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Volume Nr. 40

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

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Centralblatt der Bauverwaitung. 
5, October 1889. 
erwähnten Punkten aus und ziehen diese durch leichte Hallenanlagen 
u. dgl. mit dem neugeschaffenen Platze zu einem grofsen Ganzen zu 
sammen. 
Dev letztere Gedanke findet sich besonders schön durchgeführfc 
in dem grofsartigen und doch mafsvollen Entwürfe Nr. 92 („Der 
Herr hat Grofscs an uns gethan, Ehre sei Gott in der Hohe“), wel 
cher das Kaiserdenkmal bis zur Kreuzung*) hinausrückt. Dieser 
Standort ist in einer gröfseren Zahl der bedeutendsten Entwürfe 
gewählt worden und hat zweifellos ungemein viel für sich. Die 
Stelle hat erwünschten, aber nicht übermäfsigen Verkehr, und zwar 
einen Verkehr mehr der Erholung als des hastenden, geschäftlichen 
Treibens, ruhige Standpunkte für die Betrachtung lassen sich leicht 
schaffen, die Entfernung vom Brandenburger Thore steht in einem 
angemessenen Verhältnisse zu dessen und des Denkmals Bedeutung’ 
und baulichen Massen, inhaltvolle Beziehungen auf das Thor und das 
Siegesdenkmal sind gegeben, kurz, es läfst sich kaum eine Anforde 
rung stellen, welche der Platz nicht erfüllte. An Schwierigkeiten 
fehlt es natürlich auch hier nicht. Die Stellung des Reiters — 
von einem solchen kann unseres Erachtens hier, wie überall, nur 
die Rede sein — in die Hauptachse, mit dem Gesicht der Stadt 
zugewandt, scheint selbstverständlich. Sic weist an dieser Stelle, 
gewisaermafsen als Endpunkt der für die Verherrlichung des neuen 
deutschen Reiches bis hierher erweiterten alten Berliner Sieges 
und Einzugsstrafse, auf eine abschliefsende, hintergrundartige Be 
handlung der das Standbild umgebenden Architektur hin. Mit einer 
solchen aber läuft man Gefahr, die Achse zu sperren, die doch aus 
praktischen Gründen für den täglichen Verkehr und insbesondere 
auch für festliche Einzüge u. dgl. thunlichst offengehalten werden 
mufs, man kann in den Fehler verfallen, lediglich einen Abschlufs 
da zu bilden, wo in Wirklichkeit der Beginn der Siegcsstrafse Hegt. 
Der Architekt wird also, wenn er nicht eine mehr einfassende, hallen 
artige Anlage wählen will, bemüht Bein müssen, für eine entsprechend 
geöffnete Gestalt seines Hintergrundes und vornehmlich auch für 
angemessene seitliche Ablenkung des Verkehrs Sorge zu tragen. Dafs 
von aufsen Kommende, so z. B. einziehende Truppen, sich dem Stand 
bilde vom Rücken nähern und an seiner Langseite vorüberziehen 
müssen, hat etwas mifsliches, ist jedoch bei der Stellung in der Achse 
auf allen den letzterwähnten Plätzen, den Pariser Platz eingeschlossen, 
unvermeidlich und darf wohl auch mehr als Empfindungssache, denn 
als künstlerischer Gegengrund gelten. Einen Versuch, den Wider 
spruch zu mildern, darf man in der Anordnung einer Centralanlage 
auf oder unmittelbar hinter der Kreuzung erblicken, wie wir ihr in 
einigen Entwürfen begegnen, unter denen ganz besondere Nr. 116 
(„Alleweg guet Zolre“) hervorragt. Sie räumen auch die Schwierig 
keit der schiefen Kreuzung aufs einfachste aus dem Wege. Fraglich 
ist nur, ob dergleichen thurmartige, meist mit Kuppeln gek^fcite 
Rundbauten nicht das unter ihrer Wölbung stehende Rciterbild allzu 
sehr schädigen, und ob sie nicht besser auf einer Anhöhe, die ihre 
Baumassen vorbereitet, wirken würden, als hier auf dem baum- 
umstandenen Platze des Berliner Thiergartens. 
