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Full text : Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins (Rights reserved) Ausgabe 26.1909 (Rights reserved)

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Die Liedertafel wurde als erster Männergesangverein
 von Zelter!) begründet, der im Jahre
1800 die Zeitung der Singakademie übernommen
hatte.
Der Männerkunstgesang war bis dahin
ganz unbekannt. Vorher hatte man nur die
gemischten Chöre mit Ober- und Unterstimmen.
Wenn man in älteren Stücken Kompositionen für
Männerstimmen findet, 3. B. auch bei Zändel, bei
Zaydn, bei Mozart, so sind das nicht eigentlich
Männerquartette, sondern immer nur Kinzelstimmen.
Der ännerkunstgesang verdankt einem
Zufall seine Entstehung. In der traurigen napoleonischen
 Zeit bekamen viele Beamte ihr Gehalt
nicht. Bin Beamter, Mitglied der Akademie, entschloß
 sich deshalb, Rammersänger zu werden. Laun
sollte bei seinem Abgang ein Chorgesang erfolgen,
den Zelter komponierte. Dieser Gesang wurde an
der dem Sceidenden zu Ehren gegebenen &Festtafel
 aufgeführt. Zelter fand, daß es sehr schön
geklungen habe, und man entschloß sih, aus 24
Mitgliedern der Singakademie, einen besonderen
männergesangverein zu bilden, der in der Erinnerung
Karl Sriedrich Zelter. an die Umstände seiner Entstehung den L7amen
GE M1 129 1758, 415. 5. 1832.) „Liedertafel" führte.
Tach einem Gemälde von Kart Beans Das erste öffentliche Auftreten plante man bei
willigung des Grundstückes am Rastanienwäld- der Rückkehr der Röniglichen Familie aus
hen zu bewegen, das durch die Zuschüttung des Tilsit. Man konnte dieses Ereignis aber nicht
Festungsgrabens gewonnen war. Schinkel erwarten, weil Verzögerungen eintraten. Als Stifentwarf
 die Zeichnungen für das vornehm wirkende tungstag des Vereins gilt der 24. Januar 1809,
Gebäude, das durch seine vorzügliche Akustik be- der als solc<er auch unter den „Gedenktagen“ in
rühmt geworden ist. Der Bau dauerte sechs Jahre. „Alt-Berlin“ vermerkt: ist: :Wal -S. “61 der
Unter großen Schwierigkeiten mußte man die Bau- vorigen Lummer.)
summe aufbringen zum Teil. durc; Ausgabe von Zelter hat, wie bekannt, einen merkwürdigen
Anteilscheinen, aber auc< durch öffentliche Auf- Bildungsgang gehabt. Er hatte das UTaurerhandführungen,
 worüber Zwistigkeiten entstanden. Loh werk gelernt und. in der Jugend unter Entbehrungen
in den sechziger Jahren trug man die letzten aller Art und Aufopferung seines Schlafes seine
Schulden ab. musikalischen Studien betrieben, auch bei Fasch
Außerdem wurden „Auditorienabende“ ver- 1) Ju der Berlinischen Musik-Zeitung von 1855,
anstaltet zu denen der Zutritt von Gästen gestattet wr. 56, wird mitgeteilt, Zelter sei nicht in Berlin, sondern
war. Unter diesen befanden sich nicht selten Mit- zu Petzow bei Potsdam geboren. An dem vermeintlichen
glieder der Röniglichen Familie, besonders Prinz Geburtsotte befindet sich sogar eine Tafel mit dieser Angabe.
Louis Ferdinand. DE a ERIN I gien, daß der Enkel
Auch Beethoven nahm wiederholt im Jahre Di a Gengoaten in Bern, mad 2 m eu Doi
1797 an den Aufführungen teil und erfreute nach seines Vaters, Münzstraße Ur. 1, geboren sei, sondern Zelter
Schluß des Gesanges die Sänger durch wundervolle schreibt in seiner Selbstbiographie, datiert Berlin den 2. Sep-Phantasien
 auf dem Flügel. Seit 1796 wurde regel- tember 1808, wörtlich: „Im Jahre 1758, den 11. Dezember,
mäßig am Charfreitag Grauns „Tod Jesu“ auf- während des Siebenjährigen Krieges, in dem Hause, wo
. ; . ; ich dies schreibe, bin ich geboren“. Zelter hielt sich als
geführt bis Zum: Tode der Raiserin Augusta, Kind viel mit seiner Mutter in Petzow auf, da sein Vater
die eine regelmäßige Besucherin war. Seitdem ist dort eine Ziegelei besaß, und dies mag Unlaß zu dem Glauben
dieses Oratorium vom Programm verschwunden. gegeben haben, er sei dort geboren. D. Red.
            
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