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Volume Nr. 27

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung (Public Domain) Issue 1889 (Public Domain)

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6* Mi 1889. 
Ceutralblatt der Bauverwaltung. 
der technischen Kreise und des Publicume erhalten hat, beweist die 
Thatsache, dafs in Breslau, nachdem das Holzcement-Dach im Jahre 
1861 polizeilich als feuersicher anerkannt worden, seither zwei Drittel 
aller neu aufgeführten Privatgebäude mit solchen Dächern versehen 
worden sind. Inzwischen hat die Holzcement-Bedachung auch in den 
übrigen Laudestheilen mit Ausnahme der westlichen Provinzen mehr 
und mehr Eingang gefunden, und in vielen Regierungsbezirken ist 
eine merkliche Zunahme ihrer Anwendung namentlich in den grüfseren 
Städten zu verzeichnen. 
Ueber die zweckmäfsigste Herstellungsweise und die Vor 
bedingungen, welche erfüllt sein müssen, um einem HoJzccinent-Dache 
dauernde Bewährung zu sichern, herrscht in allen wesentlichen 
Punkten Uebereinstimmung. Das Dachgebälk und seine Unter 
stützung mufs in sich vollkommen fest und steif sein, sodafs Be 
wegungen und Versackungen nicht eintreten können. Die Dach- 
ncigung soll etwa Vso betragen und die Schalung aus gespundeten, 
mindestens 3 cm starken, höchstens 20 cm breiten, gut ausgetrockneten 
Brettern bestehen. Der Raum unteT dem Dache mufs trocken er 
halten und gut gelüftet werden, damit die Schalung und die Sparren 
picht von unten stocken können. Zum Ausgleich der Unebenheiten 
der Schalung und um die Bewegung der einzelnen Bretter unschäd 
lich zu machen, soll zunächst eine dünne Schicht feinen trocknen 
Sandes oder eine Lage Dachpappe, und erst auf diese die erste 
Papieriage aufgebracht werden. Die Papierlagen sollen mindestens 
dreifach, besser aber vierfach, der zum Aufkleben und Ueberstreichen 
verwendete Holzcement von bester Beschaffenheit sein. Die Arbeit 
darf nur von geübten Leuten und bei trockenem, windstillem Wetter 
vorgenommen werden. 
Ueber die Frage, ob als Zwischenlage auf der Schalung eine 
Sandschicht oder Dachpappe vorzuziehen ist, sind die Anschauungen 
verschieden. In Schlesien hält man die Sandschicht für zweckuiäfsiger, 
weil bei Verwendung von Pappe die Unebenheiten deT Ueberdeckungen 
eine glatte Lagerung der Papierschichten verhindern. Die Papp- 
Unterlage wird dort nur als ein Nothbehelf angesehen, wenn die 
Ungunst der Witterung der gewöhnlichen Eindockung auf einer 
Sandsehicht entgegensteht. Von anderer Seite wird aber gerade ein 
Vorzug der Papp-Unterlage darin gesehen, dafs schnell eine vor 
läufige nothdürftige Bedachung gewonnen wird, um für die nur bei 
trockenem Wetter mit günstigem Erfolge herzustellende Eindeckung 
der Papierlagen die geeignete Zeit abwarten zu können. Zugleich 
aber wird auch die zähe Pappe dem Werfen der gespundeten Schal 
bretter sicherer widerstehen. Und wenn einige befürchten, dafs durch 
die Nägel, mit welchen die Dachpappe befestigt wird, die Papier- 
lagen durcbgescheuert werden, so ist demgegenüber hervorzuheben, 
dafs die letzteren ohne den Schutz der Pappe im Falle des Schwindens 
und Aufkantens der Schalbretter doch noch leichter angegriffen 
werden. 
Ueber die oberste, mit einem dicken Anstrich von Holzcement zu 
versehende Papierlage wird feiner Sand gesiebt und dann Kies auf 
gebracht. Die Kiesdecke erhält in der Regel eine Stärke von 8 bis 10 cm. 
Gut bewährt hat sich die Verwendung reinen Kieses als Unterlage 
und einer Mischung von Kies mit Lehm oder Strafsenschlick über 
derselben zur Befestigung des Kieses gegen Abspülen. Im Lauf der 
Jahre pfiegt auf der Oberfläche eine Moogbildung einzutreten, welche 
für die Erhaltung der Dächer förderlich ist, weil die Deckung da 
durch mäfsig feucht erhalten und vor der Einwirkung der Sonnen 
strahlen geschützt wird, sodafs auch bei anhaltender Hitze ein Flüssig 
worden der Holzcemcntmasse nicht eintreten kann. In einzelnen 
Fällen hat man auf die Kiesdecke auch wohl Mutterboden aufge 
bracht und diesen mit Gras besät, ein Verfahren, welches sich 
namentlich bei Bauten an der See und überall da empfiehlt, wo die 
Dächer starken Stürmen ausgesetzt sind. So ist beispielsweise das 
Nebelsignalgebäudo bei dem Leuchtfeuer Marienleuehte auf der 
