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Volume Nr. 34

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Centralblatt der Bauverwaltung; 
24. August 1889. 
306 
W. Schillings 
An den mit der Unterhaltung von Eisenbahngeleisen betrauten 
Betriebsbeamten tritt stündlich die Frage über die noch vorhandene 
Betriebssicherheit der Eisenbahnschienen, der Weichcnzuugen usw. 
heran; es fällt ihm demnach die sehr verantwortliche Aufgabe zu, 
in kurzen Zeitabschnitten durch Einmessen wiederholt festzustellen, 
inwieweit eine Abnutzung und Schwächung vorgenannter Geleistlieile 
durch die darüber gerollten Locomotiven und Wagen stattgefunden 
hat. Bekanntlich werden die z. Z. üblichen Schienenprofile beim 
Walzen mit Rücksicht auf die eintretende Abnutzung bereits mit 
einem um 10 bis 15 mm erhöhten Kopfe hergestellt, sodafs das Träg 
heitsmoment einer selbst um 10 bis 15 mm (je nach der Schienenart) 
abgenutzten Schiene für den Raddruck 
von 7000 kg noch gerade hinreicht. 
Wird indessen das als zulässig fest 
gesetzte Abnutzungsmafs noch über 
schritten, so treten sofort Betriebs 
unsicherheiten ein, herrührend aus zu 
starker Beanspruchung des Schienen- 
materials und besonders auch aus dem 
Umstande, dafs die Spurkränze der 
Räder sich dann den Laschen 
schraubenköpfen und sonstigen Be- 
fcstigungsthcilcn zu sehr nähern und 
auf diese aufstofsen können. 
Zum Einmessen des Mafses der 
Abnutzung der Schienen bedient man 
sich der verschiedensten Geräthe, von 
welchen nicht alle für raschen Ge 
brauch und für Erzielung zweifelloser 
Ergebnisse geeignet erscheinen. Einige 
geben erst nach mühsamem Ablesen 
an Nonien und nach zeitraubenden 
mafsstäbliclien Auftragungen ein Bild 
der abgenutzten Schiene; andere sind 
nur für ganz bestimmte Schienen 
profile ohne weiteres anwendbar, ge 
statten aber nicht die Anwendung bei 
beliebigen Profilen; noch andere zeich 
nen zwar das Schienenkopfprofil bei 
der Aufnahme sogleich auf, doch gehen 
sie die unteren Umrisse des Schienen- 
kopfcs nicht völlig wieder, sodafs sich 
eine Vergleichung zwischen dein Bilde 
der abgenutzten Schiene und dem ur 
sprünglichen Schienenbilde nicht immer 
ohne Irrthum bewerkstelligen läfst. 
Ein besonders zur Messung der 
Schienenabnutzung, aber auch zu 
gleich zur Aufnahme der Profile von 
Weichenzungen und sonstige Form 
eisen sehr geeignetes Geräth, bei 
welchem die eben gerügten Uebelstände 
völlig vermieden sind, ist neuerdings 
im deutschen Reiche patentirt worden. 
Dasselbe hat sich beim Gebrauche 
durchaus bewährt und entspricht allen 
an ein solches Geräth zu stellenden Anforderungen, besonders auch 
bezüglich der Schärfe der Zeichnung. Nebenstehend geben wir seine 
Abbildung. 
Mittels des Bügels z und der Schrauben o wird ein Rahmen l auf 
dem zu untersuchenden Profile senkrecht befestigt. Innerhalb der 
Grenzen dieses Rahmens ist ein äufserer und in diesem ein innerer 
Schieber angebracht. Der innere Schieber ist wagerecht verschiebbar 
auf den beiden Rundstangen w, w, die ihrerseits an ihren beiden 
Enden senkrecht auf- und abwärts auf den beiden Rundstangen v 
gleiten und den äufseren Schieber bilden. Um die etwa während 
Profilmesser. 
des Gebrauches bei der Verschiebung der Schieber auf den Gleit- 
stangen entstehende geringe Reibung zu überwinden, sind Spiral 
federn i>, 11 angebracht. Auf dem inneren Schieber kann durch die 
zwei Schrauben t, t an jeder beliebigen Stelle und in jeder beliebigen 
Höhe die seukrechtstehende Führungsstange «, die an ihrem unteren 
Ende eine unter jedem beliebigen Winkel feststellbare Spitze r trägt, 
festgeklemmt werden. Aufser der Führungsstange u ist auf der ent 
gegengesetzten Seite des inneren Schiebers noch eine zweite senk 
rechte Führungsstange u‘ vorhanden, die genau wie die erste beliebig 
festgeklemmt werden kann; beide Führungsstangen sind von einander 
in ihrer Verschiebbarkeit unabhängig. Um den inneren Schieber in 
einer jeden Lage feststellen zu können, 
sind zwei Klemmschrauben x und y 
auf einer wagerechten bezw. senk 
rechten Gleitstangc angebracht. 
