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Volume Heft 4 Bis in die Puppen. Eine Berliner Redensart

Full text : Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins (Rights reserved) Ausgabe 49.1932 (Rights reserved)

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Meyer-Mauermann im „Richtigen Berliner“ die geit mi denn doch öwer de Poppen = über die Hutschnur“
falsche Angabe, gestüßt auf einen niht (wie auch sonst (im Fürstentum Lübed).
selten) nachgeprüften Aufsatz in der Vossischen Zeitung, der Ih fasse zusammen:
M 2 falschem: Daum angegeben wird. 1. Nirgendwo für Deutschland läßt sich nach-Daß
 die RedensSart heute weithin in Deutschland ver- ..- ; 7 . c . .
breitet ist, mögen die folgenden Belege erhärten (auf eisen, daß die Redensart seit alter Zeit auf Ge-Sanders
 und Grimm ist schon oben hingewiesen wor1«- tkreidepuppen bezogen worden wärez dies tut erst der
den): Bor<hardt-Wustmann, die sprihwörtlihen Ungenannte in der „Vossishen Zeitung“ 1896, und
Redensarten im deutshen Volksmunde. Lpz. 1895, zwar ohne Nachweis, daß Bauern irgendwo jemals
Nr.“ 956. =. Karl Bauer (+t 12. Januar 1880), Wal- vei Re it B Garb 0
de>isches Wörterbuch. Dresden u. Lpz. 1902, S. 83: „bit gen mit Bezug auf Garben so gesagt hätten.
in de Pupen = bis ins Unendliche.“ -- Franz Frhr. von 2. Das spätmittelhochdeutsh<he Wort Puppe ist
S ep 2 Dd 7 Sprachwörterbüc, Zum: 19072700 T erst im Laufe des 19. Jahrhunderts auf Getreide-Richter-Weise,
 euts<e RedenSarten. „Aufl. . :
Lpz. 1910, 229. -- Karl Müller-Fraureuth, Wör- gaben angewendet worden : ; .
terbuch der obersächsis<en und erzgebirgishen Mundarten. - Die mythologishen Figuren, die Knobelsdorff
Dresden 1911. Bd. 1, S. 170: „Bis in die Puppen = 1742 im Tiergarten hatte aufstellen lassen, hießen
ps, 8: DnS ache a Mer Oi DuD hie Mn: shon zur Zeit Friedrichs des Großen im Volksmunde
= es übersteigt alle i . recht); ; u“ be
M MOBI ET Dreuiisher GBinterbig Bir 1883. ZE Duppen“. (Erster Beleg pom Jahre 1787) “2
Bd. 2, S. 165--166: „Pogiften, Pugiften, Pogifken, plur. - Sicher auc< schon zur Zeit Friedrichs des
Bis in die Pogiften etc. bis zum äußersten. Der Ber- Großen entstand die Redensart „Bis an die Puppen“,
iner Bis in dir Pen NRENOHIN 43 Fot um große assernung und somit (age Sauernöes zu
a. a. O. noch: an: „ orn jtiedt in PUPPEN = ezeichnen (erster Beleg zufällig erst ).- Sie ist
Rppen: Rich. Zoozmann, Zitatenschaß der Welt- AIRE in abstraktem Sinne verwendet worden, ein
iteratur. "Lpz." 1915: : 35.40. Tausend. ' . Sp- 972. ! = SIF
Friedrih Seiler, Deutshe Sprichwörterkunde. Mün- jedem Sprachkenner geläufiger Vorgang; dabei spielt
<hen 1922; 25 0 SSE SOLIS SIE II abcr das SEIDE 0e keine Rolle: man konnte uh
weit verbreitet hat. =- N / „in“ die Puppen sagen, seitdem man nach der Ent-EHR
 9 DNS SOI Es BE ESESE RIESE fernung der „Puppen“ keine bestimmte Vorstellung
Wörterbuch. Bd. 3, Sp. 1094. Neumünster 1931: „Dat mehr mit der Bezeichnung verband.
Friedrich Philipp Rosenstiel, Direktor der Kgl. Porzellanmanufaktur
T 18. Mai 1832.
Von Peter von Gebhardt, Stadtarchivar in Magdeburg.
In einem Jahre, in dem man die 100. Wiederkehr und nah diesem von dessen Sohn Philipp Reinhard
der Todestage eines Goethe und eines Haydn verwaltet. Der „Pflug“ schließlih gehörte dem
feierte, konnte es leicht geshehen, daß man Größen jüngsten Sohne, dem fürstlihen Mundko<h Jobann
zweiter und dritter Ordnung vergaß, die mit denen Reinhard Rosenstiel.
der ersten das TodeSsjahr teilen. Zu diesen gehört -- Damals, um die Mitte des 18. Jahrhunderts, beneben
 Persönlichkeiten wie C. F. von Kügelgen, Loder, gann der Ausstieg der Familie. Eine der Töchter
Unzelmann, I. M. Sailer, Graf Bentel-Sternau/, des älteren Nicolas heiratete den. Stadtadvokaten
I. F. Pierer, Daniel Ludwig Devrient und auch dem Johann Franz Aulber in Buchsweiler. Ihr Bruder,
Herzog von Reichstadt -- ein Mann, dessen Name der am 5. Februar 1718 geborene Johann Heinrich
heute zu Unrecht fast vergessen ist: Friedrich Philipp =-- der spätere Vater Friedrich Philipps -- schlug
Rosenstiel, Direktor der einstmals Königlichen Porzel« eine akademische Laufbahn ein. Ein Sohn des jüngelanmanufaktur
 in Berlin. ren Johann Nicolas wurde Arzt?). Der Sohn des
Der Ursprung der Familie Rosenstiel dürfte im Pflugwirtes Johann Reinhard, nach dem Großvater
Kanton Aargau zu suchen sein, wo schon im 16. Jahr- Johann Nicolas genannt, ging in den hessen-darmhundert
 Namensträger im Handwerkerstande und ver- städtischen Hofdienst; zu seinen Nachkommen gehört
einzelt als Geistlihe vorkommen*?). Gegen Ende des der Hofkunstdrehsler Friedrih Rosenstiel?), dessen
17. Jahrhunderts wurde in Mundolsheim bei Straß- Firma no<h heute in Berlin besteht.
burg Johann Nicolas Rosenstiel geboren, der das Ge- Den Übergang vom kleinstädtischen Honoratiorenshleht
 nach Buchsweiler verpflanzte. In diesem tum zum höheren Beamtentum und schließlich ihr Aufunterelsässis<hen
 Städtchen, der Residenz der Grafen gehen in den grundbesitenden Adel vermittelte auch in
von Hanau-Lichtenberg, übte die Familie in mehreren dieser Familie das protestantis<e Pfarrhaus.
Gliedern und Generationen den Gastwirtsberuf aus. Zwischen dem Gastgeber zum „Güldenen Adler“ in
Der „Güldene. Adler“ war das Stammhaus, in demn BuchSweiler und“ seinem Enkel, dem Direktor der
Johann Nicolas und nach ihm sein gleichnamiger Kal. Porzellanmanufaktur in Berlin, steht hier als
Sohn wirkten. Der Gasthof „Zur Stadt Hanau“
wurde von Johann Nicolas' Sohn Philipp Friedrich ; 2 Mi ihm starb 1822 der Name Rosenstiel in Buchs-Vveiler
 aus.
1) Gütige Mitteilung. des Herrn Hermann Friedrich 3) * Wallerstädten, Hessen, 10. 11. 1826, | Berlin 7.12.
Macco in Berlin-Stealitz. 1891.
            
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