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Full text: Körnerpost (Rights reserved) Ausgabe 49.2011 (Rights reserved)

körner 49. ausgabe märz 2011 post quartierszeitung für den körnerpark Foto: C. Mattern In diesem Heft: Mit Herzblut. Porträt von Britta & Ron Helbig alias GODsDOGs +++ Bad Girlzz Training läuft bei „11 mm – 8. Internationales Fußballfilmfestival“ +++ Berlin bleibt soziale Stadt. Das Abgeordnetenhaus gleicht die Kürzungen aus +++ Cosisuca - Eine Oase im Neukölln. Wir gratulieren zum 2-jährigen Jubiläum! +++ Attacke gegen Hundekacke. Frühjahrsaktionstag am 1. April +++ Kicken und lesen. Ein Projekt des Nachbarschaftsheims Neukölln +++ Bier trinken und Gutes tun. Interview mit Sebastian Jacob, dem Erfinder von Quartiermeister +++ Fröhlich „wuppen wir die Welt“ Von Heidi Göbel +++ Kann Spuren von Wasserfällen enthalten. Körnerkiez-Mini-Hörspiel von Sina Ness, Ahmed und Hussein +++ Die Drei vom Ungeheuer sind die Nachbarn des Monats körner post Editorial märz 2011 2 Mit Herzblut Liebe Leserinnen und Leser der Körnerpost ! Diese Körnerpost-Ausgabe platzt fast aus den Nähten, und wir hätten noch mehr in petto gehabt. Da unsere Zeitung aber nur acht Seiten hat, mussten wir einige Beiträge auf die nächste Ausgabe verschieben bzw. redaktionell bearbeiten und hoffen auf das Verständnis der Autorinnen und Autoren. Vielen Dank an alle, die uns Themen und Texte zukommen lassen! Das Interesse, die Körnerpost mitgestalten zu wollen, nimmt von Ausgabe zu Ausgabe zu, darüber freuen wir uns sehr. Noch ist es bitterkalt draußen, doch bald kommt der Frühling und mit ihm der erste Frühjahrsaktionstag. Am 1. April um 12 Uhr startet von der PeterPetersen-Schule wieder die „Attacke gegen Hundekacke“. Merken Sie sich den Termin am besten jetzt schon vor. Wir wünschen Ihnen sonnige März-Tage! Ihr Quartiersmanagement Körnerpark ie Kunst- und Kulturszene Neuköllns wird immer lebendiger, und Britta und Ron Helbig mischen neben ihren internationalen Ausstellungen auch vor Ort in vielen Töpfen mit. Neben ihrem Engagament beim KreativNetzNeukölln gehörten sie im letzten Jahr u.a. zum Team der Kunstfiliale Körnerkiez, die beispielsweise den kuratierten Kunstspaziergang „Art Grain“ im November ins Leben gerufen hat. Den Job haben sie nun abgegeben, obwohl beide mit Herzblut bei d er Sache waren. Doch sie wollen sich künftig wieder mehr auf GODsDOGs konzentrieren. GODsDOGs, das sind sie selbst, seit letztem Jahr stellen sie ihre künstlerische Zusammenarbeit unter diesen Namen. Britta Helbig stammt aus Nordrheinwestfalen, ihr Mann Ron kommt aus Chemnitz und hat eine DDR-Sportschulenkarriere hinter sich. Von Theater, Tanz und Kunst fasziniert waren beide schon immer. Die beiden begegneten sich in Marburg, wo Britta Helbig Malerei und Psychologie studierte. Zeitgenössischen Bühnentanz und Bewegungstheater studierten beide in Berlin, Linz und London. Zurück in Berlin schlossen sie sich der Künstlergruppe „Artists Anonymous“ an, ihr erster Sohn war da gerade mal ein halbes Jahr alt. Eine wilde Zeit war das, erzählt die Künstlerin. Doch trotz internationalem Erfolg trennten sie sich nach ein paar Jahren von der Gruppe und beschlossen, fortan als