Publication:
1882
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-14039852
Path:

97
Centralblatt der Bauverwaltung.
Jahrgang IL
Erscheint jeden Sonnabend.
Herausgegeben
im Ministerium der öffentlichen Arbeiten
Praenum.-Preis pro Quartal 3 Jt
auBBchl. Porto oder Botenlohn.
Berlin, 25. H&rz 1882.
1882. Ho. 12.
Redaction:
W. Wilhelm - Strafae 8a
Expedition:
W. Wilhelm-Strafae 90.
INHALT: Amtliche«: Personal-Nachrichten. - Nichtamtliche«: Der Tempel der Athen« Alea in Tegea. (Schlufs.) — Die Tbemsebrücken in London. — Nene Schleuse and
Hafeneinfahrt in Harburg. (Schlafs.) — Mnsslye Deckenconstruction, System Murat — Barock, Bocoeo, Zopf. — Vermischtes: Dankes-Kirche in Berlin. —
Ehreuforum in Hannover. — Holz-Architektur-Aufnah men. — Die evangelische Kirche iu Grofs-Lunau. — Eine Concurrenz für einen Aussiehtsthurm auf dem
Astenberge in Westfalen. — Theaterbrände. — Zur Stepbanie-Brücken-Concorrenz in Wien. — Die Frage der Dauer der Eisenconstructionen. — Technische Hoch
schule in Darmstodt. — Die diesjährige Generalversammlung deutscher Architekten- ond Ingenieurvereine.
Amtliche Mittheilungen.
Personal-Nachrichten.
Preufsen.
Zu Regierungs-Baumeistern sind ernannt: die Bauführer Otto
Sprengell, Gust. Ziesemann, Alwin Nawrath und Karl Leeg;
zu Regierungs-Maschinenmeistern: die Maschinenhauführer Karl
Gilles und Paul Kurth;
zu Bauführern: Job. Hansen und Hugo Bischoff.
Württemberg.
Dem Oberbaurath von Schiierholz bei der Generaldireetion
der Staatseisenbahnen ist das Comthurkreuz zweiter Klasse des
Friedrichsordens, dem Oberbaurath Brenner der Ministerial-
abtheilung für das Hochbauwesen das Ritterkreuz erster Klasse des
I Ordens der württembergischen Krone, dem Betriebs-Bauinspector
Ganzenmüller in Weikersheim und dem Bauinspector Schmoll er,
Vorstand des technischen Büreaus der Generaldireetion der Staats
eisenbahnen, das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens ver
liehen worden.
Dem Betriebs-Bauinspector Hocheisen in Böblingen ist der
Titel und Rang eines Bauraths verliehen.
Die Bahnmeister Eberhardt in Hirsau, Veigele in Mühlacker
und Neuffer in Vaihingen, sowie die Baumeister Knoll und
Glocker sind zu Ingenieurassistenten bei dem technischen Bureau
der Generaldireetion der StaatseisenbahneD, und der Baumeister
Angele zum Abtheilungsingenieur bei der Ministerialabtheilung für
den Strafsen- und Wasserbau ernannt.
Der Baumeister Faifs ist zum Bahnmeister in Altshausen, und
der Baumeister Oetinger zum Bahnmeister in Mühlacker ernannt.
Nichtamtlicher Theil.
Redacteure: Otto Sarrazin und Hermann Eggert.
Der Tempel der Athena Alea in Tegea.
(Schlafe.)