Die Schwierigkeit, welche die Siegesallee zwischen dem Königs- 
*) Wir werden uns fortab dieses einfachen Ausdruckes bedienen, 
um die in der Wiederholung schwerfällige Bezeichnung „Kreuzung 
der Charlottenburger Chaussee mit der Siegesallee* zu vermeiden. 
platze und der Charlottenburger Chaussee bietet, haben die meisten 
Bewerber, welche sich für diese Strecke entschieden haben, nicht zu 
bewältigen vermocht. Sie liegt in der doppelten Beziehung des Denk 
mals auf die Siegessäule und auf die Kreuzung. Es erscheint natür 
lich, das Kaiserbild mit der Vorderseite gegen letztere zu richten,, 
man hat aber dann in der Siegessäule keinen geeigneten Hintergrund. 
Und wird ein solcher durch eine neue Architektur geschaffen, so ver 
baut man die Achse. Mit der Stellung des Denkmals an die West 
seite der Allee ist die Schwierigkeit umgangen, aber nicht gehoben. 
Der hervorragende, einen überaus gewandten Baukünstler verrathende 
Entwurf Nr. 107 („Magna Magnie“) sucht die Lösung darin, dafs er 
dem Standbilde die umgekehrte Stellung giebt und Beine Denkmal 
anlage hart an den Königsplatz vorrückt. Durch die Trennung der 
Hintergrund-Architektur in zwei, in der Mitte nur durch eine Treppe 
im Unterbau verbundene Baumassen wird der Blick auf die Sieges 
säule von der Kreuzung her offen gehalten und eine architektonische 
Beziehung auf die letztere geschaffen. Es tritt nun aber der Uebel- 
stand auf, dafs man von der Charlottenburger Chaussee her die Rück 
seite des Standbildes erblickt, und wenn dieser Mangel auch durch 
das Vovschieben der Anlage bis an den Königsplatz stark gemildert 
wird, so ist er dadurch doch nicht beseitigt. Vortrefflich und ohne 
einer wesentlichen Acnderung zu bedürfen würde der Plan Nr. 107 
übrigens für die gegenüberliegende Seite, den sog. kleinen Königs 
platz, passen. 
Für den letzten der programmmäfsigen Standorte, den König s- 
platz, finden sich Lösungen, die das Denkmal lediglich in Beziehung 
zur Siegessäule bringen oder es zwischen diese und das Reichs- 
tagshaus setzen. Der Mifsgriff leuchtet ohne weiteres ein. Ein wich 
tiges Nebenziel für alle, die sich für den Königsplatz entschieden 
haben, wird sein müssen, dafs sie diese weite Fläche erst zum eigentlichen 
Platze machen. Das wird aber durch Begrenzung und Einengung, 
und nicht auf jene Weise zu erreichen sein. Die meisten Bearbeiter 
wählen denn auch eine Stelle am Rande des Platzes, vornehmlich die 
sehr geeignete des KrolFschen Etablissements, und errichten dort 
einen baulichen Hintergrund für das Denkmal. Da dieser ein Gegen 
stück zum Reichstagshause bilden mufs, fällt er naturgemäfs durch 
weg sehr grofs aus, vielfach sogar so grofs, dafs das Standbild 
durch die Abmessungen der Baulichkeit empfindlich geschädigt wird, 
und zwar namentlich dann, wenn der Bau zum wirklichen Gebäude 
gemacht ist, dessen Inneres einem besonderen Zwecke, einer Ruhines- 
oder Gedcnkhallc u. dgl. dient. Anders, wenn diesen Gebäude-Inhalt 
die Darstellung des Kaisers selbst bildet, eine Auffassung, der wir 
für diese Stelle in dem phantasievollen und künstlerisch vollendet 
durchgeführten Entwürfe Nr. 129 („Kaiser und Reich“) begegnen. Der 
Kaiser ist hier als der wiedererstandene Barbarossa, als der Träger 
des Kaisergedankens aufgefafst. So konnte ihn der Künstler nicht ins 
Freie, in den lauten Verkehr der modernen Grofsstadt stellen. Er 
mufate auf den Anblick des Kaiserbildes vorbereiten, den Beschauer in 
weihevolle Stimmung versetzen. Das erreicht er mit seinem mächtigen 
Kuppelraume und mit der zu diesem hinleitenden Hallcnanlage, durch 
die er Reichstagsgebäude, Kaiserdenkmal und Siegessäule zu einem 
an äufserer Pracht und durch seinen inneren Zusammenhang hoch 
bedeutenden Ganzen verbindet und den Königsplatz zum wirklichen 
Platze gestaltet. 