Paar zu arbeiten. Als das zweite Kind unterwegs war, suchten sie nach einem Atelier mit Wohnung und wurden vor zwei Jahren in der Jonasstraße fündig. Die Skepsis gegenüber der Gegend war anfangs groß. Beide vereint der Wille, im Kiez etwas auf die Beine zu stellen. So waren sie aktiv an dem Zusammenschluss der Körnerkomplizen beteiligt, bei denen Gewerbetreibende, Initiativen und Künstler mitmachen. Nur zwei Monate später fand die erste Schnitzeljagd durch den Kiez statt: das Körnerschnitzel. „Das ist das Tolle hier: wenn man sich engagiert, wird es sofort sichtbar“ so Britta Helbig. „Man kann wirklich etwas verändern.“ In ihrer Kunst verbinden sie Malerei, Fotografie, Skulpturen, Video, Tanz, Performance. „Uns interessiert die Schnittmenge der unterschiedlichen Kunstrichtungen“ erklärt Ron Helbig. Viele ihrer Kunstwerke können mit allen Sinnen erlebt werden, in andere kann Foto: C. Mattern Britta & Ron Helbig Porträt D man hineingehen – in die Installation in den Kellerräumen ihres Ateliers in der Jonasstraße beispielsweise, wo sie einen kargen Gang in einen rosafarbenen Schlauch verwandelt GODsDOGs: Britta und Ron Helbig Quartiersbüro Körnerpark, Emser Straße 15, Tel. 62 98 87 90, team@qm-koernerpark.de Sprechzeiten: Mittwoch 16–18 Uhr, Donnerstag 10–13 Uhr Mitarbeiter: Ulli Lautenschläger, Süreya Dirik, Reimar Seid, Dr. Astrid Tag Titelfoto: Titelfoto: So sehen Sieger aus... Vorerst haben die Nachbi Boys und Teilnehmer des Projekts „Kicken und lesen“ erst mal Trikots von ihrem Sponsor Christian Hoffmann von Umweltconsulting Dr. Hoffmann (l.) bekommen. Auch Projektleiter Christian Hörr (r.) freut sich. haben. „Wir sagen, dass wir unsere Werke choreographieren. Es gibt einen Zeitverlauf und eine Bewegung.“ Ende Januar bat das Berliner Medienkunstfestival Transmediale sie, einen Kunstrundgang durch Nord-Neukölln zu kuratieren. Der Zustrom war fast so groß wie beim „Art Grain“. „Das war unsere Vision: dass das internationale Kunstbusiness merkt, dass hier auch etwas geht...“ erklärt Britta Helbig. Ein Wunsch von ihr ist es, viele kulturelle Gruppen im Kiez zusammen zu bringen, damit keine Monokultur entsteht. Denn bunter und vielfältiger könne der Kiez durchaus noch werden, z.B. durch mehr Förderung für Kunst. Seit langem hat auch Ron Helbig am Kiez Gefallen gefunden. „Ich mag rohe, unfertige Orte und finde es spannend, ihre Entwicklung mitzukriegen. Ich lebe hier bedeutend lieber als in Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain, wo alles schon fertig ist.“ Was die Jüngeren, die Künstler und Alternativen als ihre Chance sehen und in Scharen anzieht, hat auch Schattenseiten. Wie Britta Helbig sagt, ist es die Mischung aus ganz unterschiedlichen Menschen, die einen Kiez ausmacht. C. Mattern der B-Zwinger – Kunstraum, Werkstatt, Atelier; Jonasstr. 29, www.godsdogs.de, Tel. 5682 4655 bzw. 0157-7935 2469 3 märz 2011 körner post Aktuelles Bad Girlzz Training 11mm – 8. Internationales Fußballfilmfestival „11mm - 8. Internationales Fußballfilmfestival“, 25.