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Volume Nr. 4

Full text : Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Ausgabe 1889 (Public Domain)

Centralblatt  der  Bauverwaltung.

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Rr.  4.

berichten,  damit  der  Oberpräsident  in  die  Lage  komme,  auf  dem  geeigneten ­
  Wege  für  Abhülfe  zu  sorgen.  Die  Verfügung  über  die  vorhandenen, ­
  sowie  die  Anmiethung  der  etwa  noch  erforderlichen  Eisbreehdampfschiffe
  und  die  Anordnung  der  durch  dieselben  auszuführenden ­
  Arbeiten  steht  dem  Oberpräsidenten  zu,  welcher  auch
—  nöthigenfalls  unter  Heranziehung  militäi-ischer  Hülfskräfte  —
den  Beginn  von  Eissprengungs-Arbeiten  anordnet.  Die  Abtheilungs-Vorstände
  haben  nach  pflichtmäfsigem  Ermessen  die  bezüglichen  Anträge ­
  an  die  Hauptstelle  zu  richten,  nicht  aber  selbständig,  ohne
ausdrückliche  Genehmigung  des  Oberpräsidenten,  mit  Eissprengungen
vorzugehen.  Der  letztere  ist  berechtigt,  den  Strombaudireetor  oder
dessen  Stellvertreter  an  besonders  gefährdete  Stellen  zu  entsenden
und  diesem  Beamten  die  ihm  vorbehaltenen  Befugnisse  zur  selbständigen ­
  Ausübung,  bezw.  die  Leitung  der  auszuführenden  Arbeiten,
zu  übertragen.
Die  Schliefsung  der  Eiswacht,  wird  durch  den  Oberpräsidenten

angeordnet.  Die  Abtheilungs-  Vorstände  haben  demnächst  über  den
Verlauf  des  Hochwassers  und  Eisganges  und  die  in  Bezug  darauf
getroffenen  Mafsnahmen  unter  Beifügung  des  von  ihnen  geführten
Tagebuchs  nebst  Wasserstands-Tabellen  an  die  Hauptstelle  zu  berichten, ­
  auch  etwaige  Vorschläge  wegen  zweckmäfsiger  Abänderungen
sowohl  der  ertheilten  Dienstanweisung,  als  auch  der  bestehenden  Anlagen ­
  und  Einrichtungen  beizubringen.  Auf  Grund  dieser  Berichte
hat  die  Hauptstelle  einen  Gesamtbericht  über  die  diesjährige  Hochwasser- ­
  und  Eisgangs  Verhältnisse  zu  erstatten  und  zur  weiteren  Veranlassung ­
  vorzulegen.
Es  steht  zu  erwarten,  dafs  die  hiernach  getroffenen  Anordnungen
mancherlei  Mifsstände  und  Unzuträglichkeiten  in  Wegfall  bringen
werden,  welche  in  früheren  Jahren  bemerkbar  geworden  sind;  inzwischen ­
  aber  wollen  wir  wünschen,  dafs  sie  bei  keinem  unserer
Ströme  im  bevorstehenden  Frühjahr  auf  eine  gar  zu  harte  Probe
gestellt  werden  mögen.

Bau  des  Sommersitzes  der  Kaiserlich  deutschen  Botschaft  in  Therapia.

Das  für  Fremde  wenig  zuträgliche  Sommerklima  Constantinopels
hat  unter  den  diplomatischen  Vertretern  der  Grofsmüchte  und  vielen
daselbst  wohnenden  Nordländern ­
  bekanntlich  die
Sitte  eingebürgert,  während ­
  der  heifsen  Jahreszeit
ihre  Wohnungen  an  den
oberen  Bosporus  zu  verlegen. ­
  An  beiden  Ufern
desselben  erbeben  sich
hier  Berge  von  nicht  unbeträchtlicher ­
  Höhe.  Zahlreiche ­
  Buchten,  von
Platanen,  Pinien  und
Lorbeerbäumen  beschattet, ­
  sind  in  die  Küste
eingeschnitten,  und  fast
immer  herrschen  hier  während ­
  des  Sommers  erfrischende ­
  ,  vom  Schwarzen ­
  Meer  herkommende
Seewinde.  Eine  der  reizendsten ­
  dieser  Buchten,
17  Kilometer  oberhalb
Stambuls  am  europäischen
Ufer  gelegen,  ist  die  von
Therapia.  Hier,  wo  die
Botschafter  Englands,
Frankreichs,  und  weiterhin ­
  ,  an  der  Bucht  von
Böjükdere,  diejenigen
Rufslands  und  Oesterreichs ­
  schon  lange  für
den  Sommer  ihre  Wohnsitze ­
  haben,  erhebt  sich
jetzt  inmitten  eines  herrlichen ­
  Parkgeländes,  welches ­
  Sultan  Abdul  Hamid
als  Zeugnifs  seiner  Verehrung ­
  Kaiser  Wilhelm  I.
zum  Geschenk  gemacht
hat,  der  aus  Mitteln  des  Deutschen  Reiches  in  den  Jahren  1885—87
hergestellte  Somrnersitz  der  deutschen  Botschaft,  deren  Bau  Gegenstand ­
  der  folgenden  Mittheilungen  sein  soll.
Für  den  Bauplan  ist  ein  vom  Auswärtigen  Amte  aufgestelltes
Programm  mafsgebend  gewesen,  welches  auf  eingehender  Prüfung
und  Erörterung  sowohl  der  obwaltenden  Bedürfnisse,  als  der  eigentlmmlichen
  Landes-  und  örtlichen  Verhältnisse  seitens  des  langjährigen ­
  deutschen  Vertreters  in  Constantinopel,  des  Herrn  Botschafters
v.  Radowitz  beruht.  Tn  besonderer  Berücksichtigung  dieser  Verhältnisse ­
  war  dabei  von  vornherein  ins  Auge  gefafst,  die  Bauten  in  der
Hauptsache  nicht  unmittelbar  durch  Beamte  des  Reiches  auf  Einzelrechnung,
  sondern,  abweichend  vom  heimischen  Gebrauche,  als  Gesamtleistung ­
  durch  sack-  und  ortskundige  Unternehmer,  jedoch  unter
architektonischer  Leitung  und  Aufsicht  eines  Baubeamten  des  Reiches,
ausführen  zu  lassen.  Aufgabe  war,  geräumige  Sommerwohnungen  für
den  Botschafter,  für  den  ersten  Botschafts-Secretär  und  Geschäftsräume ­
  für  die  Kanzlei  nebst  einigen  kleinen  Wohnungen  für  unverheiratete ­
  Beamte,  sowie  endlich  die  nöthigen  Räume  für  die  Wirtschaft ­
  und  zur  Unterbringung  der  Dienerschaft  herzustellen.  Da
Repräsentationszwecke  an  dieser  Stelle  nicht  in  Betracht  kamen,  war