(Fortsetzung folgt.) 
SpritzYorrichtungen beim Einrammen und Ausziehen von Pfählen, 
Wie an vielen anderen Stellen der Oßtseeküstc, so sind auch im 
Bezirke dev Hafenbauinspection von Neufahrwasser an der Wester 
platte und bei dem Hochufer von Oxhoeft zur Vermeidung von Ufcr- 
abbrüchen Pfahlbuhnen in die See geschlagen, welche aus je einer 
Reihe von 2 bis 4 m langen, ungefähr 20 cm im Durchmesser starken 
Rundpfählen bestehen. Die 2 m langen Pfähle sind zur Herstellung 
der Buhnenwurzeln im Lande benutzt; die 9 m langen desgleichen 
bis zu einer Wassertiefe von 0,5 m, und die 4 m langen bis zu einer 
solchen von 1,5 m. Der Kopf der Pfähle wird überall — auch in 
der Wurzel auf dem trockenen, allmählich aufeteigenden Strande — 
auf die Höbe des Mittelwassers gelegt. Bei dem Bau solcher Buhnen 
in der Nähe des Hafens waren früher hierorts auf Flöfsen oder 
Prähmen stehende Rammen, auch Stützrammen ganz einfacher Art 
auf dem Strande und in flacherem Wasser zur Anwendung gekommen. 
Diese Rammen waren naturgemäfs ständig Gefahren bei eintreten 
dem Seegange ausgesetzt; feste Gerüste wären denselben Gefahren 
ausgesetzt gewesen, und wenn sie einigermafsen hätten haltbar sein 
sollen, so wären sie zu theuer geworden. Es handelte sich also 
darum, für das Eintreiben der Buhnenpfähle wirksame Vorrichtungen 
zu beschaffen, die leicht auf den höheren Strand zu bergen waren 
und zu ihrer Inbetriebsetzung möglichst geringer Rüstung bedurften. 
Hierzu sind nun an obenbezeichneten Orten Spritzvorrich 
tungen in Verbindung mit Handrammen in ausgedehnter 
Weise und zu voller Zufriedenheit benutzt worden. Der Hergang 
bei dem Einschlagen der Pfähle ist folgender: 
Zunächst werden in Entfernungen von 1,5 bis 2 m einzelne 
Buhnenpfähle vom Lande aus eingetrieben, jedoch nur so tief, dafs 
der Kopf der Pfähle ungefähr 0,75 bis 1 m über Mittelwasser bervor- 
ragt. Die Pfähle sind ungefähr 0,15 m von ihrem oberen Ende recht 
winklig zur Buhnenriehtung durchbohrt zur Aufnahme von eisernen 
Brechstangen oder Rundeisen, die ihrerseits als Unterstützung für 
zwei seitliche Laufplanken dienen. Die Aufstellung dieser Rüst- 
bezw. Buhnenpfähle erfolgt in der Weise, dafs von den bereits 
stehenden Pfählen die Laufplanken, soweit sich solche freitragen 
— 1,5 bis 2 m —, hinausgestreckt werden, dafs dann der Pfahl ge 
richtet und mittels Drehens und Einspritzens soweit gesenkt wird, 
dafs seine Standfähigkeit für das Auflegen der Planken genügt. 
Hiernach erfolgt das weitere Senken des Pfahles unter gemeinschaft 
licher Benutzung der Handramme und der Spritzvorrichtung. Nach 
Vollendung des Einschlagens einer Anzahl Rüstpfähle werden die 
Zwischenpfähle bis zu der vorgeschriebenen Höhe (Pfahlkopf auf 
Mittelwasser) unter Benutzung der Spritzvorrichtung mittels 
Drebens und mittels Handrammen — wenn nöthig unter Benutzung 
einer Jungfer — eingetrieben. In reinem Sandboden, wie solcher 
am Strande vielerorts vorhanden, genügt für das Senken das Drehen 
des Pfahles bei Anwendung von Spritzvorrichtungen vollständig, bei
	        
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