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Volume Nr. 46

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

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Nr. 46. 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
mittelt eine Treppe im Nebenraume. Letzterer dient gleichzeitig als 
Kleiderablage für die Besucher des Hörsaales sowie zur Aufstellung 
von Waschgeräth. Ueber dem Hörsaal ist im Dachboden ein Kaum 
zur Anfertigung photographischer Aufnahmen vorgesehen. 
Die Flügel enthalten die Station für Syphilis in den westlichen, 
für Krätzekranke in den östlichen Untergeschofsräumen. Jede dieser 
Abtheilungen ist nebst den dazu gehörigen Bädern, Aborten, Isolir- 
und Tageräumen durch Glasthüren gegen die Flurgänge abgeschlossen. 
Bei der Abtheilung für Syphilis ist diese Absonderung durch einen 
doppelten Yersehlufs bewirkt. Die gröfseren, zur Aufnahme von je 
Für die Aufsenansichten ist Ziegelverblendung mit eingelegten 
dunklen Streifen gewählt. Zur Herstellung der Fenstersohlbänke und 
einiger Gesimse kommt Sandstein in Anwendung. 
Je nach der Benutzungsart der einzelnen Räume wird Dampf- 
wasser- oder Damplluftheizung angelegt werden. Die kalte Zuluft, 
wird den Heizkammern der einzelnen Raumgruppen durch 14 unter 
Erdboden liegende Canäle vom inneren Hofe aus zugeführt. Um 
hierbei Wind-Einwirkungen möglichst zu vermeiden, sind für die 
Speisung dieser Canäle 10 Lufteinfallschächte angeordnet. Die Ent 
lüftung der dem Sammelschlot im Maschinenhause zunächst belegenen 
Grandrifs vom Uutergeschofs. 
Medicinische Klinik in Gröttingen. 
Hohes Erdgescliofs. 
12 Betten bestimmten Krankensäle in den beiden obern Geschossen I 
erhalten an der Westseite Tageräume, an der Südseite offene Hallen, | 
welche im Erdgeschofs aus Backsteinen, im Obergeschofs aus Holz 
hergestellt sind. Die Wärter- und Schwesternzimmer liegen neben 
den. Krankensälen und erhalten Beobaehtungsöffnungen nach diesen 
hin. Zur Untersuchung des Urins der Kranken ist in jedem Flügel- 
geschosse ein Spülraum vorgesehen. 
Die Decken werden überall gewölbt, nur der Mittelbau erhält 
eine hölzerne Dachbalkenlage. Für sämtliche Dächer ist deutsche 
Schieferdeckung vorgesehen. Die Treppen werden massiv in Sand 
stein ausgeführt, und die Fufsböden erhalten mit Ausnahme der 
Arbeits- und Wohnräume, welche gedielt werden, Platten- oder 
Terrazzobelag. 
Gebäudetheilc, in denen sich die gröfseren Krankensäle befinden, 
geschieht — die Räume für Syphilis- und Krätz-Kranke sowie die Ab 
orte ausgenommen — mittels eines unterirdischen Abluftcanals nach 
dem Sammelschlot. Die zuletzt bezeichneten und die im entfernteren 
Mittelbau belegenen Räume werden unmittelbar über Dach entlüftet. 
Während des Sommers wird die Absaugung durch Dampfheizkörper be 
wirkt, die innerhalb der Abluftschlote im Dachboden aufgestellt sind. 
Der Kosten-Anschlag ohne die innere Ausstattung schliefst mit 
439000 Mark ab. Für das Cubikmeter ergiebt sich dabei ein Ein 
heitspreis von 18,4 Mark. Die Skizzen sind im Ministerium der 
öffentlichen Arbeiten festgestellt; die Bauleitung wurde dem Land- 
Bauinspector Breymann übertragen, dem für die Ausführung der 
Königl. Regierungs-Baumeister Kleinert überwiesen ist. 
Vermischtes. 
