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Volume Nr. 41

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung. ~ 
Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. 
IX, Jahrgang, Berlin, 12. October 1889. Nr. 41. 
Redactio» s SW. Zimmerstraise T ßtaehfifUsielle und lushme de» Anzeigen: 
W, Wllhelmstrafte 90. Erseheiat jeden Sonnsbend. 
Belagspreis: Vierteljährlich 3 Mark. Bringerlohn in Berlin 0,15 Mark; hei Zusen 
dung unter Kreuzband oder durch Postvertrieb 0,75 Mark, nach dfcm Anslande L3Q Mark. 
IXMa&Ts Amtliches: Personal-Nachrichten. — Mehtamtllefces: Die Preiabewerbnng 
um das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. (Fortsetzung). — Das Wasserrecht im 
neuen deutschen bürgerlichen Gesetzbach, — Die Auskunftei Schimmelpfeng in 
Berlin. — Die leuchtenden Springbrunnen der Pariser Weltausstellung. — Ver 
mischtes: Feier der Prelsvertheilung bei der deutschen Allgemeinen Ansstellung 
für Unfallverhütung. — Engere Wettbewerbnng um Aasführangspline zur Wieder 
herstellung der Römerfront in Frankfurt a. M. — Preisausschreiben za einem Er 
weiterungsbau der Stadtbibliothek in Frankfurt a. M. — Ansschreibang von Archi- 
tektararbeiten für Gebäüde * Romine“ bei Lausanne. — Fremdwörter im Eisenbahn 
wesen. — Bücherscbau. 
Amtliche Mittheilungen. 
Preufsen. 
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den nach 
genannten Beamten beim Uebertritt in den Ruhestand, und zwar: 
dem Präsidenten der Königlichen Eisenbohndixection in Magdeburg, 
Loeffler, den Stern zum Rothen Adler-Ordeu II. Klasse mit 
Eichenlaub, den Regierungs- und Bauräthen Kahle in Thom nnd 
Piofsek in Breslau und dem Baurath Wachenfaid in Coblanz den 
Rothen Adler-Orden IV. Kluse zu verleihen, sowie ferner dem Wege- 
Bauinspector der Rheinischen Provincial-Verwaltung, Egon Zoeller 
in Kleve, die Erlanbnifs zur Anlegung des demselben verliehenen 
Ritterkreuzes des Königl. schwedischen Wasa-Ordens zu ertheilen. 
Der Königliche Regierangs-Baumeister Richard Pohl in Dins 
laken, gegenwärtig bei den Rheinstrom-Regulirungsbauten beschäftigt, 
ist zum Königlichen Wasser-Bauinspectör ernannt worden. 
Dem Königl. Regierungs-Baumeister Karl Schmiilling in Berlin 
ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste ertheilt worden. 
Bayern, 
Der Bezirksingenieur Karl Güll in Donauwörth ist in gleicher 
Diensteigenschaft nach Marktredwitz und der Betriebsingenieur Karl 
Frht. v. Lerchenfeld-Ahatn in Marktredwitz in gleicher Dienst 
eigenschaft nach Donauwörth versetzt. 
Hamburg. 
Die Ingenieure H. Kramer und F. Sperber sind als Baumeister 
und der Ingenieur 0. Schertel als Maschinen-Ingenieur beim In 
genieurwesen der Bau-Deputation angesteÜt worden. 
Der Maschinen-Ingenieur H. Sander und der Baumeister 
J. Rubbert sind gestorben. 
Elsafg-Lothringen. 
Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht', dem 
Bezirks-Bauinspector Tornow in Metz den Charakter als Kaiser 
licher Baurath zu verleihen. 
Nichtamtlicher Theil. 
Kedacteure: Otto Sarrazin nnd Oskar HoMeld. 
Die Prelsbewerbimg 11m das Nationaldenkmai für Kaiser Wilhelm I, 
(Fortsetzung.) 
Schneller als sich annehmen liefe, ist die mit Spannung erwartete 
Entscheidung des Preisgerichtes getroffen worden. In fünftägiger, 
gewifs angestrengtester Arbeit haben sich die Richter ihrer verant 
wortungsvollen Aufgabe entledigt, und die Namen der Sieger im 
"Wettstreite erklingen heut bereits in den entlegensten Theilen des 
Vaterlandes und über seine Grenzen hinaus. Unsere Leser haben 
das Preisergebnifs auf Seite 374 der vorigen Nummer gefunden. 
