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Volume Nr. 39

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Nr. 39. 
Ceatralblatt der Bauverwaltung. 
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Die bei der Ordnung dieser Frage in Betracht kommenden Ge 
sichtspunkte sind aber auch in allen Theilen Deutschlands dieselben, 
und es erscheint besonders wichtig, diese Angelegenheit allgemein 
zu regeln, weil die in einem Bezirke vorliegenden Verhältnisse bald 
in anderen in gleicher Weise eintreten können, wo dann die Sache 
auf Grund der anderwärts gemachten Erfahrungen eine zweckmäßige 
Regelung bereits gefunden hat. 
In betreff der Schiffahrt müfsten, wenigstens soweit sie mit den 
anderen Nutzungsrechten am Wasser nnd denen der Uferbesitzer in 
Berührung kommt, Bestimmungen aufgenommen werden, namentlich 
über das Leinpfadsrecht, das Recht, bei Beschädigung des Schitfs- 
gefäfses die Ladung am Ufer aussetzen zu dürfen: die Beschränkung 
der Fischerei-Berechtigung in dem Umfange, dafs eine Sperrung der 
Schiffahrts-Strafse durch Fischereigeräthe und eine Behinderung der 
Schiffahrt durch Ableitung von Wasser unzulässig iBt. 
Auch bezüglich des Eigenthums an den Flufsbetten der schiff- 
und flöfsbaren Flüsse, sowie der kleineren Gewässer wären Bestim 
mungen sehr wünscheoswerth. Dabei ist. hervorzuheben, dafs die 
einzige im Entwürfe in dieser Beziehung vorgesehene Bestimmung 
vom abgerissenen Lande in § 786, wo es heifst: 
»Ein Erdkörper, welcher durch Naturgewalt von einem 
Grundstück losgerissen und mit einem anderen vereinigt iBt, 
wird ein wesentlicher Bestandtheil des letzteren, wenn entweder 
eine Unterscheidung von diesem Grundstück nicht mehr möglich 
ist, oder wenn die Vereinigung ein Jahr bestanden hat, ohne 
dafs der Eigenthiimer oder ein sonstiger Berechtigter sein Recht 
an dem Erdkörper durch Erhebung der Klage geltend ge 
macht hat 4 * 
in directem Widerspruch mit den Grundsätzen über das Grundeigen 
thum steht, da das Recht des Grundstückbesitzers sich gemafs § 849 
auf den Raum über der Oberfläche und unter derselben erstreckt. 
Wenn nun ein abgerissenes Stück Land sich an ein Grundstück anlegt, 
so kann aus diesem zufälligen Umstande dem Anlieger doch nicht die 
von dem angeschwemmten Lande bedeckte Fläche eigenthümlich zu 
gewiesen werden, sondern sie mufs dem Besitzer des Fundus, des 
Flufsbettes verbleiben, und es kann nur dem seitherigen Besitzer des 
Abrisses daran ein Anrecht auf die in demselben enthaltene, ihm 
abhanden gekommene Erd- usw, Masse gelassen werden. Wenn man 
deshalb die Frage in betreff des abgerissenen Landes an Flußufern 
ordnen will, so mufs zunächst diejenige über das Eigenthum am Fluß 
bett geregelt werden. 
Nach den vorstehenden Ausführungen erscheint wohl der Schlufs 
berechtigt, dafs es als ein besonders dringendes Bedürfnifs bezeichnet 
werden mufs, das Waaserrecht für ganz Deutschland einheitlich zu 
regeln, indem gerade diese Materie allerwärts auf denselben natür 
lichen Grundlagen beruht, weniger als jeder andere Gegenstand von 
der geschichtlichen Entwicklung der örtlichen Verhältnisse abhängig 
ist und gerade bei ihm zwischen den Bewohnern ausgedehnter Ge 
biete, weit über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinaus, 
vielfache directe Beziehungen be- und entstehen, welche täglich an 
Wichtigkeit gewinnen und die ohne schwere Schädigung des National- 
wohUtandes, der Cultur und der Gesundheitsverhältnisse unseres 
Volkes nicht länger einer allgemeinen Ordnung entbehren können, 
die sich aber in befriedigender Weise wahrscheinlich viel leichter 
erreichen und durchführen lassen wird, als es bei den meisten anderen 
Gegenständen des Gesetzbuches der Fall sein dürfte. 
