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Oentralblatt der Bauverwaltung.
Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten.
IX. Jahrgang. Berlin, 28. September 1889. ^r. 39.
Redsetlou: SW. Zimmerstrafae7**• GeichÄftittelle nad Annahme der Anzeigen:
W. 'Wilbelmstrafee 90. Erscheint jeden Sonnabend.
INHALT: AmtlJchet: Personal-Nachrichten. — Nichtamtliches: Die Preis- I
bewerbnng um dos Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. (Fortsetzong). — Aus- i
ländische Studireude auf der technischen Hochschule in Berlin. — Bergamo alta j
(Schlafs). — Das Wasserrecht im deutschen bürgerlichen Gesetzbuche. — Ver-
Bezagspreis: Vierteljährlich 3 Mark. Bringerlohn in Berlin 0,75 Mark; bei Zusen
dung unter Kreuzband oder durch Postvertrieb 0,75 Mark, nach dem Anslande 1^30 Mark.
mischtos: Technische Attaches. — Preisbewerbung, betreffend die physlcalisch-
geographisebe Beschreibung des lilblaufes. — Bichtofest der neuen Garnisonkirche in
Spandau. — Grölso der Biegungsspansang iu ihrer Abhängigkeit ton der Xraftebene. —
Rassische Gesellschaft für Hilfeleistung auf dem Wasser. — Bucherschau.
Amtliche Mittheilungen.
Preufsen.
Versetzt sind: der Regierungs- und Baurath Dittmar in Gum-
binnen an die Königliche Regierung in Stade und der Regierungs
und Baurath Hasenjäger in Stade an die Königliche Regierung in
Gumbinnen, sowie der bisherige technische Hülfsarbeiter bei der
Königlichen Regierung in Potsdam, Wasser-Baumspector Karl Bor-
chers, in die Wasser-Bauinspector-Stelle in Ratibor, der bisher im
technischen Bureau der Bau-Abtheilung des Ministeriums der öffent
lichen Arbeiten beschäftigte Wasser-Bauinspector Tolkmitt in gleicher
Amtseigenschaft an die Königliche Regierung in Potsdam, der Kreis-
Bauinepector Mebus von Zielcnzig nacb Brossen und der Kreis-
Bauinspector Moritz von Aachen nach Montjoie, unter Verlegung
der Amtssitze der betreffenden Kreis-Baubeamten vom 1. October d. J.
ab nach Drossen bezw. nach Montjoie.
Die Wasser-Bauinspectoren Rudolf Roeder in Ratibor und Her
mann Keller in Brunsbüttel sind vom 1. October d. J. ab als tech
nische Attaches den Kaiserlich Deutschen Botschaften in Wien bezw.
Rom überwiesen worden. Dem bisherigen technischen Attache bei der
Kaiserlich Deutschen Botschaft in Rom, Land-Bauiuspector Küster
ist eine BauinBpector-Stelle im technischen Bureau der Bau-Abtheilung
des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten übertragen worden.
Württemberg.
Seine Königliche Majestät haben vermöge Höchster Entschliefsung
vom 16. September d. J. auf die erledigte Stelle eines Abtheilungs-
Ingenieurs bei dem technischen Bureau der Generaldirection der
Staatseisenbahnen den Bahnmeister Steudel I, zur Zeit provisorischer
Abtheilungs-Ingenieur bei diesem Bureau, in Gnaden befördert.
Baden.
Der Bezirks-Bauinspector Heinrich Lang in Offenburg ist ge
storben.
Nichtamtlicher Theil.
Redacteure: Otto Sarrazin und Oskar Hofsfeld.
Die Preisbewerbung um das Nationaldentmal fiir Kaiser Wilhelm I.
(Fortsetzung.)
Wenn zu bezweifeln ist, dafs die vorliegende Preisbewerbung
bereits zu einem endgültigen Ergebnifs führen wird, so steht
fest, dafs eie die schwierigen Vorfragen allgemeiner Art in be
friedigender Weise klärt. Insbesondere gilt dies von der Platz
frage. Die Standorte, welche im Ausschreiben als zulässig be
zeichnet werden, sind folgende:
1. die Schlofsfreiheit, sei es mit sei es ohne Einschränkung des
sie begrenzenden Wasserlaufs;
2. ein Platz in der verlängerten Achse der Strafse Unter den
Linden auf der Ostseite der entsprechend zu verbreiternden Schlofs-
brücke;
3. der Operaplatz;
4. der Pariser Platz;
5. der Platz vor dem Brandenburger Thore;
6. und 7. die Charlottenburger Chaussee bis zur Siegesallee, oder
die Siegesallee vom Königsplatz bis zur Charlottenburger Chaussee,
in beiden Fällen unter entsprechender Einschränkung der an
grenzenden Parkanlagen; endlich
8. der Königsplatz.
