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Full text: Nante als National-Versammelter / Hopf, Albert

Nr. 8.
Name als National-Versammelter.
Achte Sitzung. Preis 1Sgr.
Nante ist Minister geworden.
Nante. Nachdem wir also gefr�hst�ckt haben, nehmen wir un-sere Gesch�fte wieder uf. Staatssekret�r Brenneke, an Deinen Posten!Vrenneke. Ick kann mir det Lachen nich ufhalten, wenn ick drandenke, des ick aussen Konstabler een Staatssekeltar gewor'n bin.Nante (mit W�rde:) des Lachen in meiner Gegenwart mu� ickDir als unziemlich verweisen. Ucbrigens is der Unterschied nich so gro�,
wie Du denkst. � Jetzt schreibst Du an die hohe National-Versamm-lung, da� ick, Endesunterschriebener, mir der schwierigen Ufgabe unter-
zogen habe, een neues Kabinet zu bilden; ick kann aber die Portef�lger
nich los wer'n. � So isset richtig. Kontrasingirt: Nante.Vrenneke. Wenn ick mir erlauben darf zu bemerken, da� man
ufS Musikantenchor in die Zelten, gewi� die n�thigen Mannschaften zurErg�nzung des Minist �Nante (unterbricht ih^-) Uf N^ �^^ einzugehen, halteick nich vor zweckm��ig. 3ct f�hle mir stark genug, nlk Mtn^ snop
zu ersetzen, un werde mir blos acht Kommissarien miethen, die mir beidie National -Versammlung verwesen. Die Konsumtion der Gehalter
von alle Minister behalte ick mir selber vor. Gehn wir jetzt an diePetitionen. Wo sind wir'n stehn geblieben, Staatssekert�r?Vrenneke. Bei die Petition um die Freilassung von die politische
Gefangene un von die Pre�vergeher.
Nante. Wird hierdurch seinen ganzen Umfanq nach genehmigt.
Zugleich bestimme ick hierdurch, de� Pre�vergehen t�nftig blos durchGeschworne abgeurtheilt werden d�rfen, welche Geschworne der Pr�sident
des demokratischen Klubbes zu emennen hat.
�
Jean!
Bedienter (vorspringend:) Zu Befehl, Erzellenz!Nante. Plump mal Eenen in! Da ick alle acht Ministerien�bernommen habe, werde ick ooch f�r alle achte drinken.Bedienter. Befehlen Erzellenz vielleicht Nierensteiner?Nante. Nee, Schreckensteiner, in't Kriegs -Ministerial-GlaS.
Ick nehme jetzt seinen Ressort vor. Staatssekert�r! die Flotten-Ange-legenheit. Drage mal vor! �
Vrenneke (liest:) Beitr�ge zu die deitsche Flotte: Aus Stettinf�nf Silbergroschen, aus Danzig sieben eenen halben Silbergroschen,
�wenig aber gern" drei Silbergroschen, �mit Gott f�r K�nig un Va-
terland" sechs Dreier.Nante. Is die Rubrik noch lang?Vrenneke. Drei Bogen.
Nante. Der Herr Staatssekert�r wird ersucht, die ganze Summe
anzugeben.
Vrenneke. Macht Summa Summarum: sieben Dhaler, achtSilbergroschen, neun Pfcnnge. Zugleich is 'ne bescheid'ne Anfrage aus
de Ostseeprovinze angeh�ngt: wenn ehr die Flotte fertig wird, da etdoch bei den reichlichen Zufl�ssen von allen Seiten, an Mitteln dazu
nich mehr fehlen kann.Nante. Schreibe mal an die Fragesteller: da� der Saame be-
reits gelegt is, zu die V��me, aus deren Holz die Flotte gezimmert
wer'n soll. Um jedoch die Seest�dte nich ganz schutzlos zu lassen? werdeick, mit Genehmigung der Paulskirche in Frankfurt, een Reaiment aus-
r�sten lassen, zum Wasserkrieg. Jeder Soldat von des Regiment kriegtProppensticbeln zum Wassertreten, un eenen schweinsblasernen Anzug
Mm Schwemmen. Desgleichen sollen een Paar Batterien Kanonen mitFlo�federn versehen wern, un vor den kommandirenden General issenLuftballon zu beschaffen.Vrenneke (in hoher Bewunderung:) Du hast doch eenen erzel-lenten Kopp, Erzellenz Nante! � Nu fteu Dir D�nnemark! � Wetinick mir noch eenen Vorschlag erlauben d�rfte vor de Kavallerie
�
Nante (nickt gn�dig:) Is erlaubt.
Brenneke. Man k�nnte ja die Pferde Bretter unter die Veene
nageln, wie des zum Beispiel bei die Bleisoldaten gemacht is.Nante. Da mu� ick erst die Paulskirche inFrankfurt fragen.
�
Damit w�ren wir also fertig.