Hiernach mufs es gewifs als eine Pflicht des Verbandes der 
deutschen Architekten- und Ingenieur-Vereine, da das Wasser eines 
der wichtigsten Elemente der ganzen baulichen Thätigkeit bildet, 
anerkannt werden, bei dem Reichskanzler den dringenden Antrag zu 
stellen, dafs das Wasserrecht in das bürgerliche Gesetzbuch für das 
deutsche Reich aufgenommen werde. 
Bei der weiteren Verhandlung über die Aufnahme des Wasser 
rechts in das neue bürgerliche Gesetzbuch werden vou dem Verbände 
der Ingenieur- und Architekten-Vereine im wesentlichen die folgenden 
Fragen zu erörtern sein: 
1. Kann die Begründung für die unterlassene Aufnahme des 
Wasserrec.hts in das bürgerliche Gesetzbuch in den Motiven 
als zutreffend anerkannt werden? 
2. Erscheint es nothwendig, die Frage über das Eigenthum am 
Wasser der Brunnen und Quellen zu regeln, und ist dies all 
gemein möglich? 
3. Ist eine Definition und* Klassification der Nutzungsrechte an 
öffentlich fliefsendem Wasser möglich und wünschenswerth? 
4. Sind Bestimmungen zum Schutze der guten Beschaffenheit des 
Wassers der Brunnen und Quellen erforderlich und durch 
führbar? 
5. Erscheint eine Einschränkung des Eigenthums an den im Hoch 
wasserprofil der Wasserläufe belegenen Grundstücken behufs 
Erhaltung der Vorfluth geboten? 
6. Ist für die in einem bestimmten Flufsgebiete belegenen Grund 
stücke und Etablissements ein Recht zur Aufnahme des sich 
aus ihnen ergebenden Tage- und Abwassers in den öffentlich 
iliefsenden Wasserlauf des Thaies anzuerkennen, wenn das 
Wasser von unschädlicher Beschaffenheit ist? 
7. Werden allgemeine Bestimmungen über die unschädliche Be 
schaffenheit der Abwässer zu treffen sein? 
8. Sind Beschränkungen der Eigenthumsrechte für die Ufergrund 
stücke und die übrigen Nutzungsrechte am Wasser an den 
öffentlichen Flüssen im Interesse der Schiffahrt erforderlich? 
9. Ist es nothwendig, über das Eigenthum an dem Bette der öffent 
lich fließenden Gewässer Bestimmungen zu treffen? 
Im Sommer 1889. Keller. 
Vermischtes. 
Als technische Attaches sind, wie unter den amtlichen Nach 
richten der vorliegenden Nummer mitgetheilt wird, vom 1. October 
d. J. ab überwiesen worden: der deutschen Botschaft in Wien der 
Wasser-Bauinspector Rudolf Roeder, bisher in Ratibor, und der 
Botschaft in Rom der bisher beim Bau des Nord-Ostsee-Canals in 
Brunsbüttel beschäftigte Wasaer-Bauinspector Hermann Keller. Der 
bisherige technische Attache in Rom, Land-Bauinspector Küster, ist 
in das technische Bureau der Bauabtheilung des Ministeriums der 
öffentlichen Arbeiten berufen. Aufser den beiden erstgenanten Attaches 
sind zur Zeit noch in gleichen Stellen: der Regierungs- und Baurath 
Pescheck bei der deutschen Botschaft in Paris, der Wasser-Bau- 
inspeetor Volkmann bei der deutschen Botschaft in Petersburg 
und der Königliche Regierungs-Baumeister Oskar Petri bei der 
deutschen Gesandtschaft in Washington. 
