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Volume Nr. 33

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

JVr. iS. 
Centralblatt der Banverwaltuag. 
301 
entsprechender, das Licht durchaus ruhig und die Sicherheit voll 
kommen. Am meisten, macht sich das bei grofsen elektrischen 
Centralbeleuchtungsanlagcn geltend. Die Anordnung mit vertheilten 
Accumulatorenstationen macht die Anlagekosten einer solchen nicht 
unerheblich geringer, als dieselben sich für eine Gleichstromanlage 
mit unmittelbarem Maschinenbetrieb berechnen, indem die aufserhalb 
der Stadtmitte zu legende Maschinenstation nur ungefähr V& so grofs 
wird und das Lichtleitungsnetz sich erheblich leichter ergiebt. Accu- 
mulatoren werden heut so gebaut, dafs für ihre Lebensdauer gegen 
Zahlung einer jährlichen Prämie von 4 pCt, der Anschaffungskosten 
eine 10jährige Garantie gegeben wird. Infolge dossen werden auch 
die Betriebskosten solcher Centralanlagen so weit erniedrigt, dafs die 
Anwendung der vertheilten Accumulatorenstationen es ermöglicht, 
den elektrischen Strom um angenähert 15 bis 20 pCt. billiger als 
bisher abzugeben. 
Der ersten Gesamtsitzung folgten eine Besichtigung der bemerkens- 
werthen Entwässerungsanlage der Stadt Karlsruhe, des sog. „Lauf 
grabens“ und demnächst das durch zahlreiche Trinksprüche belebte 
Festmahl, an das sich ein Gartenfest in dem hierfür überaus reizvoll 
erleuchteten Stadtgarten anschlofs. 
Nachdem ein grofser Thcil der Festgenossen in den frühen 
Morgenstunden des folgenden Tages dem Rheinbade bei Maxau | 
einen Besuch abgestattet hatte, trat man in die zweite Gesamt 
sitzung ein, die nach Wahl der Stadt Halle zum nächstjährigen 
Versammlungsorte und des dort ansässigen Maschinenfabricaaten 
Lwowski zum U, Vorsitzenden sowie des um den Verein hochver 
dienten Coramercienraths Euler-Kaiserslautern zum Ehrenmitgliede 
mit der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten ausgefüllt wurde. 
Den Nachmittag widmete man verschiedenen Ausflügen in die gewerb 
lichen Anlagen von Karlsruhe. 
Vor dem Eintritt in die Geschäfte des dritten Sitzungstages 
fand eine erhebende Feier am Denkmale Rodtenbächers, dos 
bahnbrechenden Lehrers der Ingenicurwissenschaften an der Karls 
ruher technischen Hochschule, itn Hofe dieser Anstalt statt. In der 
Sitzung selbst hielt nach Erledigung eines Restes geschäftlicher 
Dinge Baurath Bissinger einen Vortrag über die Höhenthalbahn. 
Der Redner schildert zunächst in allgemeinen Zügen die geographische 
Lage des Höllenthals und seine Gestaltung, giebt sodann in kurzem 
Abrifs eino Geschichte der Entwicklung des Verkehrs auf der Höllen- 
thalstrafse bis. zur Erbauung der Eisenbahn und schildert dann ein 
gehend die Bahn, ihre Bauverhältnisse, die angewendete Zahnstange 
sowie die Betriebsmittel und die Betriebsweise. Die Bahn ist eine 
vollspurige Bahn untergeordneter Bedeutung, welche die Städte Frei- 
bürg und Neustadt verbindet. Sie ist in ihrem unteren Theile eine 
gewöhnliche Reibungsbahn mit Steigungen von 25 %•> und Krüm 
mungen bis 240 in Halbmesser herab. Dieser Theil der Linie ist 
etwa 18- km lang. Dann folgt eine Zahnstangenstrecke von 55 °/oo 
Steigung', 7V2 km Länge mit Krümmungen von 240 m Halbmesser, 
und hierauf wieder eine Reibungsstrecke von 9 l /s km Länge mit 
Steigungen von 16,6 %o und Krümmungen von 300 m Halbmesser. 
