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Full text: Nante als National-Versammelter / Hopf, Albert

Nante als National. Versammelter.
F�nfte Sitzung.
Nante (Auf der Trib�ne.) Meine Herren! (Allgemeine Aufmerksamkeit) Ick erlaube mir aam gehorsamst, zum
erftenmale hier, das Wort zu ergreifen, da ick bis jetzt, immer blos, wie viele meiner geehrten Collegen, bloS mitten
Kovv aenickt und gesck�ddelt haben. (Gel�chter.) Vor die pommersche und ulerm�rksche Sitte des TrampelnS un
GrumenS, habe illnie geinklinirt, oder wie't hee�t, weil ick 'n gebildter IntellgenS- Residenzler bin, un mir mein
Vater in der Iugmd gelernt hat: in Gesellschaften mu� man sich nich unh�flich uff�hren.
Nante^Ick wer gleich fortfahren. (Er nimmt eine Prise:) Hohe Versammlung un getreue St�nde! (Gel�chter)
Namlick ick bin beauftragt worden, von'n paterjotschen Verein, hier eenen Antrag zu stellen, un n�mlich den: Jene
hohe Versammlung m�chte, in Betracht, da�, da die �u�erste Rechte, ihm. den paterjotscken Verein, noch nick
�u�erst genug is; so m�chte Eene hobt Versammlung doch noch �ne ultra�u�erste arangiren, worin dieBrenn�ls Platz nehmen k�nnten. (Beifall zur Rechten.)
Nante (verneigt fich:) Ick danke Ihnen vor die Anerkennung.
srenneke (Vom Zuschauerraum:) Ick bitte um'S Wort! (Viele Stimmen:) Gallerte ruhig!
Nante. Das is n�mlich mein Freund Brenneke, gegenw�rtig Vize-Priffedent von'n paterjotscken Verein. Die
Mitglieder haben ihm einstimmig gew�hlt, weil er eene erstaunliche Virtehofit�t in Zettelabrei�en befitzt. Er
hat zwar nick so'n Redetalent wie ick; aber ick bitte, lassen se ihm sprechen; er wird wahrscheinlich die soziale Fragel�sen. (Heiterkeit in der Versammlung.)
6in Abgeordneter (ironisch:) Geh�rt Ihr Freund Brenneke vielleicht zu dem Ausschu�, der s�mmtlicke
Provinzen zum Anschlu� aufgefordert hat?
Brmneke. Bitte um Entschuldigung Der ganze Verein is Ausschu�! un anschlie�en m�chten st
Allen� wat keene Gendarme-Natur hat. (Rechts :grunzen.) .Nante lverweisend:) Bediene Dir der parlementarischen Form, wenn Du hier reden willst.
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Damlack!
Srenneke. Sch�n, (er r�uspert sich:) Ick wollte man bloS noch einige Worte hinzuf�gen, zu den Antrag, den
der geehrte Redner vor mir gestellt hat. -
.^Nante (nickt beif�llig.) Gestellt hat.
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So ist gut. (Stimmen: Keine Unterbrechung!)
Srenneke (fortfahrend:) Der Verein, den ick gegenw�rtig anzugeh�ren mir mich sehr schmeichle, hat erkannt,
da� etwas vor seine arme Mitbr�der, die Rehberger, gescheht, mu�, um ihnen wenigstens vorl�ufig das Maul zu
schn�ren (zlscken) un um sie vor die Freiheiten, die ihnen der patnjotscht Verein zugedacht hat, zu bearbeiten.
Nante: Sehr gnt!
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Weiter.
srenneke. In Ansehung dessen, oder abgesehen davon, da� der vorge ArbeetSnnnister, uf die Frage: �Wo krie-
gen wir Arbeet her?" geantwort't hat: �Das willich Sie woll sagen, das wee� ich nich," erlaubt sich der Verein,
durch mir
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Nante. Mich hee�t et.
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Is ja der Vockativ.
Brenneke. Durch mich, folgende Vorschl�ge machen zu lassen.
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Ick ersuche den Abgeordneten Nante, die
Punkte vorzulesen. Hier is die Petizion.Nante (lieft:) �Zweckm��ige Besch�ftiaungen f�r die arbeitslose Klasse aus dem P�bel: Anfertigung von Dau-
menschrauben, den Literaten an die Schreibfinger zu legen; Maulk�rbe f�r die VollSredner. An jede Stra�enecke von
Berlin kann man zwei Arbeiter anstellen zum Zettelabrei�en"
�
na euch soll ja
�
weiter: �Hundert Reserve-Reh-
b�rgtr zum Demoliren der Pressen, die aufwieglerische Schriften drucken"
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Isehn st mal!
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�zweihundert dito
zum Scandalmachen in den mi�liebigen ClubbS
�" Ho? Na, na!
