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Volume Nr. 42A

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Rr. 42 '- 
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Centralblatt der Bauverwaltung. 
INHALT: Nichtamtliches: Noch ein Vorschlag für das Nationaldenkmal Kaiser 
Wilhelms I. — Die Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin. VIII. (Schlafs.) — 
Zur Berechnung von Wasserdruck mauern, insbesondere von Thalsperren, 
mischtes: Baubureau für die Erhaltung des Heidelberger Schlosses. 
Ver- 
Noch ein Vorschlag für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I, 
Obwohl die Preisbewerbung um das Nationaldenkmal für Kaiser 
Wilhelm die verschiedenartigsten Lösungen der gestellten Aufgabe 
gebracht hat, fehlt unter diesen doch ein Vorschlag, der vielleicht 
Beachtung und weitere Durcharbeitung verdient und deshalb in 
flüchtigen Umrissen hier erläutert werden soll. Dafs dabei die 
Mängel und die Vorzüge, welche den verschiedenen in Aussicht 
genommenen Plätzen anhaften, nochmals zur Besprechung kommen, 
darf nicht erwartet werden, nachdem Tages- und Fachpresse und 
auch dieses Blatt sich seit langem eingehend mit der Frage 
beschäftigt haben. In der Mehrheit 
scheinen die Ansichten dahin zu gehen, 
dafs der zur Ausführung gelangende Ent 
wurf den nachfolgenden Forderungen 
genügen mufs. 
1. Innerhalb der alten Stadt kann 
ohne erhebliche Eingriffe in das Beste 
hende und ganz unverhaltnifsmäfsige 
Opfer an Geld ein ausreichender Platz 
für ein würdiges Ruhmesmal von der 
ausgedehnteren Form nicht ge 
schaffen werden, wie es das Preisaus 
schreiben und die Denkschrift im Sinne 
hatten, welche dem vom Reichstage zum 
Beschlufs erhobenen bezüglichen Ge 
setzentwürfe vom 18. November v. J. bei 
gefugt war. Eine solche Denkmalanlage 
wird deshalb aufserhalb des Branden 
burger Thores zu errichten sein. 
2. Es ist nicht denkbar, dafs je 
mals siegreiche Truppen heimkehren, 
oder ein festlicher Einzug von ähnlicher 
Bedeutung stattfindet, ohne dafs dem er 
habenen Gründer des geeinten neu ge 
schaffenen Reiches in feierlichster Weise 
gehuldigt wird. Darum gehört das 
Nationaldenkmal an Berlins Siegesstrafse, 
deren natürliche Verlängerung die Char 
lottenburger Chaussee ist. 
3. Die Siegessäule und das Reiehs- 
tagsgebäude sind die Marksteine der 
glorreichen Regierung Kaiser Wilhelms I. 
Das Denkmal, welches von dieser der 
Nachwelt Kunde geben soll, mufs deshalb 
zu jenen, zumal zur Siegessäule, in un 
mittelbare Beziehung treten. 
Wird auch nur eine von diesen For 
derungen als berechtigt anerkannt, so 
erscheint cs unerläfslich, dafs allen dreien 
Genüge geschieht. Denn ebenso wenig wie 
durch den einseitigen weiteren Ausbau der 
Sieges- und Einztigsstrafse das Reichstags 
gebäude und die Siegessäule noch mehr 
auf die Seite geschoben werden dürfen, 
als dies leider schon geschehen, kann die 
Feststrafse ihrer höchsten Zier, des Natio 
naldenkmals, entbehren. An eines sei aufserdem noch erinnert. Erst 
nach jahrelangem Suchen und Schwanken, nach endlosen Erörterungen 
ist in Ermanglung eines geeigneteren Ortes das Reichstagsgebäude 
am Königsplatz errichtet worden. Dort steht Berlins vornehmstes 
Bauwerk abseits draufsen vor dem Thore und so wird es zu allen 
Zeiten bleiben, wenn man die jetzt sich darbietende und so leicht | 
nicht wiederkehrende Gelegenheit vorübergehen läfst, den Siegesplatz 
mit seinen Bau- und Bildwerken der Siegesstrafse organisch anzu- 
schliefsen. Und so drängt sich der Gedanke auf, ob es nicht den 
Vorzug verdient das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm angesichts 
der Siegessäule an der Kreuzung der Siegesallee mit der Charlotten 
burger Chaussee und zwar südlich von dieser zu errichten, dabei 
auch gleichzeitig den Königsplatz der nothwendigen Umgestaltung 
zu unterziehen. Einen dahinzielenden Vorschlag giebt die neben 
stehende Planzeichnung, die sich im wesentlichen selbst erklärt. 
Der Victoria gegenüber, welche dem 
Heldenkaiser den Siegeskranz reicht, soll 
sich sein Standbild vor einer halbkreis 
förmigen Gedenkhalle erheben. Aehnlicbe 
Hallen und ein an der Stelle von Kroll 
später zu errichtendes Staatsgebäude 
sind bestimmt, den bis zur Charlotten 
burger Chaussee erweiterten und dafür 
in seiner Fläche eingeschränkten Königs 
platz zu umrahmen, dessen herrlich 
sten Schmuck das an seinem Südende 
gelegene Nationaldenkmal bilden würde. 
