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Volume Nr. 34

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Nr. 34. 
309 
Centralblatt der Bauverwaltung. 
erfüllt. An der Farbe des aus der Pumpe austretenden Strahles und | 
an dem Geräusch der Pumpe erkennt der Maschinenwärter leicht, 
ob eine Verstopfung in der Bildung begriffen, oder ob der Wasser 
strom nicht mit Boden gesättigt ist, und er ist jederzeit imstande 
entweder durch Aenderung der Geschwindigkeit der Pumpe oder 
des Schiffes, sowie durch Verstellung der Klappe d oder auch durch 
Aufwinden des Saugrohres, falls dasselbe sich zu tief in den Boden 
eingewühlt haben sollte, die nöthige Abhülfe zu treffen. 
Da derartige Saugrohre nicht mehr neu sind, so beansprucht der 
Erfinder J. Edwards auch nicht den Schutz des Verfahrens an sich, 
sondern nur die Anwendung mehrerer in der betreffenden Patentschrift 
näher bezeiehneteu Einzelheiten der Bauweise, als die Aufhängung 
und drehbare Lagerung des Saugrohrs sowie die Verbindung des Saug 
kopfes mit dem Saugrohr durch ein Kugelgelenk usw. Ferner ist die 
bei diesen Baggern angewandte Katarakt-Pumpe, System Andrews, 
durch Patent geschützt. Ihre Bauart weicht von (len üblichen Formen 
der Centrifugalpumpe nur durch die besondere Gestalt der Schau 
feln ab, welche sie 
für die Hebung von 
groben Bestand- 
theilen besonders 
geeignet machen 
soll. Um die Ab 
nutzung der Dich 
tungsfläche bei dem 
Heben von Sand zu 
verringern, wird ein 
Strom reinen Was 
sers, ähnlich wie 
bei den gleichen 
Zwecken dienenden 
Pumpen der Firma 
Brodnitz u. Scydel 
in Berlin, einge- 
prefst. Das geför 
derte Material fliefst 
durch grobe Siebe 
in Behälter auf dem 
Dampfer, welche 
über der Wasser 
linie angebracht 
sind und das Wasser 
abfliefsen lassen. 
Sind die Laderäume 
gefüllt, so fährt der 
Dampfer in See und 
entladet die Be 
hälter durch Oeffnen 
von Bodenventilen 
und Spülen mit rei 
nem Wasser. Bei ru 
higer See wird auch 
in Bodenklappen 
prähme geschüttet. 
Im Hafen von New-York haben drei solche Bagger seit dem 
Sommer 1887 mit wenigen Unterbrechungen gearbeitet. Der gröfste 
von ihnen ist ein Schraubendampfer von 47,6 m Länge und 625 cbm 
Fassungsvermögen der Behälter, die Saugrohre haben einen Durch 
messer von 0,5 m. Derselbe bat in der Zeit vom 26. November 1887 
bis zum 80. Juni 1888 an 42 Arbeitstagen 82 620 cbm, d. i. täglich 
1967 oder stündlich 413 cbm groben reinen Sand, und an 79 Arbeits 
tagen 57 800 cbm, d. i. täglich 731 oder stündlich 160 cbm feinen 
Saud mit Schlamm gefördert und im Mittel 10 km weit fortgeschafft.. 
Die auffallend geringere Leistung in der letzteren Bodenart wird da 
durch erklärt, dafs dieses feinere Material sehr fest auf dem Meeres 
boden lagerte und in den Behältern sich nicht schnell genug setzte, 
sondern mit dem Wasser zum Theil wieder in die See zurückflofs, 
sodafs die Messung des Inhaltes der Behälter zu kleine Ergebnisse 
lieferte. Die Zeit zur Füllung der Behälter betrug 30 bis 35 Minuten 
und die zur Entleerung nach etwa einstündiger Fahrt in See 10 Mi 
nuten, an einem Tage wurden im Mittel 5 Touren gemacht. Die 
reine Baggerzeit im Laufe des Jahres ergab sich bei allen drei 
Baggern im Mittel zu 4,2 Stunden am Tage, während bei dem Aus 
schütten in Prähme eine Tagesleistung von 10,5 Stunden erzielt 
wurde. Die Leistung des gröfsten Baggers bei letzterer Betriebsart 
würde sich danach bei zehnstündiger reiner Baggerzeit auf 4130 cbm 
groben Sand stellen, während er als Hopperbagger nicht ganz die 
Hälfte geleistet hat. Es ergiebt, sich also schon bei einer Entfernung 
der Ablage- von der Baggerstelle von etwa 10 km eine bessere Aus 
nutzung der Bagger, wenn in Prähme gebaggert wird. Dafs dies 
nicht regelmäfsig geschehen, liegt an der grofsen WellenhöHe in der 
New-Yorker Aufsenbai, welche das Anlegen von Prähmen an die 
Bagger selten zuläfst. Der von der Hafenbehörde an die Unter 
nehmer gezahlte Preis für das Fördern und Fortschaffen von 1 cbm 
Boden betrug an 
fangs 1,56 Mark und 
ist seit dem 1. Dcc. 
