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Volume Nr. 27

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

Sr. 27. 
Centralblatt der Bauverwaltuug. 
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in der Regel ohne Schwierigkeiten und ohne erhebliche Kosten mög 
lich gewesen; vollständige Ilmdeckungen sind nur in ganz vereinzelten 
Fällen nöthig geworden. Allerdings ist die Beobachtungszeit noch zu 
kurz, als dafs schon jetzt ein abschliefsendes Urtheil darüber ge 
wonnen werden könnte, ob die Holzcementmasse von unbegrenzter 
JDauer ist. Es wäre allenfalls möglich, dafs die Dachhaut durch die 
langsam auf ihr absickernden Wasserfäden allmählich so angegriffen 
wird, dafs die Harzmasse ihre Schutzkraft verliert. 
Immerhin aber darf man nach den bisherigen Erfahrungen dem 
Holzcement-Dach die Vorzüge zueprechen, dafs es mit mäfsigen 
Kosten hcrzustellen und unbedingt dicht ist gegen Wasser, Schnee, 
Rufs und Staub, dafs es grofse Feuersicherheit und guten Schutz 
gegen Hitze und Kälte gewährt, dafs es eine unbeschränkte Ver- 
werthung der Bodenräume, auch eine Benutzung der Dachfläche selbst 
zu mancherlei Zwecken zuläfst und bei einiger Aufmerksamkeit nur 
geringe Unterhaltungskosten verursacht. 
Nichts destoweniger wäre es verkehrt, das Holzcement-Dach im 
Vorzug vor anderen bewährten Dächern etwa ganz allgemein, für 
jeden Landestheil und für jeden Zweck empfehlen zu wollen. Seine 
Anwendung wird immer in erster Linie auf dem Gebiet der Nutz 
bauten liegen. In unserer Zeit insbesondere, welche danach strebt, 
bei Bauten, die höheren Ansprüchen genügen sollen, das Dach 
sichtbar zu macheu und zur architektonischen Wirkung gelangen zu 
lassen, wird man namentlich bei freistehenden Gebäuden dem Schiefer-, 
Ziegel- oder Kupferdach seine berechtigte Vorrangstellung ‘lassen 
müssen. — H.— 
Zur Bestimmung der Härte der Metalle und über das Mafs der Härte 
Es sind mannigfache Verfahren zur Bestimmung der Harte der 
Metalle und der festen Körper überhaupt in Anwendung, ihre Er 
gebnisse lassen sieh aber auf keine bestimmte Einheit zurückführen, 
solange mau für den Begriff Härte kein Mafs besitzt. Die Härte 
wird als der Widerstand bezeichnet, den ein fester Körper dem Ein 
dringen eines anderen entgegensetzt, wie soll jedoch dieser Wider 
stand — die Härte — gemessen werden? 
Es liegt sehr nahe zu vemiuthen, dafs die Härte in geradem Ver 
hältnisse stehen müsse zu jener Kraft, welche erforderlich ist, die 
Massentheilchen des zu prüfenden Körpers gegeneinander zu ver 
schieben, also zur Schubfestigkeit oder Scherfestigkeit. Aber 
diese Vermuthung, welche wohl mannigfach aufgetaucht sein mag, 
wird dem Anscheine nach sofort widerlegt, wenn man mit den bisher 
zur Bestimmung der Scherfestigkeit gebräuchlichen Mitteln zwei 
Körper, z. B. Eisen und Quarz, untersucht. Zwei gleichgrofso 
Prismen dieser Stoffe, auf ihre Scherfestigkeit geprüft, zeigen, dafs 
der härtere, aber gleichzeitig weit sprödere Quarz weniger Wider 
stand leistet, als das weichere, aber zähere Eisen. Dieses Ergebnifs 
beruht jedoch auf einer Täuschung, weil die gewöhnlich zur Ab 
scherung gebrauchten Mittel keine reine Abscherung liefern, sondern 
den Versuchskörper stets auf Biegung beanspruchen, sodafs die 
spröden Stoffe nicht abgeschert, sondern gebrochen werden. Bei 
den mehr oder weniger zähen Stoffen, den meisten Metallen, tritt 
diese Biegung bei dem Beginne der Abscherung ebenfalls auf, nachdem 
dieselbe erfolgte, findet aber wirkliche Abscherung statt, und der dabei 
geäufserte Widerstand ist weit gröfser als jener bei der Biegung. 
Ob die Härte thatsächlich in geradem Verhältnisse zum Ab 
scherungswiderstande steht oder nicht, läfst sich nur durch solche 
Abscherungsversuche feststellen, bei welchen wirklich reine Ab 
scherung auftritt; hierzu ist es aber erforderlich, dafs der abzu 
scherende Körper allseits vollkommen dicht umschlossen ist und 
zwar von einem Stoffe, welcher harter ist als er. 
Solche Versuche hat der Unterzeichnete mehrfach durchgeführt 
und gefunden — wenn auch zunächst noch für eine beschränkte Zahl 
von Körpern —, dafs die Härte durch die Scherfestigkeit ge 
messen werden kann. Es ist hier nicht der Ort auf diese Ver 
suche des näheren einzugehen, aber es sei hervorgehoben, dafs die 
Härte des Zinnes und jene des Schellacks für die gewöhnlichen 
Zimmertemperaturen die gleiche ist, denn es stumpft sich eine Bruch 
kante des Schellack am Zinn und eine Zinnspitze am Schellack bei 
Ritzversuchen ab; der Abscherungswiderstand wurde bei beiden 
gleich, zu etwa 2,7 kg/qmm gefunden. 
Für die Bestimmung der Scherfestigkeit, bezw. der Härte der 