Insel Fehmarn im Jahre 1878 derart eingedeckt worden, und zwar 
verwandte man dort 5 Lagen Papier mit Holzcementstrich, eine Kies 
decke von 10 cm Stärke und darüber eine 5 cm starke Mutterboden- 
schicht, welche mit Gras besät wurde. Dieses Dach hat sich seither 
tadellos bewährt. Ebenso erwies sich beim Nebclstations-Gebäude 
in Arcona eine nachträgliche Befestigung des Kiesbelages mit einer 
Rasendecke als zuverlässiges Mittel gegen die früher wiederholt ein 
getretene Entblöfsung der Papierlagen. Diesem Vortheil gegenüber 
erscheint das Bedenken, dafs eine starke Grasnarbe den Abflufs des 
Regenwassers allzusehr behindere, kaum von Belang. 
Anfänglich ist vielfach der Fehler gemacht worden, dafs die 
Kiesleisten aus Holz hergestellt wurden. Naturgemäfs wurde das 
Holz unter dem Wechsel von Nässe und Trockenheit sehr bald zer 
stört, sodafs die Kiesdecke abrutschen mufstc. Auch wurden die 
Enden der Papierlagcn durch die Nagelung der Holzleiste von vorn 
herein beschädigt. Jetzt, werden deshalb die Kiesleisten nur noch aus 
starkem Zinkblech hcrgestellt (Abb. 1). Die Arbeiten des Klempners 
sind von grofser Bedeutung für das Gelingen der Holzeement-Ein- 
deckung. Beim Anbringeu der Rinnen und der Einfassung von Bau- 
theileD, welche die Dachfläche durchbrechen, wie bei Schornsteinen und 
Oberlichtern sowie bei den Anschlüssen der Dachfläche an Giebel 
mauern, ist die gröfste Vorsicht geboten und besonders Sorge dafür zu 
tragen, dafs das Zinkblech sich frei bewegen kann. Wenn die Zink- 
aufkantungen mit den wagerechten Lappen auf die Schalung fest 
genagelt werden, so genügt eine geringe Senkung des Daches, um 
Risse an den Löthstellen und Brüche an den Biegungen des Zinkes 
herbeizuführen. Es ist auch mehrfach beobachtet worden, dafs die 
auf die wagerechten Lappen der Zinkaufkantungen aufgeklebten 
Papiorlagen nicht ganz dicht scldossen, vermuthlich, weil das Zink 
blech nafs geworden war, sodafs das 
Wasser zwischen Zink und Holzcement 
eindviugen konnte. Als ein zweckmäfsiges 
Mittel, diesen UebelstÖDden zu begegnen, 
erscheint das neuerdings von der Mini- 
sterial - Baucommission in Berlin em 
pfohlene Verfahren, die Lappen der Zink- 
aufikantung nicht auf die Schalung auf 
zunageln, sondern, wie in nebenstehender 
Abbildung 2 angedeutet, in den Ecken 
der Maueranschlüsse eine Dreikantleiste 
anzubringen und das Zinkblech ohne 
Befestigung auf der Schalung mit genügendem Ueberstand frei über 
die Papierlagen fortreichen zu lassen. 
Undichtigkeiten an Holzcement-Dächern waren, abgesehen von 
vereinzelten Fällen, in denen die Eindeckung an sich regelwidrig, 
von ungeübten Arbeitern oder unter Verwendung geringwertiger 
Baustoffe erfolgte, vorzugsweise auf folgende Ursachen zurück 
zuführen. Entweder war der Dachstuhl nicht stark und fest genug 
gezimmert, oder die Schalbretter warfen sich, sodafs Bewegungen 
eintraten, bei denen die Papiorlagen reifsen mufsten, oder es war 
versäumt, für eine genügende Lüftung des Hohlraumes unter der 
Schalung Sorge zu tragen, sodafs diese und die Sparren zu stocken 
und zu faulen begannen. Letzteres ist häufig dann eingetreten, wenn 
unmittelbar unter den Sparren eine verschalte und mit Mörtel ver 
putzte Decke angebracht wurde. Es ist ferner beobachtet worden, 
dafs Holzwürmer die Schalung und die Papierlagen durchbohrt haben, 
auch dafs durch Nägel, welche unvorsichtigerweise von unten her 
in die Schalung eingcschlagen wurden, die Holzcement-Haut beschädigt 
wurde. Nicht selten ist es auch versäumt worden, wenn einmal durch 
Sturm oder Gewitterregen die Kiesdecke angegriffen war, die Ober 
fläche rechtzeitig wieder einzuebnen, sodafs dann an einzelnen Stellen 
die Papierlagen allmählich ganz blofsgelegt wurden. Weitaus am 
häufigsten aber haben sich Lecketelleh da gezeigt, wo aus den oben 
erwähnten Ursachen die Zinkeindeckung schadhaft wurde, Nach 
theilig haben eich auch eiserne, durch das Dach geführte ßauch- 
oder Dunstrohre insofern erwiesen, als sic Rost bildeten und dadurch 
die Anschlüsse undicht machten. In solchen Fällen gewährt Kupfer 
blech eine gröfsere Sicherheit. 
Wenn auch der Ursprung eines Schadens an der Dachfläche 
nicht immer leicht zu entdecken war, so ist doch die Ausbesserung
	        
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