1888 vertragsmäfsig 
auf 0,96 Mark er- 
mäfsigt. 
Nach Ausschei 
dung der Sonntage 
haben die Bagger 
durchschnittlich 
nur an 7 Tagen im 
Monat nicht ge 
arbeitet. Dieser 
Ausfall ist, da die 
Ausbesserungen in 
der Kegel aD Sonn 
tagen ausgeführt 
werden, gröfsten - 
theils auf hohen 
Seegang und Eis 
zurückzuführen. 
Bei der wenig ge 
schützten Lage der 
Baggerstellen schei 
nen diese Zahlen 
recht günstig. Der 
Erfolg dieser 
Bagger ist wohl 
hauptsächlich auf 
die nach allen Rich 
tungen bewegliche 
Gelenkverbindung 
der Saugrohre mit 
dem Schiff und auf 
die Durchbildung 
des Saugkopfes zu 
rückzuführen, der 
aus möglichst wenigen und möglichst einfachen groben Theilen be 
steht, welche durch Stöfse wenig gefährdet sind. Aufser im Hafen 
von New-York ist diese Art Bagger bereits bei der Entfernung von 
Sandbarren in dem Savannahflufs sowie bei der Regulirung der 
Mississippi-Mündung, ebenfalls in Sandboden, mit bestem Erfolg 
verwandt worden. Ob sie auch bei anderen Bodenarten als Sand 
und Schlamm mit Vortheil gebraucht werden kann, darüber liegen 
noch keine Erfahrungen vor. Es ist aber wohl zu fürchten, dafs 
in fcstgelagertcn Bodenarten der Widerstand des Saugrohres so grofs 
sein wird, dafs der Dampfer nicht, mehr bewegt werden kann, jeden 
falls würde dem Scbneidewerk des Saugkopfes bei festeren Boden 
arten eine andere Ausbildung zu geben sein, um die nöthige Zer 
kleinerung der Masse zu erzielen. J—. 
Abb. 2. 
Pumpenbagger von J, Edwards u. Co. in New-York. 
Vermischtes, 
Bekanntmachung. 
Der Lieutenant a. D. Brunkow, hier Gneisenaustrafse Nr. 27 
wohnhaft, hat eine neue, umgearbeitete und verbesserte Auflage seines 
Werks „Die Wobnplätze des Deutschen Reichs“ veranstaltet und 
deren Preis auf 55 Mark (früher 150 Mark) festgesetzt. 
Im Anschlufs an meine Bekanntmachung vom 8. Mai 1887 mache 
ich die betheiligten Behörden hierauf aufmerksam. 
Berlin, den 20. August 1889. 
Der Minister der öffentlichen Arbeiten. 
Im Aufträge 
Schultz. 
Zu (1er Mittheilung C. Gurlitts über Pläne zum Berliner Zeug- 
hause auf Seite 293 d. J. schreibt uns Herr Prof Dr, Steche in 
Dresden, dafs die bisher aus Zeitmangel unterbliebene Veröffent 
lichung dieser Pläne von ihm bereits eingeleitet sei und nunmehr mit 
Unterstützung des preufsischen Cultusministeriums erfolgen werde. 
Die Prüfung des Schweifseisens der Kettenbrücke in Kiew, 
die bereits seit etwa 40 Jahren besteht, bildete den Gegenstand einer 
Mit.theilung, w r elcbe der als tüchtiger Brückenbauer bekannte Pro 
fessor des St. Petersburger Instituts der Verkehrs-Ingenieure Herr 
N. A. Belelubski im Marz d. J. in einer Sitzung der III. Abthei 
lung der Kaiserlich Russischen Technischen Gesellschaft vorgetragen
	        
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