Die Zahnstange ist eine Leiterzahnstange, aber von einer gegen 
über der Riggenbachschen Bauart wesentlich, verbesserten und ver 
vollkommnten Einrichtung. Sie ist vom Vortragenden entworfen und 
ihm patentirt. Die Züge haben ein gröfstes Gewicht von 1001 aus- 
schliefslich Maschine und werden auf der Zahnradstreeke mit 9 km, 
auf den Reibungsstrecken von 25 %o mit 20 bis 22 km und auf minder 
stark steigenden Strecken mit 30 km Geschwindigkeit gefahren. Die 
ganze Strecke von 35 km Länge wird zu Berg in 2 Std. 35 Min., zu 
Thal in 2 Std. 20 Min. zurückgelegt, jausschliefslieh der Stationsauf 
enthalte. Die Betriebsmittel der Hauptbahn können auf die Bahn 
übergehen; die der Bahn eigenen Fahrzeuge sind sämtlich mit Zahn- 
radbremee versehen. Die Locomotiven sind für Zahnrad- und 
Reibungsradbetrieb eingerichtet und gehen, über die ganze Strecke 
hinweg und zwar — eine Neuerung bei Zahnradbahnen — stets an 
der Spitze des Zuges, auch bei der Bergfahrt auf der Zahnradrampe.*) 
Diesen mit vielem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgt als 
letzter Vortrag der des Ingenieurs Tobell aus Prag über die Be 
dingungen, welchen die Steigerung der Kolbcngeschwindig- 
keit, insb esondete bei Wasserhaltungen mit grofsen Teufen, 
unterliegt. Der Redner kennzeichnet zunächst die heutige Richtung 
des Fortschrittes im Pumpenbau damit, dafs allgemein eine Steigerung 
der Arbeitsgeschwindigkeit und somit eine erhöhte Leistung der 
Pumpwerke angestrebt werde, wobei er die Nothwendigkeit einer 
Vervollkommnung in diesem Sinne, insbesondere für Wasserhaltungen 
mit grofsen Teufen, betont. Er erörtert die Gründe, welche die niedere 
Grenze der Geschwindigkeit des Ganges bei Maschinen mit langem 
Gestänge bedingen, insbesondere die elastischen Schwingungen des 
Gestänges und ihre Folgen, deren Verminderung anzustreben sei. 
Dann giebt der Redner weitere Bedingungen, für die Steigerung der 
Kolbengeschwindigkeit an, bespricht weiterhin die Wirkung der Steuer 
organe, die Gesetze der Belastung, Hubbegrenzung und Steuerung 
der Ventile, giebt einen Vergleich der neuesten Constructionen mit 
selbstthätigen und gesteuerten Ventilen und schliefst seine inter 
essanten Erörterungen mit einem Ausblick auf den zu erhoffenden 
Fortschritt. 
Der Nachmittag des 7. August vereinigte die Festtheilnehmer auf 
einer Ausfahrt nach Baden-Baden, während am nächsten Tage ein 
Ausflug nach dem Höllenthal und an den Titisee den schönen Ab- 
schlufs der festlichen Zusammenkunft bildete, 
*) vgl. auch Centralblatt der Bauverwaltung 1887, S. 216. 
Vermischtes. 