Mit der Spitze r der Führungs 
stange w, die, wie oben angeführt, 
mit dem inneren Schieber fest ver 
schraubt ist, wird das Profil um 
fahren; sobald die Spitze r nicht 
mehr das Profil trifft, wird die 
Führungsstange u durch die andere u' 
abgelöst. Hierbei wird die Spitze ?■' 
mit der Führungsstange u‘ am 
inneren Schieber so festgestcllt, dafs 
sie genau neben der Spitze r auf 
dem Profil steht. Darauf wird die 
erste Führungsstange aufser Ge 
brauch gesetzt und die Umfahrung 
des Profils mit der Spitze r‘ fort 
gesetzt usw. Für die Umfahrung 
eines Schienenkopfes nebst halbem 
oberen Stege genügt es, einmal die 
Stange u durch u‘ und nochmals u 1 
durch u zu ersetzen. Die Federn n 
unterstützen die Umfahrung derartig, 
dafs diese bei glattem Profile fast 
selbstthätig vor sich geht. Während 
der Umfahrung verzeichnet ein bei p 
am oberen Ende des inneren Schiebers 
angebrachter Bleistift auf einem 
senkrecht befestigten Blatte das auf 
zunehmende Profil. Der Rahmen q 
der Schreibtafel, die klappenartig 
zurückgelegt werden kann, ist fest 
mit dem Rahmen l verbunden. Die 
Klemmfeder d hält die Tafel mit dem 
Blatte Papier gegen den Rahmen q 
geprefst. 
Die Dauer der Aufnahme eines 
Schienenkopfpi-ofils einschl. Aufstellen 
und Abnehmen des Profilmessers be 
trägt 7 bis 8 Minuten, wobei es selbst 
verständlich nicht erforderlich ist, 
die Schienen aus dem Geleise auf 
zunehmen. Das aufgezeichnete Profil 
giebt ein Bild des Schieneukopfcs in natürlicher Gröfse. Das 
Mafs der eingetretenen Abnutzung erkennt man unmittelbar, 
wenn man das auf Pauspapier verzeichnete Profil einer nicht 
abgenutzten Schiene gleicher Art auf das mittels des Profil 
messers erhaltene Bild so legt, dafs sich die nicht der Abnutzung 
unterworfenen Umrisse des Steges und der unteren Kopfflächen 
decken. 
Der beschriebene, sehr brauchbare Profilmesser wird von der 
Firma Berth. Pensky Nachf. in Berlin für 150 Mark in sauberer und 
gediegener Ausführung geliefert. 
Schillings Profilmesser. 
Die Ausstellung für Unfallverhütung in Berlin. V, 
(Fortsetzung aus Nr. 29.) 
Von aufserdeutsehen Ländern haben sich Oesterreich und 
Belgien an der Ausstellung betheiligt. Ersterem Staate sind die 
Säle V und VV, letzterem Saal P eingeräumt. Es berührt wohl- 
thuend, dafs die Ausstellungsgegenstände — Modelle, Zeichnungen, 
Broschüren usw. — beider Länder durchweg dem Grundgedanken des 
ganzen Unternehmens dienen und nur Schutzvorrichtungen oder 
Wohlfahrtseinrichtungen für Arbeiter zur Anschauung bringen. 
Wenn sich in diesen Räumen auch nirgends der Strom der Besucher 
staut und namentlich die belgische Abtheilung einen etwas ver 
lassenen Eindruck hervorruft, findet doch der Belehrung Suchende 
gerade hier eine Fülle der Anregung und des Wissenswerthen. Ein 
näheres Eingehen auf die einzelnen Ausstellungsgegenstände würde 
uns zu weit führen und erscheint um so weniger erforderlich, als 
auch hier den meisten Gegenständen eine kurze Angabe ihres 
Zweckes und ihrer Bedeutung beigegeben ist. Aufserdem ist von 
der österreichischen Abtheilung ein besonderer Katalog käuflich zu
	        
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