Die Schlofsfreiheit wurde — freilich theilweis unter erheb
licher Erweiterung — von 22 Bewerbern für die Aufstellung des
Denkmales gewählt. Sechs ersahen sich den Platz an der Schlofs-
brücke aus, wenn auch nicht alle im strengen Anhalt an das
Programm, neun den Opernplatz. Der Pariser Platz wurde von
23 Verfassern benutzt, 27 entschieden sich für den Platz vor dem
Brandenburger Thore, während die gleiche Zahl ihren Denkmalbau
in die Charlottenburger Chaussee vorschob und zum Theil bis zu
deren Kreuzung mit der Siegesallee hinausrückte. Neun Künstlern
ist die Siegesallee und elfen der Königsplatz als der geeignete Stand
ort erschienen, acht endlich haben Plätze vorgeschlagen, welche nach
dem Programme nicht zugelassen waren, so die Stelle der Univer
sität, den Platz der Kunstakademie, den kleinen Stern, den Theil des
Thiergartens, dessen Achse der Ahornsteig bildet, usw. Die Gesamt
zahl der Genannten beträgt 142, unter ihnen befinden sieb drei mit
mehreren Platzvorschlägen, während bei acht Entwürfen der Platz
nicht festgestellt -weiden konnte, da sie überhaupt nicht zur Aus
stellung gelangt sind.*)
*) es sind dies die Arbeiten Nr. 7, 9, 18, 90, 113, 132, 135
und 140.
Fafst man die zulässigen Plätze in Gruppen zusammen, so er
geben sich zunächst, rein örtlich genommen, aber doch von wesent
licher Bedeutung für die Denkmalauffassung, deren zwei: auf der
einen Seite die Plätze in der alten Stadt innerhalb des Branden
burger Thores, auf der anderen diejenigen vor dem Thore, im Thier
garten oder, wenn man will, im neuen Berlin. Die Vorzüge der
einen oder anderen Gruppe sind schon, solange die Denkmalfragc
schwebt, der Gegenstand lebhaften Meintmgskarapfes gewesen. Man
hat einerseits die Behauptung aufgestellt, das Denkmal Kaiser
Wilhelms müsse seinen Platz „in der Stadt* finden, mit der er aufs
innigste verwachsen war, sein Standbild dürfe keinesfalls „draufsen,
vor dem Thore* stehen, und andrerseits wurde ausgefrihrt, wie
gerade das neue, nach dem Westen zu sich mächtig entwickelnde
Berlin die Stelle sei, welche dem neuen Reiche gehöre und
mindestens das gleiche, wenn nicht ein höheres Anrecht auf das
Ruhmesmal des Kaisers habe. Behält man im Auge, dafs es sich
um ein vom deutschen Volke zu errichtendes Nationaldenkmal han
delt, so wird man zu letzterer Ansicht hinneigen müssen. Verkehrt
wäre es gewesen, den deutschen Gedanken soweit auszudehnen, dafs
man den Platz irgendwo an einem durch die Natur bevorzugten
Punkte der deutschen Lande suchte, etwa, wie geschehen, am Kyff-
häuser. Denn dieser sagenumwobene Berg gehört nun einmal dem
Kaiser Barbarossa, und nicht unserer Zeit. Auf der anderen Seite
aber erscheint es engherzig und kleinlich-berlinerisch, den Begriff
der Reichshauptstadt, in die das Denkmal gehört, durchaus auf das
alte, innere Berlin beschränken zu wollen. Dieser Ansicht ist auch
die Mehrzahl der betheiligten Künstler. Während von allen Be
werbern 66 die innere Stadt, 76 dagegen Plätze aufserhalb derselben
wählten, hat sich von den Bedeutenderen der weitaus gröfsere Theil
für die zweite Lage entschieden. Der Austausch der entgegengesetzten
Meinungen hat nunmehr während anderthalb Jahre schon fast
zur Ermüdung geführt, und die meisten vorgebrachten Gründe sind
mehr der Ausflufs allgemeiner Empfindungen, als das Ergebnifs
praktischer und künstlerischer Erwägungen.
Stellt man diese letzteren an, so fragt es Bich, wo, durch welche
Plätze die günstigsten Bedingungen oder überhaupt die Möglichkeit
für eine freie und bedeutende Gestaltung des als Nationaldenkmal
aufzufassenden Werkes gegeben sind. Unter diesem Gesichtspunkte
werden sich die zugelassenen Plätze anderweit in drei Gruppen
theilen lassen.