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wert: „Spontini hatte seine Oper „Olympia“, die wäh- reinsten, kräftigsten, ausdru>vollsten Stimme und spielte
rend der Vorproben zu „Acidor' einmal zur Aufführung auch sehr gut. Ihre Kunst war indessen dieser großangeseßt
war, ganz vergessen, wie sih in der Probe artigen Partie lange nicht in dem Grade gewachsen, als
deutlich zeigte. Er griff falsche Akkorde, nahm unrichtige 28 das ganze Wesen der- hierin unerseßlichen Mad.
Tempi, kannte die Folge nicht. Er äußerte, daß es ihm Milder ist. Königs Geburtstag. Der 1. Rang voller
immer so ginge, die Gegenwart beschäftige ihn so, daß eleganter Leute. „Heil dir im Siegerkranz' wurde veror
das Vergangene und seine eigenen Werke am leich- langt und stehend gesungen.“ Einige Tage später hörte
testen darüber vergäße. Seine Einnahme ist außer- er die Schechner in der Oper „Die Bestalin“. „Mäe
ordentlich: 5000 Taler laufendes Gehalt, die Benefiz4 QScce<ner gab die Julie vortrefflich im Gesang und im
vorstellungen haben ihm in diesem Jahr 1500 Taler ein- Spiel auf das Seelenvollste und mit der bewundernsgebracht.
Für „Acidor“ hat er kontraktmäßig 1050 Taler würdigsten Kraft und Ausdruk der Stimme.“
erhalten und von der Königin der Niederlande ein Ge- Persönliches über die große Sängerin erfahren wir
schenk von 200 Taler Fridr. d'or. Demnächst hat er einen durch einen Eintrag im Tagebuch vom 8. September
Urlaub von 11 Monaten:“ 1827: „. . . Mit Reimer in die geseßlose Gesellschaft.
Am 26. Juli 1825 vermerkt das Tagebuch einen Geh. Rat Ballan stellt mich dem jungen Dr. Schechner,
zweiten Besuch. Jetzt war das Urteil doh günstiger; dem Bruder der Sängerin vor; ein gut unterrichteter
28 wird anerkannt, daß die Musik do<h so manches vorurteilsfreier junger Mann. Er erzählte von dem ge=Schöne
enthalte, „indessen im Verhältnis zu den alten diegenen Unterricht, den seine Schwester bei ihrem
Meisterwerken ist sie doch von großer Gedankenarmutz itälienischen Lehrmeister genossen, wie sie stets angejedenfalls
ist sie von Spontinis bisherigen Kompositio» halten wäre, die alten Meister ohne Ausschmückung zu
nen die geringste. Wie anders sein Landsmann Rossini: singen. Als sie in einer Stunde zu einer Mozartschen
2x hat der menschlichen Stimme gleichsam eine neue Musik einige Läufe und Verzierungen hinzugefügt habe,
Bahn gebrochen, bisher nie versuchte Modulationen läßt verwies sie ihr Lehrer, daß die großen Meister wie
2x durch sie ausführen“. Zelter, mit dem er sich über Mozart und Händel jede Note mit Grund und Bedacht
diesen Vergleich unterhielt, meinte in hoher Bewunde- niedergeschrieben hätten, daß sie nicht das geringst2 daran
rung für Rossini: „Ia, so einer wird auch nicht alle verändern dürfe, mit Rossini aber machen könne, was sie
Tage geboren!“ Kngleich stärker als von dieser wolle. Als sie die Gluksche Musik hier kennengelernt
„Acidor“-Aufführung wurde er einige Tage später er- habe, sei sie ganz entzückt nach Hause gekommen und habe
griffen, als er um Mitternacht nach dem Aleranderplaß bewegt geäußert, ihr sei ein neuer Himmel in der Musik
heimkehrte, wo er damals mit seinen Kindern bei deren aufgegangen. Lebhaftes Gespräch über Musik. Künst-Großeltern
Keibel wohnte, und an der E>e der Land8s- lerische Begeisterung von C. Begas. Die Arabeske sei
berger Straße ein Ständchen (wohl für einen anbrehen- die Grenze der Malerei an die Musik.“
den Geburtstag), gesungen von herrlihen Männer- Am 20. April 1830 erlebt K. im Opernhaus den
stimmen, dargebracht wurde. „Wunderbar klang das Theaterskandal, zu dem die schon erwähnte MUe Sulz
mater amabilis, ora pro nobis durch die milde Sommer- den Anlaß gab. „Abends in „Don Juan“, worin Mlle
nacht.“ Sontag die Donna Anna vortrefflich sang. Mad. Schulz
Mit Spontini kam er gelegentlich auch gesellschaftlich (Elvira), welche unverantwortlich schlecht die große Arie
zusammen, hörte ihn auch selbst einige Lieder singen vortrug, wurde ausgetrommelt und -gezischt. Als fie
„nicht ohne Koketterie“. Einmal sah er ihn auch im kurz darauf wieder auftreten mußte, bringt sie einige
„Tivoli“ im Kreise einer größeren Gesellschaft. konvulsivische Töne hervor und sinkt nieder; ihre Rolle
4. März 1830: „Herr Gerike [Leiter des Tivoli- wurde dur< Frl. v. Schäßel, die als Zerline angekünunternehmens]
berichtet von seinen großartigen Plänen, digt und deren Rolle durch Mad. Deisler ersetzt, welche
nach denen auch das verständige und denkende Publikum aus dem Parkett abberufen wurde.“
würdig unterhalten werden soll; spricht von Spontini, 21. April 1830: „Die Schulz soll noh immer krank
der mitunter herfäme mit seiner Gesellschaft, worunter seinz es heißt, Blutegel würden ihr an den Kopf gesetzt
außer einigen Mitgliedern der hohen Aristokratie einige und Eisumschläge angewandt. Wider ihren Willen und
Schöngeister mosaishen Stammes und französis<e nur auf ausdrückliche Forderung Spontinis hat sie die
Schauspieler und einige Sänger. Als ich von einer ge- Rolle der Elvira übernommen. Abgetreten soll fie noch
mischten Gesellschaft sprach, berichtigte er dies durch die im Garderobenzimmer die heftigsten Ausbrüche von
Benennung einer sehr feinen Sozietät!“ Auch Frau Wut geäußert, sih an die Erde geworfen haben, auf
Spontini sieht er gelegentlih einmal in einer den Tisch gesprungen und dem Grafen Redern zu Füßen
„Assemble“, am 8. März 1830, einem Vortragsabend gefallen sein, diese umklammert und ihn gebissen haben.
beim Bankier Fränkel über die Algiererpedition und Sie ist in einem Zustand gewesen, daß der König nicht
über Somnambulismus. „Mad. Spontini war gegen- zu ihr hat gelassen werden können. Er hat ihr seine Unwärtig
und die von ihr auf einem Maskenball beleidigte zufriedenheit mit dem Benehmen des Publikums zu er-Dame,
welche sie beschuldigte, ein ihr in Paris entwen- kennen gegeben und soll versprochen haben, alles wieder
detes Armband zu tragen. Es war interessant, die gut zu machen.“
Kreise zu bemerken, welche die beiden Damen zogen, um Neben den genannten Bühnengrößen werden weiter
sich nicht zu berühren.“ im Tagebuch gewürdigt Sophie Müller, Sophie Schrö-Am
3. August 1827 hörte er die große Shechner als der und die Schröder-Devrientz; von dieser wird nicht
Iphigenie. „MUe Sener sang vortrefflich mit der immer mit Befriedigung gesprochen, zu männlich sei sie