Der Mittheilung über die Errichtung eines monumentalen Lauf- 
brunnens auf dem Waidmarkte in Köln fügen wir hinzu, dafs die 
Entwürfe in Zeichnungen oder Modellen bestehen können und ohne 
Namensnennung einzureichen sind. Das Preisgericht wird gebildet aus 
den Herren Director Pabst, Baurath Pflaume, Stadtbaumeister 
Stübben, Stadtbaumeister Weyer und dem Vorstand des Ver 
schönerungsvereins Eduard Freiherrn v. Oppenheim, sämtlich 
in Köln. Der mit dem ersten Preise belohnte Entwurf wird Eigen 
thum des Vereins, ohne dafs dieser eine Verpflichtung zu seiner Aus 
führung übernimmt. Sollte einem Bewerber der Auftrag zur Her 
stellung des Laufbrunnens erthcilt werden, so hat dieser auf 
Auszahlung des Bewerbungspreises keinen Anspruch. Die Entwürfe 
werden 8 Tage öffentlich ausgestellt. 
Wer Besuch der eidgenössischen polytechnischen Schule lu 
Zürich Im Unterrichtsjahre 1888/89 bezifferte sich auf 633 rcgel- 
■mäfsige Schüler und 359 Zuhörer (solche Studirende, welchen die 
Erlaubnifs erthcilt worden ist, einzelne Unterrichtsfächer zu besuchen) 
— im ganzen 992 Besucher gegen 970 im Vorjahre. Von den 633 
Schülern entfallen auf die Bauschule 20, Ingenieurschule 164, 
Mechanisch-technische Schule 192, Chemisch-technische Schule 157, 
Forstschule 17, Landwirthschaftliche Schule 39, Culturingemeur- 
schule 4 und auf die Schule für Fachlehrer 40. Der gröfsere Theil 
der Schüler, im ganzen 372, waren auch in diesem Unterrichtsjahre 
Ausländer, 261 derselben Schweizer. Die Ausländer vertheilen sich 
auf die verschiedenen Staaten wie folgt: Russische Staaten 106, 
Oesterreich-Ungarn 54, Italien 46, Deutschland 41, Rumänien 35, 
Nord- und Südamerica 17, Griechenland 15, Frankreich und Holland 
je 9,* Bulgarien und die Türkei je 8, Grofsbritannien 7, Dänemark 6, 
Schweden 4, Serbien und Luxemburg je 2, Norwegen, Spanien und 
Asien je 1. Unter den 359 Zuhörern befanden sich 117 Studirende 
der Hochschule Zürich. 
Der Besuch der technischen Hochschule ln Darinstadt während 
des Studienjahres 1888/89. Die Gesamtzahl der Studirenden und 
Hospitanten beträgt am Ende des gegenwärtigen Sommerhalbjahres 324; 
davon gehören 193 dem Grofsherzogthum Hessen, 78 dem Königreich 
Preufsen, 34 anderen deutschen Staaten und 19 dem Auslände an. 
Auf die einzelnen Abtheilungen vertheilen 
sich 
dieselben 
folgender- 
mafsen: 
« Sludirende Hospitanten Stimme 
1) Bauschule 
35 
17 
52 
2) Ingenieurschule 
26 
4 
30 
3) Maschinenbauschule 
46 
8 
51 
4) Chemisch-technische Schule: 
Chemiker 
17 
6 
23 l za 
Pharmaeeuten 
24 
12 
36 f 50 
5) Mathematisch - naturwissenschaftliche 
Schule 
14 
21 
35 
6) Elektrotechnische Schule 
86 
8 
91 
Zusammen . . . 
248 
76 
321 
Holzcement-Dficher* Veranlafst durch den in Nr. 27 d. Bl., S. 235 
veröffentlichten Auszug aus amtlichen Berichten über die Bewährung 
von Holzcement-Dächern sind uns aus unserem Leserkreise einige 
Zuschriften zugegangen, deren Inhalt wir im folgenden wiedexgeben. 
Die Firma Karl Samuel Haeusler in Hirschberg schreibt, 
dafs die Erfindung des Holzcementes und seine Verwendung zur 
Dachdeckung in das Jahr 1839 fällt und dafs bereits im Anfang der 
vierziger Jahre eine Anzahl derartiger Dächer ausgeführt worden sind. 
.Der Stadtbaurath Kimpier in Hirschberg theÜt mit, dafs seit
	        
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