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Volume Heft 1 175 Jahre Knoblauchsches Haus

Full text : Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins (Rights reserved) Ausgabe 59.1942 (Rights reserved)

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Unsinn: die verdammten Nonnengeister sangen in teuf- liner Humor allein schon sehr beliebt war, doch eine
lischer Lustigkeit, hervorgerufen aus ihren Gräbern, um strenge Sangeszucht aufrechterhalten habe. So hoh er
dann von bösen Schergen wieder zurü> gepeits<t zu aber auch als Dirigent seine Aufgabe auffaßte, in noch
wverden!! Viel Musik und vielleicht auch einiges Gute höherem Maße glaubte er als Apostel Goethes berufen
dabei. Raupach, den ih nachher am Ausgang traf, zu sein. .Seiner Anregung sei es zu danken gewesen, daß
meinte: Ich wäre glülich, wenn meine Stüe mir soviel sich selbst innerhalb des Singakademiechores Lesezirkel
einbrächten, als Meyerbeer die seinigen kosten.“ bildeten, in denen man alle neu erschienenen Werke
Schließlich sei noh ein Schauerstü> erwähnt, das Goethes mit lebendigster Aufmerksamkeit aufnahm. Mit
damals die Gemüter stark erregte: Spannung hätte man allem neuen Schrifttum, das aus
31. Januar 1828: „Im Königstädtischen „Drei Tage Weimar kam, entgegengesehen; mehrere der Bühnenaus
 dem Leben eines Spielers'. Sehr gut gegeben. werke las man mit verteilten Rollen. Die gemeinsame
MlUÜe Herold und Herr Meyer. Das Stü, besonders Musikfreude und die Goethebegeisterung habe zur Folge
der 3. Akt, gar zu gräßlih. Immerhin noh das beste gehabt, daß sich auch ein gesellschaftlicher Verkehr ent-Stü
 dieser Art. Die Müdigkeit überwältigte s<hließ- wielte, der die Akademiekreise umfaßte; Freundschaften
lich das Grauen.“ seien entstanden, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts
Auch die von Geschleht zu Geschlecht fortgepflanzt hätten; eine
Janzkunft Art Singakademieüberlieferung sei entstanden. Zu nicht
hatte damals in Verlin ihre große Zeit. Durch ihre geringem Teil haben so ihren Ursprung die freundschaft-Grazie,
 besonders als „Sylphide“, erntete die Taglioni ichen Beziehungen zwischen den Sippen Keibel, Knobstürmischen
 Beifall. Stärker noch war aber die allge- lauch, Franz mit den alten Familien Jordan, Bornemeine
 Begeisterung für die junge Fanny Elsler, deren mann, Volkart, v. Hennig, Immig, Maue, Schöpf,
Stern damals in Berlin aufging. 4. November 1830, Wiebe, Zelle, de Cuvry, Ebart, Bialon u. v. a. m.
Opernhaus: „Ballett „Die neue Amazone“. MUe Fanny Verkehrte Carl Knoblauch auch nicht in der Familie
Elsler ganz allerliebst, so kunstvoll und natürlich unbe<- ZZelters, so war er doch oft mit ihm gesellschaftlich zufangen.
 Der König war zugegen und der Kronprinz sammen, 3. B. in der Liedertafel, im Montags-Klub, in
von Bayern, auch der General Diebitsch.“ Worte höh- den Familien Klöden und Bornemann. Vielfach finden
sten Beifalls wiederholen sich, so oft C. Knoblauch ihr wir im Tagebuch Bemerkungen Zelters, die von Belang
späteres Auftreten miterlebte. Auch persönlich lernt er sind. Wie er zu Rossini stand, wie er die Catalani besie
 auf dem Künstlerball kennen (2. Februar 1832). urteilte, ist schon im vorstehenden gesagt. Hier noh
