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Full text: Nante als National-Versammelter / Hopf, Albert

Rante als Natwnal-Versammelter.
Erste Sitzung. Preis: 1 Sgr.
Nante. B�rger Brenneke sei mir willkommen in der Freiheit! Fief la Constitution uf die allerbreitsteUnterlage! Ick habe Dir ja seit den Vinkeschen Rechtsbodcn-Schwabbel-kandtag nich gesehn. Wat dreibstDu'n jetzt? �
Vrenneke. Ick? - Nischt. Wir haben ja Freiheit; wer wird denn da arbeeten? Vor de Langeweiledreib' ick een Visken Buchhandel. Setz mir in Nahrung. Hier: Kladderadatsch sechs Dreier, die Ber-liner Krakeler eenen Groschen, den Prinzen von Preu�en zu bedeutend heruntergesetzten Preisen sechsPfennge, da kriegst Du noch die vorj�hrige Thronrede zu; die liest sich jetzt recht heiter.Nante. Ick dr�cke Dir mein Bedauern aus, Proletarier. Bei dm Verdienst kannste doch nich leben,un Miethe zahlen, un Schulden haste ooch.Vrenneke Du erweckst in mir ein homerisches Gel�chter, wenn Du von Miethe red'st, un den An-trag meine Schulden zu bezahlen, lehn' ick Einstimmig ab. Ick gebe der Hoffnung Raum, da� die Natio-
nal-Versammlung mit die Staatsschulden ooch gleich meine bezahlen wird; denn bei 15� Millionen �wohl-geordneten Finanz-Ausfall" kommt et uffen Paar Groschen mehr oder weniger nich an.Nante. Ick wer' dar�ber 'ne Motion bei'n Landtag stellen. Der Altar des Vaterlands is gro�, dakann eene ganze Menge druf geopfert wer'n. Nu mu� ick aber erst die Frage stellen, ob du zu kernenClubb geh�rst.
Brenn eke. Diese Frage mu� ick in verneinende�� Sinne beantworten. Des Abends geh ick nach dieZelten und lasse mir politsch bilden, ick helfe Comitc-Mitglieder ernennen vor die Adressen, hebe bei Abstim-
mungen ecne Hand hoch un helfe demonstriren. Daruf beschr�nkt sich meine politische Wirksamkeit. Gen�hrtwerd' ick uf Staatskosten, denn meine Frau is in die glorreiche M�rz-Nacht vor Schreck iiber'n ersten Kar-d�tschenschu� aus Mi�verst�ndni� gestorben, mithin bin ick cen Hinterbliebener, un habe Anspr�che uff Ra-tionalbelohnung.
Nante. Ick halte diesen I�'genstand f�r erledigt, un trage daruf an, zur wirklichen Diskussion �ber-
zugehen. Zuerst wcrd' ick mir Deine Ansicht ausbitten, ob Du zwee Kammern willst oder blos eene.Brenncke. IMenschenskind zwee, da brauchste gar nich zu fragen. Eene vor den Hausgebrauch un
eene Rumpelkammer, wo die alten Scharteken drin ufbcwahrt wer'n. Man kann sp�ter Alles wieder brauchen.Nante. Du verstehst mir mi�; ick meene Landtagskammern.Brenne! e. Ach so. Ja wenn ick Dir da meine unma�gebliche Meinung sagen soll, so halt' ick vor'tBeste: so ville Kammern wie Abgeordnete; denn zwee in eene Kammer det dhut keen Gut's, oder man
m��te immer ecnen Pommer un eenen Berliner zusammen sperren; die sind sich zum Fressen gut. Apro-pos, die Pommern haben ja woll Schl�ffeln vor Berlin gew�hlt?Nante. Ick globe; aber der hat sich vor Magdeburg entschieden.Bre n n e t e. Issen da ooch een Landtag ?
Nante. Ne, dlos een geschlossener Clubb.
�
Aber nu mu� ick nach de Singakademie gehn, un
sehn ob die breitspurige Partitur aus Sanszuzie noch nich angekommen is. Neugierig bin ick wat un-ser Kapellmeester komponirt haben wird. Gewi� is et een neuet Lied nach die alte Melodie �Immerlangsam voran!" Aber denn interpellir' ick des Ministerium, un lass' et st�rzen. Uff Wiebersehn B�rgerBrenneke, in No. 2. �
�renneke. Adje, B�rger Depentirter. Un seid h�bsch uffen Posten, damit die National-Ver-
sammlung nich von'n alten Landtag ausgelacht wird. (F�r sich:) Det w�re eene Hauptblamage.
A.Hopf.
�erlitt, 18W.
Im Selbstverlage des Verfassers und zu haben bei I�hnS, Unkr den Linden No. 30.
Vrnell von 5. Iii���ell in v�lUn.
        
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