-30. März im „Babylon Berlin:Mitte“, Rosa-Luxemburg-Straße 30. Infos unter www.11-mm.de Berlin bleibt soziale Stadt Abgeordnetenhaus gleicht die Kürzungen aus D ie Berliner können vorerst aufatmen. Nachdem der Bund die Mittel beim Bund-Länder-Programm Soziale Stadt um ca. 60 % gekürzt hatte, ist der Berliner Senat eingesprungen und hat die Kürzungen für das Jahr 2011 ausgeglichen. Damit können die sozialintegrativen Projekte, die mit Soziale Stadt-Geldern finanziert werden, in diesem Jahr ohne drastische Einschränkungen fortgesetzt werden. Gegen die Kürzungen der Bundesregierung hatte es bundesweit Proteste gegeben. Bewohner und Akteure aus den Quartiersmanagement-Gebieten demonstrierten im Herbst 2010 und sammelten Unterschriften. Letztlich bestätigte auch der Sozialbericht 2010 des Stadtsoziologen Hartmut Häußermann, dass eine Förderung dieser Gebiete weiter dringend erforderlich ist. Die Entscheidung des Senats für dieses Jahr ist erfreulich und sicherlich auch ein Erfolg der Berliner Proteste. Langfristig ist die Finanzierung jedoch nicht gesichert, denn dem Programm Soziale Stadt drohen weitere Sparmaßnahmen auf Bundesebene.  C. Mattern Cosisuca – Eine Oase in Neukölln Foto: R. Rasend D Essen, sondern vor allem as Cosisuca wird an der besonderen Quazwei. In einem lität des kulinarischen Alter, in dem andere Angebotes. Es gibt täggerade laufen lernen lich frische vegetarische und die ersten zusamund vegane Suppen und menhängenden Sätze die Kreativität der beiden sprechen können, ist das Frauen kennt keine GrenCosisuca im besten Alter zen: Lauch-Frischkäseangekommen. Suppe, Kokos-TomatenAls Silke Rölling und CoLimettensuppe, Gemürinna Bahls vor mehr als se-Lasagne, Käsepolenzwei Jahren aus Marburg ta mit Wildkräutern, aunach Berlin kamen, um ihßerdem phantasievollen ren Traum von einem SupKuchen. Das hat sich hepenlesecafé in Neukölln rumgesprochen und die zu verwirklichen, haben positiven Kritiken im Tip sie vielleicht selbst nicht V.l.n.r.: Silke Rölling, Corinna Bahls, und im Zitty locken jetzt geahnt, wie gut das CosiPaula Kimmich viele hierher, für die Neusuca von den Menschen im Kiez angenommen werden wird. Jetzt ist es kölln bisher nur eine kulinarische Wüste war. nicht mehr wegzudenken, und wer es immer Das Cosisuca bietet außerdem jungen Künstnoch nicht kennt, hat etwas versäumt. Dass lern die Möglichkeit, ihre Werke einem es für Gäste jeden Alters zu einem Treffpunkt breiteren Publikum vorzustellen. Die regelgeworden ist, liegt nicht nur am preiswerten mäßigen Ausstellungen geben einen guten Einblick in die junge wilde Kunstszene in Neukölln. Aber es ist noch etwas anderes, dass das Cosisuca so beliebt macht. Dank der familiären Atmosphäre im ‚Cosi’ kann der Besucher dort Ruhe finden oder entspannt mit den anderen Gästen oder den Gastgeberinnen plaudern. Hier sind nicht nur Bekanntschaften, sondern auch Freundschaften entstanden. Ja, ich habe sogar gehört, dass sich hier Menschen ineinander verliebt haben. Das ist nicht verwunderlich, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen und es gibt dafür keinen besseren Ort im Gebiet. Zum Team dazu gestoßen ist Paula Kimmich, und bestimmt wird das kulinarische Angebot durch sie noch weitere Nuancen erhalten. Herzlichen Glückwunsch an das Team im Cosisuca. Weiter so! R. Rasend Cosisuca SuppenLeseCafé Nogatstr. 30, www.cosisuca.de, