenstufen müssen einen Auftritt von wenigstens 26 cm 
haben; ihre Steigung darf höchstens 18 cm betragen. 
Geschwungene Treppen müssen an den schmälsten Stellen 
mindestens 23 cm Auftritt erhalten- 
Die Treppen sind auf beiden Seiten mit Geländern oder Hand 
läufern zu versehen, welche keine freien Enden haben dürfen. 
Verschlage unter Treppen sind verboten. 
Bei hölzernen Treppen, soweit solche in dieser Verordnung nicht 
verboten sind (§§ 6, 15, 21 und 22), müssen die Unteransichten mit 
Mörtel verputzt werden. 
Bei Feststellung der vorschriftsmafsigen Abmessung einer Treppe 
soll die Weite zwischen den Geländern gemessen mafsgebend sein. 
Wohnräume dürfen ira Bühnenhause nicht höher als zur ebenen 
Erde angelegt werden; sie müssen Decken aus unverbrennlichem 
Material erhalten, durch massive Wände ohne Oeffnungen von den 
übrigen Gebäudctheilen abgeschlossen und lediglich von aufsen her 
zugänglich gemacht werden. 
Im Zuschaiierhause ist die Anlage von Wohnräumen unter der 
Bedingung gestattet, dafs ihr Fufsböden nicht höher als 10 m über 
der Strafse liegt und dafs sie mit einer aus unverbrennlichem Ma 
terial liergestellten, von den Kellerräumen abgeschlossenen und un 
mittelbar ins Freie führende Treppe in Verbindung gebracht werden. 
Die Anlage vermiethbarer Geschäftsräume sowie allgemein zu 
gänglicher Restaurationen und Conditoreien darf in einem Theater 
gebäude nur im Keller- oder Erdgeschofs und nur unter der 
Bedingung zugolassen werden, dafs solche Räume Decken aus un 
verbrennlichem Material erhalten, durch massive Wände ohne 
Oeffnungen von den für den Theaterbetrieb benutzten Gebäudetheilen 
abgeschlossen und lediglich von aufsen her zugänglich gemacht 
werden. 
Werden für das Theaterpublicum besondere Restaurationsräume 
vorgesehen, so dürfen dieselben, falls ihre Gesamtgrundfläche mehr 
als 50 qm beträgt, nicht höher als im Erdgeschofs liegen und müssen 
unmittelbare Ausgänge nach der öffentlichen Strafse erhalten. 
Diese Vorschrift findet auf Räume mit Verkaufstischen zur Ver 
abreichung von Erfrischungen während der Vorstellungen keine An 
wendung. 4» 
Die Anlage von Magazinräumen ist im Zuscbauerhause, im Bühnen 
raum, auT"dcm Schnürboden und in den fauKhehkelTerh_ye J rboten. 
Werden Magazinräume im Bühnenhause angelegt, 'VcTcfurFeii"sie 
nicht in unmittelbarer Verbindung mit den für den Verkehr im 
Bülmenhause erforderlichen Gängen nnd Treppen stehen. 
§ 7- 
Die Zugänge zum Dachgcsehofs, deren mindestens zwei anzulegen 
sind, müssen mit feuer- und rauchsicheren, selhstthätig zufallenden, 
unverschliefsbaren Thüren versehen werden. Sind zur Herstellung 
dieser Zugänge Einbauten in den Dachraum erforderlich, so müssen 
dieselben aus unverbrennlichem Material ausgeführt werden. 
§8. 
Alle Theatergebäude sind mit Blitzableitern zu versehen. 
Au den Aufsenfronten und in Höfen sind nach näherer Be 
stimmung der Polizeibehörde eiserne, in einer Höhe von 3 bis 4 m 
über dem Erdboden beginnende Leitern für die Feuerwehr anzulegen. 
Zuschauerhaus. 
§9- 
Uebev dem Parkett dürfen höchstens 4 Ränge angelegt werden. 
Die Decke des obersten Ranges mufs überall mindestens 2,5 m 
über dem Fufsböden der höchsten Plätze liegen. 
Im Parkett und auf den nicht zu Logen eingerichteten Rang- 
theilen müssen die Sitzreihen unverrückbar auf dem Fufsbodeu be 
festigt werden. Es dürfen nur Klappsitze, welche selhstthätig auf- 
schlagen, oder Bänke verwendet werden. 
§ 10. 
Die im Zuschauerraum zulässige höchste Personenzahl ist von 
der Polizeibehörde nach folgenden Bestimmungen fcstzustellen: 
Die Breite der Sitze mufs mindestens 50 cm und der Abstand 
der Reihen von einander mindestens 80 cm betragen. 
Verrückbare Sitze sind nur in Logen und zwar bis zur Zahl von 
10 in jeder Loge zulässig. 
Die Zahl der Sitae in ununterbrochener SfffeeftJtinfiW äflitOH-• 
oderJZwjscligiyäaag. datfjp» .parket und jnji 
übrigen fangen 12 nicht übersteigen. 
Für Stehplätze clürFcn höchstens 3 Personen auf 1 qm Grund 
fläche gerechnet werden. 
Auf Bänken sind die einzelnen Sitze durch Leisten von einander 
zu trennen. 
§11. 
Die Breite der Gänge im Zuschauerraum sowie die Anzahl und 
Breite der auf die Corridore führenden Thüren ist für das Parkett 
und für die nicht zu Logen eingerichteten Rangtheile nach dem Ver- 
haltnifs von 1 m für 70 Personen zu bemessen. Diese Gänge und 
Thüren dürfen nicht unter 90 cm breit sein; es kann jedoch bei der 
ersten Sitzreihe des Parketts und der Ränge die Gangbreite bis auf 
65 cm verringert werden.
	        
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