�
Jean! Cen Glas Wasser! Die kirch-liche Angelegenheiten kommen jetzt.Jean. Eine Deputation aus der National -Versammlung bittet
um Audienz bei Ew. Erzellenz.Nante. La� sie man noch een Visken warten in's Vorzimmer.Ick mu� mir in Respekt setzen. Un Du Vrenneke nimm eine, Deiner
W�rde angemessene Haltung an, un gib Dir 'ne psifftae Miene, so un-
gef�hr wie ick. Du siehst als Staatssekert�r doch beinah zu dummaus. Jean! die Herren k�nnen eintreten. (Drei Deputirte treten ein.
Gegenseitige Verbeugungen. Vrenneke tritt hinter Nante und machtAlles nach, was er von diesem sieht^)Erster Deputirter. Herr Minister, wir kommen Ihnen Gl�ck
zu w�nschen zu der hohen Stellung, zu welcher Sie durch das Ver-
trauen des Volkes berufen wurden.
Nante. Sehr obligirt! Bitte, nehmen Se Platz! � Da ickIhnen seh, f�llt mir'n aro�er Stein dom Herzen.Zweiter Depunrter. Wir hoffen, Ew. Erzellenz werden Ich
stets bereit finden lassen, die Beschl�sse der hohen National �Versamm-lung ohne Weiteres auszuf�hren.
Nante. Gewi� aewl�' Alle OMere nra) us ve RepublikfchurvnTn, sind Reaktion�rs un m�ssen abvanken. (Dte Deputtnen skyen
sich erstaunt an.)Dritter Deputirter. Der Herr Minister scheinen den Antrag
vom 7. August falsch verstanden zu haben. Nur diejenigen Offiziere,die dem Geiste der Zeit nicht huldigen k�nnm �
Nante. Lassen Se mir man machen. Der Geist der Zeit, detis die Republick. Wenn wir det ooch in die Singeakademie nich gra-
dezu aussprechen; unter uns brauchen wir keene Umst�nde zu machen.Alle Deputirte (reichen ihm die H�nde:) Wir haben uns ver-
standen.
Nante (schlau:) O ick kenne meine Reichenbacher � Mittels-bacher wollt' ick sagen. Jean! drei Gl�ser. � Sie drinken doch? �Erster Deputirter. Wenn Sie was Gut's haben?Nante. Et is Ihre Sorte, von Hippeln. � Apropos, da Sie
grade hier sind, m�cht' ick mir Ihren unma�geblichen Rath ausbitten,�ber eene gewisse Angelegenheit. In D�nemark haben sich unsre Trup-pen, wie Sie wissen, eenen unverg�nglichen Ruhm geholt. Wegen Lim-burg steht �hnlicher Ruhm noch in Aussicht. Nu is da noch eenDorf in China, wo blos Deutsche wohnen, un die m�chten sich gerne
ooch srei machen lassen. W�re et nich zweckm��ig, wenn wir da 'nekleene Armee hinschickten? � Die Paulskirche is gewi� damit einver-
standen.
Die Deputirte (sehen sich wieder gro� an.)Vrenneke. Ick erlaube mir ooch, een Wort mitzureden, wenn et
erlaubt is. � N�mlich da Herr Held doch auswandern will,so k�nnte
er ja die Erpedition leiten. Vielleicht gelingt et ihm da, die Aristokra-
tie mit's Pulletariat zu verbinden, um die Burgerasie zu st�rzen!
�
Erster Deputirter. Wir k�nnen hierzu nichts weiter jagen, alsda� der Herr Minister diese Antr�ge einer besondem Kommisston derNational- Versammlung zur Begutachtung �bergebe. Unsre Zeit erlaubt
uns nicht l�nger hier zu weilen, da das Volk vor der Th�r eines Be-
richtes von unsrer Seite harrt. � Wir nnpfehlen uns! (Alle drei ver-beugen sich und gehen.)
Nante (bedenklich:) Ick aloobe, Staatssekert�r, wir haben uns
'ne �kliche Suppe ingebrockt. Du h�ddest Dein Maul ooch wollhal-
ten k�nnen; denn Deine Rede zeigte von Unkenntni� der staatsrechtlichenElemente.
Vrenneke. Ick wollte mir blos mit Dir vereinbaren. � Wat
issen det vor'n Spittakel auf die Stra�e.Stimmen (von der Stra�e:) Abtreten! Abtreten! (Ein gro�er
Stein fliegt in's ZimmersNante (hebt den Stein auf und zeigt ihn Vrenneken:) Du, eS
geht uns, wie des vor'ge Ministerium: wir fallen durchen Stein.Vrenneke. Wat steht denn da druf?
� (Er liest^ �DaSMinisterium Nante hat das Vertrauen des Volkes verloren. Der Pr�-
sident des souver�nen Lindenklubbs, Herr M�ller, wird seine Stelle er-
setzen."
�
Ooch gut! Ick wer' wieder Konstabler.Nante. Ick z�ge mir ganz zur�ck von det politsche Metler, aberick kann die drei Dhaler d�glich nich missen. � Ick werde wieder De�pentirter! � Erst la� uns aber die Neegen ausdenken. � Prost, Er-
Staatssekert�r!Brenneke. Sch�n Dank, Ee-Minifter! U.Hops.
Verlag von Louis Hirschfeld, Charlottenstra�e 15. Druck von E. Lauter u. Comp., Klosterftra�e 64.Berlin, �848.
        
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