Fannys liebreizende Erscheinung fesselt ihn auch hier, einige Tagebuchvermerkse:
während ihre Schwester Therese ihm „gar zu dünn“ „23. Juni 1828: In den Montags-Klub . . . Bürgervorfommt.
 Die Stimmung gegenüber Fanny schlägt meister v. Bärensprung, Link, Lichtenstein, Enke, Zelter,
aber um, als Gerüchte über sie in Berlin Glauben neben dem ich saß. Er stellt Händel sehr hoch insofern,
fanden, die sie in Beziehung zum Tode des jungen als er eine ganz neue Bahn gebrochen; Mozart genial,
Sohnes Napoleons bringen: „Mit Cantians und Prof. aber nicht so groß wie Händel. Hohe Bewunderung für
Wichmann in die Oper: „Baldrian und Rose“. Rübe«- Gluck und dessen Verdienste um die dramatische Musik.“
zahl-Devrient sehr gut. Die Elsners tanzten auh ... „Auf dem Heimwege noh mit Herrn v. Bärensprung
darin; das war das einzige, das störte. Seit ihr Lebens- ernstes Gespräch über das Fortleben nach dem Tode.
wandel bekannt ist, mag ich sie gar nicht mehr leiden. Wir waren am Ende darüber einig, daß der Glaube
Besonders sagt man, daß Fanny die Gesundheit des daran die Hauptstüße alles dessen wäre, was wir in
Herzogs von Reichstadt auf ihrem Gewissen habe.“ diesem Leben doch nun einmal als das Erhabenste und
Der Berliner Witz geht natürlich auch an den Ge- Edelste anerkennen müssen.“
schwistern Elsler nicht vorüber. Ohne anderen Grund 18. November 1828: „Gegen 8 Uhr mit Klöden in
als aus reinem Alk bringt er sie in Beziehung zu stadt- die Liedertafel. Schleiermacher, Lichtenstein und andere
bekannten Persönlichkeiten und nennt „die langbeinige Bekannte dort. Zelter zuleßt sehr gesprächig und anekdünne
 Therese nach dem 74jährigen Zensor Langbein dotenreich. Heiteres Wortgefecht zwischen A. v. Arnim
und Fanny, die tänzerisch bedeutendere nach dem hohen und Lichtenstein. Erst nach 12 aufgebrochen.“
Staatsbeamten und Dichter: Strek>fuß (Tagebuch 8. September 1830: „Abends zu Klöden, wo Wöh-16.
 November 1832). sert und Wackernagel mit ihren jungen Frauen und
Wie das Theater zu hoher Blüte gelangt war, so Prof. Zelter, der viel von Goethe erzählte, wie er die
wurde auch die Kunst besäße, jemand wie eine Uhr aufzuziehen und
SangesSkunst dann auszuhor<en, wenn dieser in Fluß und Rede kam.“
eifrig in vielen Bereinen gepflegt. An führender Stelle 31. Mai 1831: „Mit Klöden .in die Liedertafel.
stand die Liedertafel, die unter Zelters Leitung Hervor- Fürst Radziwill anwesend, von dem 2 Lieder gesungen
ragendes leistete. Ih selber erinnere mich noh =-- es wurden. Graf Brühl und Spontini auch dort. Das
ist shon ein halbes Jahrhundert her --, wie meine Groß- dcarakt. Trommlerlied mit viel Präzision vorgetragen.
mutter mit ihren 90 Jahren in helle Begeisterung bei Einstudierung des Paulus.“
der Erinnerung an Zelter geriet, unter dem sie in Als Freund fröhlicher Geselligkeit lernen wir Zelter
ihrer Jugend im Chor der Singakademie mitwirken verschiedentlich kennen, so an dem Abend des 6. Januar
durfte. Sie erzählte dann mit der ihr eigenen Lebendig- 1832 bei Bornemanns, wo eine köstliche Gänseleberkeit.
 wie der Meister. der durch seinen köstlihen Ber- pastete den Höhepunkt des Mabhles bildet und ein vor-
            
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