der  Planbildung  auf  eine  Anordnung  zu  legen,
durch  Mitbewohner  unbeeinträchtigten
Genufs  des  I  -andlebens
gestattete.  Dementsprechend ­
  wurde  einer
Gruppe  mehrerer,  in
losem  Zusammenhänge
mit  einander  stehender
Gebäude  der  Vorzug  vor
einem  einheitlichen  Bau
gegeben.  Mufste  dabei
auf  eine  bedeutungsvolle
äufsere  Erscheinung  verzichtet ­
  werden,  so  erwuchs ­
  den  Beteiligten
dadurch  doch  die  Bequemlichkeit ­
  eines  zwanglosen ­
  Landaufenthaltes
in  um  so  höherem  Mafse.
Auch  liefs  sich  gerade
bei  einer  derartigen  Anordnung ­
  in  dem  gegebenen ­
  Rahmen  landschaftlicher ­
  Umgebung  eine  anmutige ­
  Wirkung  erzielen.
1  )iesem  Programm  entsprechend, ­
  arbeitete  im
Aufträge  des  Auswärtigen
Amtes  der  in  orientalischen ­
  Bauverhältnissen
wohlunterrichtete  Secretär
des  archäologischen  Instituts ­
  in  Athen,  Herr  Dr.
DÖrpfeld,  im  Anschlufs
an  die  Vorschläge  einer
Constantinopeler  Baugesellschaft ­
  einen  Plan  aus,
der  zur  Ausführung  bestimmt ­
  wurde.  Danach  besteht ­
  der  Somrnersitz  aus
drei  selbständigen  Wohngebäuden: ­
  dem  Botschafterhause,  dem  Hause  für  den  Botschafts-Secretär
  und  dem  Kanzleihause.  Das  erste  ist  mit  letzterem  durch
eine  Galerie  verbunden.  Alle  drei  Gebäude  befinden  sich  nahe  dem
Haupteingange  zum  Grundstück  in  annähernd  gleichem  Abstande
vom  Meere.  Diese  ans  dem  Lageplane  ersichtliche  Anordnung  erfolgte ­
  theils  wegen  der  Bodengestaltung  des  Parkgeländes,  das  sich
als  ein  zu  beiden  Seiten  durch  hohe  Terrassen  und  Felsen  eingefafstes
Thal  gegen  den  Bosporus  hin  öffnet,  theils  aus  Rücksicht  auf  die  bequeme ­
  Zugänglichkeit  des  Meeres,  welches  fast  ausschliesslich  den
Verkehr  in  die  Nachbarschaft  und  nach  der  Hauptstadt  vermittelt.
Die  gewählte  Lage  in  der  Sohle  des  Thaies  gestattete  nur  eine  geringe
Erhebung  der  Gebäude  über  dem  Meeresspiegel  (dieselbe  beträgt  finden ­
  lvellerfufsbodeu  nur  2,50  m  über  dem  mittleren  Wasserstande),
hatte  aber,  da  dieser  im  Bosporus  nur  geringen  Schwankungen  ausgesetzt ­
  ist,  nach  dem  Beispiele  zahlreicher  ähnlich  gelegener  Wohnhäuser ­
  keine  Bedenken.
Jedes  der  drei  Gebäude  besteht  aus  einem  massiven  Keller-  und
zwei  in  Holzfaehwerk  ausgefiihrten  Wohngeschossen.  Das  Botschafterhaus, ­
  dessen  Stockwerkshöhen  vor  denen  der  Seitengebäude  seiner
Bedeutung  gemäfs  gröfsere  Abmessungen  haben,  hat,  aufserdem  noch

der  Hauptwerth  in
welche  einen  behaglichen,

1  Botschafter-Haus.
2  Secretär  -  Haas.
3  Kanzlei.
4  Kocbkücbe  für  1.
Stallgebüude.
(i  Bootschuppen.

Vorderer  Theil  des  Grundstückes  der  Kaiserl.  deutschen  Botschaft  in  Therapia.
Bezeichnungen:

7  Hauptthor  mit
Pfortnerhäuschen.
8  Hoff  her  u.  Pforten.
9  Landebrücke.
10  Badebaus.
11  Waschküche.

12  Orangerie.
13  Türk,  altes  Bad.
14,15  Alte  Gebäude  für
Wohn-  und  Wirthschaftszwecke.


Iß  Gewächshäuser.
17  Altes  Parkthor.
18  Offener  Teich.
10  Cisterne.
20  Flaggenmast.
            
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