Zwei architektonische Arbeiten errangen die ersten, vier Bildwerke 
die zweiten Preise. Die Baukunst darf mit Befriedigung auf diesen 
Ausgang des Wettkampfes blicken. In erster Linie berufen, die den 
Anschauungen und Wünschen der Nation entsprechende Lösung der 
hohen Aufgabe zu finden oder doch vorzubereiten, hat sie bewiesen, 
dafs sie dies vermag, und sie erfährt nun die Genugthuttng, dafs ihrem 
Können die volle Würdigung des Preisgerichts zu Theil wurde. Zweifellos 
liegt in diesem Punkte der Entscheidung der wesentliche Gewinn für 
die Sache. Die Wahl der mit den ersten Preisen gekrönten Entwürfe 
scheint der Uebereinstimmung der Preisrichter in den grundlegenden 
Fragen entsprungen zu sein, nnd hierin darf mau eine Bürgschaft 
für den erspriefslichen Fortgang und das glückliche Gelingen des 
grofeen und schweren Werkes erblicken. Weniger Werth wird auf 
die Vertheilung der zweiten Preise zu legen sein. Uebereinstimmende, 
leitende Gesichtspunkte lassen sich dabei schwer herauserkennen, 
und es hat den Anschein, als sei die Auswahl der vier Bildwerke 
aus einer beträchtlichen Zahl denselben zum mindesten gleichwertiger 
Arbeiten wesentlich das Ergebnifß gegenseitiger Zugeständnisse und 
des Ausgleiches der Meinungen der Einzelnen. 
Bei der Besprechung der verschiedenen Entwürfe hatten wir 
ursprünglich die Absicht, die einzelnen Arbeiten nach der Folge der 
Plätze, die sie für das Denkmal gewählt haben, zu ordnen. Wir 
geben diesen Plan jedoch fürs erste auf, um die preisgekrönten Ent 
würfe voranzustellen, da sie n&torgemäfs die allgemeine Aufmerksam 
keit zunächst am meisten in Anspruch nehmen. Die Reihenfolge der 
Aufführung wird sich dabei der Bnchstaben-Ordnung anschliefsen, 
in welcher die amtliche Bekanntmachung des Richterspruches die 
Entwürfe beider Freisgruppen nennt. 
Der mit einem der beiden ersten Preise ausgezeichnete Entwurf 
der Architekten Wilhelm Rettig und Pani Pfann in Berlin bringt 
den Gedanken des vom neuen deutschen Eriche seinem Eisiger und 
Wiederbegründer zu errichtenden Nationaldenkmals besonders klar 
und bedeutungsvoll zum Ausdruck. Wir erwähnten ihn bereits am 
Schlüsse unserer Einleitung als denjenigen, welcher für den Königs 
platz die zutreffende Lösung gefunden hat. Die dort angedeutete 
Gesamtanordnung ist aus umstehender Abbildung 1 ersichtlich. Vor 
bereitende Säulenhallen begrenzen den gärtnerisch umzugestaltenden 
Platz gegen Norden und Süden. In weitem Rund umziehen sie das 
den Mittelpunkt der Platzanlage bildende Siegesdenkmal und 
schliefsen im Westen, (dem Reichstagshause gegenüber, mit dem auf 
eine 6 Meter hohe Terrasse erhobenen Denkmalbau zusammen. 
Durch diese architektonische Begrenzung hat der Königsplatz nicht 
nur ein bestimmtes Gepräge und angemessene Gröfsenverhältnisse 
gewonnen, sondern er ist auch zum würdigen Vorhofe der Baulich 
keiten umgeschaffen worden, in denen sich der deutsche Reichs 
gedanke verkörpern soll. Vielleicht, dafs der Abstand der Hallen 
von einander etwas gröfser zu greifen wäre, um den Gesamtüberblick 
über das Reichstagsgebäude aus noch etwas weiterer Entfernung zu 
ermöglichen und die Hallen noch mehr zum passenden Rahmen auch 
für dieses an machen. In den «o oft begangenen Fehler, die Ab 
messungen des Platzes zu grofs zu greifen, würde man damit noch 
nicht verfallen. 
Das Denkmal selbst setzt eich aus einer 130 m langen Säulen 
halle und einem dahinter liegenden, 40 m weiten, auch im Rücken 
von einem Wandelgange umschlossenen Kuppelbau zusammen, unter 
dessen mächtiger Wölbung das Bild des Kaisers steht. Die Hallen 
flügel, ionischer Ordnung und mit wappengeschmückter Attika ge 
krönt, enden in kräftigen Eckbauten, vor denen auf der Terrasse 
Platz fiir zwei Reiterstandbilder geschaffen ist. Pie Attika ist hier 
höher geführt und in reicherer Weise mit wappenhaltenden Gestalten 
und Inschriftentafeln geschmückt Ueber ihr erhebt sich eine fläche 
Kuppel, ruhig lagernde Löwen auf den Ecken, eine von Kinderfiguren 
emporgehaltene Krone auf der Spitze. Auf ihren Rückwänden soll 
die grofse Halle Gemälde tragen: die Schlacht am Teutoburger 
Walde, als die erste Regung deutscher Kraft und Einigkeit, und eine 
sinnbildliche Darstellung der Errichtung des neuen Reiches. Vor 
diesen sind Standbilder der Dichter, Staatsmänner und Feldherren 
aufgestellt gedacht, welche für Deutschlands Einigung und Gröfse 
sangen, arbeiteten und kämpften. In der Mitte ist die Halle zu be 
deutender Wirkung gesteigert. Zwischen korinthischen Doppelsäulen 
öffnet sich ein hoher Rundbogen, durch den hindurch man schon
	        
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