Die physicalisch - geographische Beschreibung des Elblaufes 
vou Bodeubach bis zum Eintritt in das Flachland ist seitens des 
Vereins für Erdkunde nnd der Karl Ritter - Stiftung in Leipzig zum 
Gegenstand einer Preisaufgabe gemacht, weichein Dr. Petermanns 
»Mittheilungen“ veröffentlicht wird und folgenden Wortlaut hat: 
»Die geographischen Gesellschaften zu Dresden und Leipzig haben 
beschlossen, durch Stellung vou Preisaufgaben die Beschäftigung mit 
der Geographie des Heimathlandes zu fördern. Der Verein für Erd 
kunde in Verbindung mit der Ka^ Ritter-Stiftung zu Leipzig macht 
den Anfang mit folgender Aufgabe: 
Physicalisch-geographische Beschreibung des Elblaufes zwischen 
Bodenbach und dem Eintritt in das Flachland unter beson 
derer Berücksichtigung der Tiefe, der Wassermenge und ihrer 
Schwankungen, der Eis Verhältnisse und der Veränderungen 
der Ufergestalt. 
Die Lösungen sind mit verschlossener Namensangabe vor Ende 
1890 einzusendeu an den Verein für Erdkunde zu Leipzig, der am 
1. Mai 1891 das Ergebnifs veröffentlichen und die preisgekrönte 
Arbeit in seinen Mittheilungen zum Abdruck bringen wird. Für die 
beste derselben ist ein Preis von 400 R,-Mark ausgesetzt, zu welchem 
300 Mark die mit dem Verein für Erdkunde verbundene Karl Ritter- 
Stiftung und 100 Mark die Centralcommission für wissenschaftl. Landes 
kunde von Deutschland in dankenswertber Weise gespendet haben.“ 
Beim Neubau der Garuisonklrche ln Spandau wurde am Sonn 
abend den 21. d. M. nach gutem altem, in unserer hastenden Zeit 
leider immer seltener werdendem Brauche das Richtefest gefeiert. 
Die schöne Feier, an der sich neben den Bauleuten ein grofser Theil 
der Officiere der Spandauer Garnison betheiligte, begann in dem 
zwar noch unter Gerüst stehenden, aber doch bereits in eine weihe 
volle Stimmung versetzenden Kirchenraume mit einer Ansprache des 
Commandanten von Spandau, Generallieutenants Schmidt von 
Knobelsdorf, welche mit einem Hoch auf Seine Majestät den 
Kaiser, den erlauchten Bauherrn der Kirche, schlofs. Festliche 
Weisen, von einem Musikcorps der Garnison geblasen, bildeten die 
Einleitung und den wirkungsvollen Schlufs seiner Worte sowie der 
vom Garnisonprediger Meifsner gehaltenen, kurzen Festrede. Eine 
zahlreiche Menge, darunter vor allem die liebe Jugend, hatte sich 
inzwischen draußen gesammelt, und ein bewegtes, farbenfrisches Bild 
entrollte sich, als nunmehr bei lachendstem herbstlichem Sonnen 
schein der Zimmerpolier seinen zünftigen Spruch vom Thurme rief 
nnd der Richtekranz auf den in buntem, fröhlich flatterndem Fahnen 
schmücke prangenden Helm aufgezogen und am Tliurmkreuz befestigt 
wurde. Daran schlofs sich der Richtschmaus im Schützenhause, der 
durch manch kernigen und inhaltvollen Trinkspruch gewürzt und 
durch Festlieder und Trompetenschall stimmungsvoll belebt wurde. 
Der Urkunde, welche vor der Krönung des Thurmes mit Kreuz 
und Knopf in letzteren gelegt worden ist, und die neben einer 
Aufzählung dessen, was sich Denkwürdiges in Vaterland und Stadt
	        
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