Gärtnerische Anlagen und Prachtbrunnen 
sollen aufserdem den Platz schmücken, 
auf dem an geeigneten Stellen in späteren 
Zeiten noch andere Denkmäler errichtet 
werden können. Eine hinter der halb 
kreisförmigen Halle herumgeführte Strafse 
ist vorgesehen, um den Wagenvei'kehr 
aufzunehinen und so einen zum Beschauen 
geeigneten ruhigeren Platz vor dem 
Denkmal zu schaffen, welches im übrigen 
so gestellt ist, dafs einziehende Truppen 
usw. sich ihm nicht vom Rücken nähern, 
sondern angesichts desselben vorüber- 
marschiren müssen. Die jetzige Friedens 
allee, welche bei ihrer geringen Länge 
ohnedies kaum zur Geltung kommt, auch 
den Platz vor dem Brandenburger Thore 
einhüftig gestaltet, ist beseitigt. Da 
gegen sind zwei neue Alleen, die eine 
nach der Einmündung der Lenn^strafse 
in die Königgrätzer Strafse, die andere 
nach dem Luisen- und dem Friedrich 
Wilhelm-Denkmale geführt, welche das 
Kaiserstandbild zum Mittelpunkte des 
Thiergartens machen. Vielleicht, dafs 
auf die erstere der Name Friedensallee 
übertragen werden kann. 
Dafs der hier gemachte Vorschlag, 
dessen Durchführung bezüglich des 
Kostenpunktes im Bereiche des Mög 
lichen bleiben dürfte, auch seine Schat 
tenseiten hat, wird durchaus nicht ver 
kannt. Die schiefwinklige Kreuzung der 
Siegesallee und der Charlottenburger 
Chaussee erzeugt für die Plangestaltung gewisse, in der Skizze noch 
nicht vollständig überwundene Schwierigkeiten, auch könnte unter 
Umständen eine weitere Einschränkung des Platzes wünschenswerth 
erscheinen. Eine mehr in das Einzelne gehende Bearbeitung wird 
jedoch auch nach dieser Richtung sicher zu dem erstrebten Ziele 
führen. Froebel. 
Bezeichnungen: 1. Kemperplatz mit Wrangelhnmnen. 
2. Friedensallce (neu auzulegeu). 3. Siegesallce. 4. Luisenallee 
(neu anzulegen). 5. Strafse für deu Last- und Pferdehahn 
verkehr. 6. Feststrafse. 7. Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. 
8. Gedenkhallen, i). Reichstagsgebiiude. 10. Monumentales 
Staatsgebändo. 11. Standbilder, deren Errichtung späteren 
Zeiten Vorbehalten bleibt. 12. Siegessäule. 13- Prachtbrunnen 
(Elsafs-Lothringen, Schleswig-Holstein). 14. Brandenburger 
Thor. 15. Alsenbrücke. 
Die Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin. YIIL 
(Schlufs aus Nr. 40 A ) 
„Der Fabricant ist seinen Arbeitern noch mehr schuldig, als den 
Lohn!* Dieser Wahlspruch der Gesellschaft zur Verhütung von 
Fabrikunfällen in Mülhausen ist wie geschaffen, uns bei unserer 
Betrachtung der Wohlfahrtseinrichtungen auf der Ausstellung als 
Begleiter zu dienen. Es ist auffällig — um dies gleich voraus 
zuschicken —, dafs die zahlreichen Ausstellungsgegenstände, welche 
sich lediglich auf die Wohlfahrt der Arbeiter beziehen, nicht für sich 
zusammengefafst sind, vielmehr in den einzelnen von uns erwähnten 
Gruppen mit Unterkunft gefunden haben, während es wohl richtiger 
gewesen wäre, sie zunächst nach den beiden Hauptabtheilungen: 
A. Schutzvorrichtungen, B. Wohlfahrtseinrichtungen zu trennen. Die 
Wohlfahrtseinrichtungen lassen sich nun wiederum in solche gliedern, 
welche das leibliche, und in solche, welche das geistige Wohl der 
Arbeiter im Auge haben. 
Soweit es sich um das leibliche Gedeihen handelt, gilt es vor 
allem die Dinge ins Auge zu fassen, welche des Menschen Leben 
fortwährend beeinflussen, und deren schädlicher oder wohltlnitiger 
Einfliffs auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeiter sich 
vornehmlich in der mehr oder minder günstigen Gestaltung der 
Wohnungsverhältnisse derselben äufsert, nämlich Luft, Licht 
und Wasser. Die Erkenntnifs der grofsen Wichtigkeit zweckent 
sprechender Wohnungen für Arbeiter bricht sich von Jahr zu Jahr 
mehr Bahn; besondere Vereine widmen sich bereits lediglich der Auf 
gabe, solche für die arbeitenden Klassen zu gründen, und grofse
	        
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