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�dreihundert dito zum Durchpr�geln der Re-
publikaner. Au�erdem lasse man Berlin ringsum befestigen, und �berall, wie in Paris Forts
�
was Forts?
�
Nee weiter les' ick nick; bei den Forts bleibt der Verein stehen.Srenneke. Da haben fich aber die Geheime-R�the un ProfefferS grade druf aeseht.
Nante. Sie wer'n doch nich so auSversch�mt sind, un den ganzen Platz vor sich alleene in Anspruch nehmen?
Da k�men sie bei'n �Preu�en-Verein" gewi� in �beln Geruch; der dadruf eene historische Berechtigunghat, die fich aus der Na tu rg e s ch ich te hersckreibt.
Ein Hinterpommer. Ich erlaube mir zu bemerken, da� es w�nsch enSwerth w�re, den Antrag, des nicht hock
genug zu sch�tzenden Vereins, ohne Diskussion anzunehmen. (O ho!) und zugleich �ffentlich in der Kammer auszu-
sprechen: da� das Vaterland dm Mitgliedern des besagten Vereins zu hehem Danke verpflichtet ist.Nante (f�r sich:) Der Hat'S rechte Ende erwischt, (laut.) Brenneke, bestell' mal 'ne Drosckke!
Hinterpommer. Verhehlen wird es uns nicht, meine Herren, da� wir durch die au�erordentliche Th�tigkeit diesesVereins, der Wiederh erste llung der alten guten Ordnung bedeutend n�her ger�ckt find.
Srenneke. Eene vor vier Groschen?
Nante. Ja. (Ruf: StillesHinterpommer. Gegen die meisten Berliner Literaten find bereits Untersuchungen eingeleitet. Das verdanken
wirden patriotischen Verein. Der Scharfsinn der Herrn Geheimen R�the und Professoren, und namentlich des be-
kannten Schwiegersohnes, wei� in dem unschuldigsten Pl�tate MajeftatS- Verbrechen, Hochverrath. Aufruhr oder we-
nigstens Erregung von Mi�vergn�gen heraus zu finden. Auf den Antrag aber desselben segensreichen Vereins find
die Versammlungen unter freiem Himmel einer strengen, polizeilichen Controlle unterworfen; die GenSd'arme bekommen
wieder alle H�nde voll zu thun, unsre Festungen werden bev�lkert, unsre Beamte schleichen nickt mehr geb�ckten Haup-
teS einher; sie erheben schon wieder die K�pfe, und bald werden sie sie wieder eben so hoch erheben, wie vor der
Emeute des 18. M�rz. Fahren wir so fort meine Herren! �nd die Erinnerung an die Barrikaden-Nacht wirdbald
aus dem Ged�chtni� des Volkes verwischt sein. (St�rmisches Bravo! rechts.)Nante. Sch�nster Hinterpommer! (Famoses Gel�chter, links.) Ick willIhn'n wat sagen. Det alte Regiment
mu�te, um aus den 18. in den 19. zu gelangen, �ber Barrikaden stolpern. Nu is et diesseits. Will et wieder
zur�ck, so mu� et folgerichtig nock mal dr�ber weg klettern, und dadurch gelangt et vielleickt vollst�ndig ln'tJenseits. Wat det N�herr�ckcn an die alte Ordnung anbelangt, so willick Ihn'n nock wat sagen: Hebt ihrdie zugestandenen Rechte wieder uf, so hebt det Volk die D�cher wieder ab. Det Mehl, wat ihr uns jetzt in dieOgen streut, f�llen wir in S�cke, un stellen die wieder uf die K�nigS-Br�cke, wennetZeitiS. � Verstanden?� Svunt ihr die Literaten jetzt in, so m��t ihr euch sp�ter det unn�tze Gesch�ft machen, st wieder raus zu lassen;denn lange bleiben se nich drln, detis ausgemacht.
Brenneke. Was ick �ber diesen G�genstand nock sagen wollte, hat mein Freund Nante vollst�ndig erledigt.
Lasse jetzt Deinen Antrag mit famft den paterjotschen Verein fallen Nante, un rufe ihn'n bloS noch zu: �Koppein Acht!.Et regent Dackfteener!" (Nante l��t den Antrag auf die verantwortlichen K�pfe fallen � Sensa-fttlon und donnerndes Bravo zur Linken � Best�rzung und Zerknirschung zur Rechten.) So � bon, na nu kommNante! Vor deine drei Dahler hafte heute genug aedhan. (Sie entfernen sich.)Hinterpommer. Ich beantrage noch ein Gesetz: Das Barritadenbaum in Berlin, bei zwei Thaler Geld- oder
verh�ttnl�m��iger Leibesftrafe zu verbieten.(Der Antrag wird in die Abtheilunge� verwiesen, und die Sitzung geschloffen.)
A.Hopf.
Berlin, ��48.
Druck vonI.Draeger inMerlin.
Verlag von �ouis Hirschfelb, Eharlottenftr. No. l�.
        
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