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Full text: Nante als National-Versammelter / Hopf, Albert

Nante als National- Versammelter.
Dritte Sitzung.
Brenneke. Na Bruder Nante wat simmelirsten? Haste dir noch nich entschieden wat Du vor'n Ministerium
annehmen wiUft?
Nante. Ick wee� nich, soll ick mir vor den Krieg oder vor de Kirche entscheiden. Des Ausw�rtige mag ick
nich haben; dabei kriegt man Schmisse.
Brenneke. Ja so 'ne Kastanienwalds -Interpellation is oklich. Aber hast Du denn ooch die F�higkeiten zu
een Ministerium? Ick globe. Du w�rdest ooch bald Deinen Abtrittnehmen m�ssen.
Nante (murmelt). Des geehrte Mitglied iffen Schaftkopp! Als ob dazu F�higkeiten geh�rten. Ick setze mir
uf die rechte Seite, un stimme immer gegen't Volk; un wenn in Berlin der Deibel los is, denn fahre i� nach
Sanszuzie un drinke Schappanger, det iffet ganze Kunstst�ck.Vrenneke. Scbwerebrttt! un davor 12000 Dhaler'. w�rklich ausgneuchnet!! H�tte mir mein Vater dock
ooch Minister lernen lassen. Du hast aber noch gar nich gered't in die Singealademie, Nante. Wie kommt denn des?
Nante. Ick halte eene gute Rede vor zu schade in die Versammlung. Sie wird ooch gar nich angeh�rt;
denn so wie die Linke wat Vern�nftiges zum Vorschein bringt, trampelt die Rechte mit die Beene, und singt an zugrunzen.
Vrenneke. Des Grunzen sind den Gutsbesitzern un Bauern heimische T�ne, un wenn sie dazu noch mit die
vernagelte Stiebeln an zu trampeln fangen, denn mu� det een Concert geben, wie die Singeakademie noch keenesgeh�rt hat.
Nantt. Ja wenn blos ihre Stiebeln vernagelt w�ren, denn ging' et woll noch an; aber so
Brenneke (bravo). Nu sage mal, wie weit seid ihr denn mit die Vereinbarung? det dauert verfiuckt
lange. Ihr habt doch bloS die �vom K�nig vorgeschriebene Negierungsform anzunehmen;" wat besinnt ihr
euch denn da so lange?
Nante. Du red'st wie'n Wirrsiher inUniform, der wie Hamlets Geist pl�tzlich aus die Versenkungkommt, Morgenlust wittert, und eben so pl�tzlich wieder verschwinden dhut. Vorgeschrieben wurde uns lange
genug; jetzt wollen wir aber vorschreiben. Det is der Kasus kr it iku S �ber den wir uns lange nich
vereinbaren konnten. Nach den Friedrich�hainezug, die Minister-Umarmung in'n Kastanienwald und den Zeug-haussturm, kriegte aber die Rechte det Rei�en in die linke Seite, die Ministers gaben ihnen zwar Thee;
aber et half nischt
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sie verloren die Stimmen. Een gro�er Theil is wieder curirt mit een ganz eenfachet Mittel:
een Visken Wachsmuth von de Harassowitzer Waldecke. Det wunderbare is dabei blos, det sie jetzt �Ja" sagen, wo
sie fr�her �Nee" sagten; un dadurch haben wir die Majorit�t, un die vorgeschriebne RegierungSform kommt
in den Papierkorb.
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So isset.
Vrenneke. Ja wer'n denn aber die Provinzen damit zufrieden sind? Du wee�t doch, det Berlin nichPreu�en is.
Nante. Det Hab ick so lange nich gewu�t, bis et uns die Provinzen uf Voffscket L�schpapier gedruckt �ein-
sandten." Ick habe mir vorgenommen, eenen Antrag bei die hohe Versammlung zu stellen, der dahin geht: bei jedet
neue Mandement die 16 MillionenEinwohner vonPreu�en, jeoen einzeln zu fragen, ob er ooch damit zufrieden is.Brenneke. Diesem Antrag schlie�e ick mir an; denn ick bef�rchte, die Provinzen verlegen sonst den Land-
tag nach Kyrih. Wat sagst Du denn zu die Menge Soldaten, die rings um Berlin liegen? Db die ooch so 'nenGeburtstag feiern wollen, wie die Hanoveraner in Schleswig?
Nante. Det hat nischt uf sich. Der Teltow'sche Landrath hat uns ja beruhigt. Nach seine amtliche Bekannt-
machung holen die Soldaten blos die Remonte zusammen, un wat der Teltow'sche Landrath sagt, det k�nnen wir
globen, denn der Teltow'sche Landrath issen sehr freisinniger Mann, un een sehr guter Freund von den Prinzen von
Preu�en, un von Prediger Hengstenbergen.
Brenneke. Ja denn mu� et wahr sind. Aber wer besch�tzt denn euch National-Versammelten da ihr euch
doch die B�rgerwacken und Studenten verbeten habt?
Nante. Erstlich find wir unverletzlich, un zweetenS hat die Versammlung an das Ehrgef�hl von die Rehberger
geappellirt, un also stehn wir unter die Rehberger ihren Schuh. Sie haben zwar noch kenne Waffen; aber der po-litische Clubb l��t Piken vor ihnen machen um den IacobiniSmuS uf die Spitze zu dreiben.Brenneke. Ware et nich besser Nante, wenn wir 'ne Republik h�tten?Nante. Ne Bruder; eenen K�nig nn een paar Dutzend Prinze und Prinzessinnen m�ssen wir haben; wer
sollte sonst die Steuern verzehren, die dem Volke ausgequetscht wer'n?
Vrenneke. Idet Amt willick verwalten.
Nante. Ja denn stimm' ick ooch vor Republik. Ick dachte bloS et w�rde sich Keener finden, der sich dazu
Hergabe, det ganze Jahr nischt zu dhun, als Millionen zu verkonsumiren. Ick wer die Angelegenheit indie n�chsteSitzung zur Sprache bringen. � Unsere heutige is geschloffen. Adje! Ick willschlafen. A.Hopf.
Berlin, R848.
Verlag von Louis Hirschfelb, Charlottenftra�e No. lS.
Erpedition: Unter den Linden No. 30. bei Jahns.
        
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