meisten Metalle kann die bezügliche Vorrichtung aus zwei festen 
Und einer zwischen denselben verschiebbaren (oder drehbaren) Stahl 
platte bestehen, durch welche ein gemeinsames, sehr wenig kegel 
förmiges Loch gebohrt ist. Die Platten müssen durch Schaben oder 
Schleifen so genau angearbeitet sein, dafs sie sich dicht an einander 
verschieben, und das abzuscherende Stück mufs 
nach demselben Kegel angeschliffen sein. Es 
seien a die bewegliche Platte, b b die festen 
Platten. Einfacher und für praktische Zwecke 
bei Härtebestimmung von Metallen noch ge 
nügend, würde eine Vorrichtung sein, die 
nur aus zwei gegenseitig verschiebbaren Platten 
besteht, welche zusammenfallende cylindrisehe Bohrung aufweisen, 
und in welche die Versuchstücke als cylindrisehe Stücke von thun- 
üch genauer Abarbeitung eingeschoben werden müfsten. 
Die Ansicht, dafs jene Körper, welche wir spröde nennen, keine 
reinen Abscherungsflächen zu liefern vermöchten, kann als Vorurtheil 
bezeichnet werden. Es ist nur sehr schwierig, die Erscheinungen 
splittrigen oder sohaligen Bruches hintanzuhalten. Wenn aber der 
spröde Körper allseits von härterem Stoffe dicht umschlossen 
und eingezwängt ist, dann verhält er sich wie ein bildsamer Stoff. 
So bog ich in jüngster Zeit krystallisirtes Steinsalz, Fraueneis 
(kryst. Gips) und Talk, indem ich diese Stücke ln den härteren 
Schellack und diesen in ein Eiseorohr einschmolz. Nach dem Aus 
kühlen wurde gebogen, hierauf durch Salpetersäure das Eisen, durch 
Spiritus der Schellack entfernt, und so wurden die in der festen Um- 
schliefsuDg gebogenen spröden Stoffe wohlerhalten, aber gebogen, 
freigelegt. 
In gleichet Weise duxehgeführte Drnekproben liefern noch auf 
fälligere Erscheinungen des Flicfsens dieser spröden Körper. 
Prag, im Juni 1889. Prof. Friedr, Kick. 
Der in obiger Mittheilung gemachte Vorschlag, die Scherfestig 
keit. als Mafs für die Härte, anzunehmen, erscheint uns nicht ganz 
einwurfsfrei, da nach dem üblichen — allerdings nicht scharfen —- 
Begriffe der Härte eines Stoffes diese Eigenschaft schon vor dem 
Bruche (z. B. bei Verdrückung) zur Geltung kommt, während sich 
die Scherfestigkeit nur auf den Augenblick des Bruches bezieht. 
Immerhin verdient der obige dankenswerthe Versuch einer Lösung 
der noch ziemlich dunklen Frage Beachtung, D. Red, 
Die Kirche des heiligen Vincenz in Metz, 
Unter den Kircheubautcu der Stadt Metz treten zwei besonders 
in den Vordergrund, die Domkirche St- Peter und die ehemalige 
Klosterkirche des heiligen Vincenz. Obschon die Anlage eines Domes 
in Metz viel älter ist, als die des genannten Klosters, so sind an 
ersterein doch nur wenige Theile vorhanden, die aus so früher Zeit 
stammen, wie der .Hauptbau der heutigen Vincenzkirche. Und wenn 
jetzt dei Dom durch seine reichen, von den zierlichen Spitzen seiner 
Thürine überragten Massen die Hauptrolle spielt im Stadtbilde von 
Metz, so fallen neben ihm vor allem die beiden viereckigen Thürme 
der Vincenzkirche auf, die schon seit der Mitte des XIII Jahrhunderts 
ein Wahrzeichen der wehrhaften Moselstadt sind. 
Im Jahre 968 1 ) fafste Bischof Dieterich von Metz den Entschlufs, 
auf einer der Mosel-Inseln aufserhalb der damaligen Stadt eine 
Männerabtei zu gründen, die vor allem eine Stätte der Wissenschaft 
werden sollte. Er berief zu diesem Zwecke Benedictinermöuche aus 
den Orten Gorze und St. Amould. Dieser Niederlassung entstammt 
') Pertz: Mon, Germ. I. S. 157. Armales S. Vincentii Mettonsis. 
die heutige Vincenzkirche, welche ebenso wie die Klosterbaulicb- 
keiten im Laufe der Jahrhunderte manche Wandlungen durchmachte. 
En dem Mafse, wie der Stifter die Abtei mit Gütern reich versah, 2 ) 
suchte er ihr auch durch den Ankauf geschätzter Reliquien ein be 
sonderes Ansehen zu geben So erstand er 969 in Corfiuo den Leich 
nam der heiligen Lucia, der, durch einen seiner Vertrauten Wigeric 
nach Metz überführt, dort am 18, Januar 970 anlangte und in der 
Abteikirche St Vincenz beigesetzt wurde. 3 ) Es wurde dies ein wich 
tiges Ereignifs für die Baugeschichto der Kirche. Man beeilte sich 
in dem damals wohl noch nicht vollendeten Bau für die Heilige so 
fort eine neue prunkvolle Capelle anzulegen, welche am 6. August 972 
in Gegenwart der beiden Nachbar-Bischöfe Gerhard von Toul 
und Wiefried von Verdun geweiht wurde- Auch gelang es dem 
rastlos thätigen Bischof für die Aebte seines Klosters von den Päpsten 
8) Vgl. den Aufsatz von M. Burtin in dem Voeu National, Echo 
du Eays Metein, Jahrgang 1883 Nr- 5509, 5510 
3 ) Pertz a. a. O,
	        
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