Zur Erlangung von Plänen für ein Kreisständeliaus des Kreises 
Mayen ist ein Preisausschreiben erlassen worden (vgl. den Anzeigen- 
theil von Nr. 45 d. Bl.). Für die besten Entwürfe sind Preise von 
500 und 250 Mark ausgesetzt. Ablieferungsfrist ist der 2. Januar 
nächsten Jahres. Die Bedingungen können vom Landrathsamte 
Mayen gegen Einsendung von 1 Mark bezogen werden. 
Für (len Bau eines Stadtbades in Heilbronn schreibt die dortige 
Stadtgemeinde eine öffentliche Wettbewerbung aus. Au Preisen 
werden 1000, 600 und 400 Mark ausgesetzt. Einlieferungsfrist ist der 
15. Januar k, J. Lagepläne und Bedingungen können vom städtischen 
Hochbauamte in Heilbronn bezogen werden. 
Von den drei im Wettbewerbe uni ein Denkmal für den Grafen 
Fritz Reventlow und Wilhelm Beseler in Schleswig ausgesetzten 
Preisen (vgl. S. 178 d. J.) ist der erste von 400 Mark dem Bildhauer 
Gieseke in München zuerkannt worden; den zweiten Preis (300 Mark) 
erhielt Bildhauer Schultz in Rom, und au dritter Stelle Avurde 
Landbauinspector H. Angelroth in SchlesAvig mit einem Preise von 
200 Mark ausgezeichnet. 
In der Preisbewerbung um ein Rathkaus in Leer (vgl. S. 122 
d. J.) war als Frist zur Abgabe des Preisrichterspruches der 13. No 
vember d. J. in Aussicht genommen. Diese Frist ist auf den 21. d. M. 
hinausgeschoben worden. Ferner theilt der Magistrat mit, dafs an 
Stelle des behinderten Preisrichters, Architekt Müller in Bremen, 
der Architekt Runge ebendaselbst zum Preisrichter erwählt ist (vgl. 
den Anzeigentheil dieser Nummer). 
Der Dom in Schwerin, einer der grofsen baltischen Backstein 
bauten aus dem 14. Jahrhundert, besafs als theihveises Ueberbleibsel 
älterer Zeit einen unvollendeten, dem Mittelschiffe der kreuzförmigen 
Basilika vorgelegten Thurm, auf dessen Vollendung oder Erneuerung 
seit Jahrzehnten die Bestrebungen der Bevölkerung Mecklenburgs 
gerichtet waren. Nach langen, vei'geblichen Versuchen die nötliigen 
Baugelder zusammenzubringen, ist neuerdings seitens eines begüterten 
Bewunderers des Bauwerkes eine namhafte Summe geschenkt und 
der Neubau des Thurmes mit diesen Mitteln sofort in Angriff ge 
nommen worden. Der Plan, nach dem dies geschieht, rührt vom 
Oberbaurath Daniel in Schwerin her, unter dessen Oberleitung in 
den letzten Jahren auch der stilgemüfse Ausbau des Domkreuzganges 
für Bibliothekzwecke u. dgl. zur Ausführung gekommen ist. 
Die weitere Behandlung der Frage des Vatioiial-Deiikmals für 
Kaiser Wilhelm I, kam in der Reichstagssitzung vom 12. d. M. zur 
Sprache. Nach einer Erklärung des Staatssecretärs des Innern, 
Staatsministers Dr. v. Boetticher, hat die Angelegenheit seit der 
Ertheilung der Preise im ersten Wettbewerbe dadurch weitere Förde 
rung erfahren, dafs ein mit den Dingen besonders vertrautes Mitglied 
des Preisgerichts seine Auffassung über die bei der Sache zunächst 
in Betracht kommende Platzfrage in einer Denkschrift niedergelegt 
hat, zu der sich auch die übrigen Preisrichter — freilich in sehr 
auseinandergehender Weise — geäufsert haben. Die verschiedenen 
Meinungen der Preisrichter sollen derart Verwerthung finden, dafs sie 
an diejenigen Stellen gebracht Averden, denen die Entscheidung über
	        
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