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Periodical volume Nr. 8 Der ältere deutsche Eisenguß

Full text: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins Issue 33.1916

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Weltruf erlangenden Institutes bis zu ihrer Schließung Schule, Schadow, Rauch, Kalide, Wichmann, dem ge- 
1878; alsdann wurde eine Auswahl der vielartigen nannten Riß u. a. war höchst segensreich. Die Porträt- 
Produkte dieser Anstalt, soweit sie das künstlerische reliefs nach Poschs Modellen, die das gesuchteste Produkt 
Gebiet betreffen, in Lichtbildern vorgeführt. waren, sowie die Herstellung des feinen filigranartigen 
Im Anschluß an den Brükenbau wurde die aus- Schmudes, des »fer de Berlin«, der im Ausland, bis 
gebreitete Produktion der Anstalt in Verbindung mit der nach Amerika Absatz fand, wurden am Schluß besprochen, 
Baukunst geschildert, in Beziehung zu den ersten Bau- und endlich mit wenigen Worten auf den Eisenkunstguß 
meistern der Berliner Bauschule, Gilly, Gent, Langhans, in den übrigen deutschen Hütten, neben Gleiwitz die 
vor allem aber zu Schinkel und seinen Schülern bis in Königlich Preußische Hütte in Sayn (seit 1816), Lauch- 
die 70 er Jahre. Eine Reihe der künstlerisch und guß- hammer, Ilsenburg, Wilhelmshütte, Wasseralfingen usw., 
technisch gleich vortrefflichen Straßen- und Plaßrampen, verwiesen. Eine Reihe von Neuerwerbungen von 
Brücken- und Promenadengeländer, Laternen und Kande- Berliner Eisengüssen aus der Sammlung des Königlichen 
laber, Balkon- und Treppengeländer, Oberlichter und Kunstgewerbemuseums war ausgestellt') -und unter- 
Treppenstühle, Bänke, Gartenvasen und so vieler anderer stüßte die von zahlreichen meisterhaften Lichtbildern 
Bauteile, die sich bis in die 70er Jahre an den Berliner begleiteten Ausführungen. 
Bauunternehmungen (noch am Lehrter und Potsdamer Das Kunstgewerbemuseum plant eine große Aus- 
Bahnhof) wahrnehmen lassen, wurden vorgeführt. stellung, die einen Überblik über den älteren deutschen 
- Dann ging der Vortragende über auf das Ge- Kunstguß in Eisen, besonders über die Königliche 
biet, das der Eisengießerei die fruchtbarste Betätigung Berliner Gießerei, geben, und im Anschluß daran eine 
darbot, auf die Grabmals- und Denkmalsplastik, die kleine Abteilung, die die Bestrebungen und Versuche 
namentlih nach den Befreiungskriegen emporkam. unserer Zeit auf diesem Gebiet zeigen soll. Der Yor- 
Schon die Malapaner Hütte goß im Jahre 1800 unter tragende wäre für Hinweise sowohl bezüglich älterer 
Reedens Leitung einen hohen verzierten Obelisfk auf Eisengußarbeiten wie zur aktuell und brennend ge- 
4 Rugeln schwebend zur Erinnerung an den Besuch wordenen Frage des modernen Eisenkunstgusses zum 
der Königin Luise in der Grafschaft Glaß. Das herzlichsten Dank verpflichtet. Zur Erörterung und 
eiserne gotische Monument in Gransee zur Erinne- Lösung der lekteren Frage wird diese Ausstellung 
rung an den Tod der Königin Luise (181.1); das Mo: ewiß von größter Wichtigkeit werden. 
nument auf den Verteidiger von Graudenz, Courbiere 
(1814), beide nach geistvollen Entwürfen Schinkels, 
leiten die lange Reihe der kunstgeschichtlich und histo- Die Porzellanmalerei im Dienste 
risch gleich merkwürdigen eisengegossenen Grab- und : 
Erinnerungsdenkmale auf die Helden und die Gefallenen ver Pstpreusenhilfe. 
der Kriegs- und Notjahre 1806 bis 1813 ein, unter Kaum waren durch die blutige Winterschlacht in 
denen das RKreuzbergmonument 1819 das bekannteste Masuren unsere ostpreußischen Fluren von den Russen 
ist. Die eisernen Tafeln für die Gefallenen der einzelnen befreit, als machtvoll das Raiserwort zum Wieder- 
Kirchspiele, die eisernen Kreuze (nach Schinkels Entwurf), aufbau der in Schutt und Asche liegenden Ortschaften 
die eisernen Ringe für Goldschmu> wurden kurz berührt. und Städte erscholl. So entstanden zahlreiche Kriegs- 
Dann ging der Vortragende zu der Figuren- hilfsvereine des Verbandes Oftpreußenhilfe, und dem 
plastik über, die gegenwärtig bei Sammlern und glücklichen Gedanken des Polizeipräsidenten von Wilmers- 
Künstlern im Mittelpunkte des Interesses steht. Es dorf, Freiherrn von Lüdinghausen gen. Wolff, folgend, 
wurde namentlich aus der Fülle des Geschaffenen auf übernahmen zunächst Berlin und dann zahlreiche andere 
die kleinen Statuetten des Rönigs und der Feldherren deutsche Großstädte, auch Provinzen und deutsche 
hingewiesen, die zweifellos die Stätke der Berliner Bundesstaaten zur Förderung der schnellen Wiederauf- 
Eisenkunst find, Werke nach jeder Richtung hin aus richtung unserer treuen Ostmark Patenstelle bei vielen 
einem Guß; Porträtlebendigkeit, plastische Stilisierung, Gemeinden, Ortschaften und Städten, 
Rücksicht auf das Material sind vortrefflich: Die Neuerdings ist der Gedanke durch die Königliche 
Reiterfiguren von Riß nehmen einen besonders hohen Pp orzellan-Manufaktur in: Berlin auch künstlerisch ver- 
Rang ein. Hauptformermeister war Stilarsfy, seit wertet worden, indem dieselbe im Auftrage der „Ost- 
108 aus Sieiwik nach Berlin berufen, Efsinder des ] » 'val. Jahrgang 1915 der amtlichen Beri Fie NUS DEn 
isenhohlgusses; ihm folgten Yollgold, Grüttner u. a. Königlichen Kunstsammlungen, Heft 12, Berlin, Verlag Grote. 
Die Verbindung mit den ersten Bildhauern der Berliner Mit zahlreichen Abbildungen. Preis 50 Pf.
	        
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