Noch ehe jener Aufsatz in den Mittheilungen erschienen war,
hatte ich im Frühjahre 1880 von Olympia aus mit Dörpfeld einen
Ritt durch den Peloponnes gemacht und unter anderen Plätzen —
wie z. B. Gortys — auch Tegea besucht. Leider war hier alles be
reits wieder zugeschüttet, so dafs wir uns auf eine eingehende Be
sichtigung des kleinen Localmuseums sowie auf eine Vermessung
der umherliegenden oder in der nächsten Nähe verbauten Werkstücke
und Details beschränken mufsten. Trotz der etwas knapp bemessenen
Zeit war die Ausbeute höchst lohnend, da es uns bei genauerer
Prüfung der plastischen Fragmente im Museum sofort gelang, ein
Marmorfragment, welches bisher als Stierkopf gegolten hatte, als das
sichere, weil sehr charakteristisch gearbeitete Bruchstück eines grofsen
Eberkopfes festzustellen. Es war selbstverständlich, dafs wir hier
durch an das Thema des Ostgiebels — an die kalydonische Eber
jagd — erinnert wurden und um so fleifsiger nach weiteren Resten
derselben Herkunft spähten. Dieselben wurden auch in zwei lebens-
grofsen männlichen, nach links gewandten Köpfen von trefflicher
Auffassung, aber etwas flüchtiger Behandlung vorgefunden. Ihre
Abstammung von den Giebelgruppen hatte man gleichfalls über
sehen, obschon neben einem Stilcharakter, der auf das IV. Jahr
hundert wies, Malsstab und Material die Zusammengehörigkeit zum
Tempel deutlich erkennen liefsen. Damit wurde auch von der Seite
der Plastik her der wünschenswerthe Beweis geliefert, dafs der an
dieser Stelle zertrümmert liegende Tempel nichts anderes sein kann
als das von Pausanias beschriebene Heiligthum der Athena.
Einige Wochen später wurden die Ergebnisse unserer Prüfung
durch eine erneute Untersuchung von Seiten des Dr. Treu, dem
Dörpfeld nach seiner Rückkehr nach Olympia die nöthigen Mit
teilungen gemacht hatte, entscheidend bestätigt. [Vergl. den Bericht
dieses Gelehrten in d. Archäol. Ztg. 1880 S. 98 und dazu Milchhöfers
Nachtrag daselbst S. 190.]
Unsere architektonische Ausbeute war gleichfalls von solchem
Belange, dafs eine kurze Mittheilung, trotz der unvermeidlichen
Wiederholung zu dem von Milchhöfer gelieferten Materiale, sich wohl
rechtfertigen läfst. Wir fanden folgende marmorne Bauglieder:
1) Fufsbodenplatten 1,705 1-, 1,18 br. und 0,294 st. (M. hat solche
von 1,775 1., 0,90 br. und 0,285 st. gesehen); 2) Tempelstufen 1,19 I.
und 0,435 h.; 3) eine dorische Säulentrommel von 1,41 unterem
Durchmesser; aus anderen konnte ein Durchmesser von etwa 1,50 be
rechnet werden; 4) dorische Capitellfragmente mit 3 Ringen, steilem
Echinus und 0,20 h. Abakus, (die Höhe des Capitells bis zum Hals
einschnitte wurde auf 0,55 geschätzt — ein Mafs, welches auch M.
angibt, — und der obere Durchmesser auf 1,24 berechnet); 5) ein
kleines aber wegen ineisbarer Details wichtiges Bruchstück eines
dorischen Epistyls mit 0,71 br. und 0,168 1. Regula; das Epistyl war
aus 2 oder 3 Blöcken geschnitten, deren vorderster eine Dicke von
0,73 besafs; 6) mehrere dorische Geisonbruchstücke mit 0,717 br. und
0,62 tiefen Viae, und 0,183 br. Zwischenräumen, — Durchmesser der
Tropfen = 0,066, ihre Höhe = 0,019, — der Gesamtvorsprung des Geison
beträgt etwa 0,68, seine Höhe war nicht zu messen; 7) mehrere Stücke
einer ionisirenden Sima mit Löwenköpfen und gelagerten Raoken-
zügen; 8) Fragmente von Flach- und Deckziegeln; die letzteren, halb
rund gehöhlt, haben eine Breite von 0,250 und Höhe von 0,135;
die Stärke der FLachziegel beträgt 0,052, ihre Randhöhe 0,087; als
besonders wichtig ist das Fragment eines Hypäthralziegels hervor
zuheben; 9) Bruchstücke von reichen Palmetten-Stirnziegeln, sowie
das Fragment des ähnlich behandelten Firstakroterion, dessen Zu
gehörigkeit mir aber sehr zweifelhaft ist; 10) mehrere vorzüglich
gemeUselte attische oder korinthische Wandspifen, aus geflochtenem
Torugpfuhle, Hohlkehle und nach oben gerichtetem lesbischen Kyma
mit Astrag&l bestehend, Gesamthöhe = 0,288, gesamte Profiltiefe
= 0,200; die Arbeit der des Erechtheions sehr nahestehend, aufeer-
dem sind ein- wie ausspringende Ecken vorhanden; 11) andere (nicht
plastisch durchgebildete) attische Wandplinthen von 0,45 Höhe und
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.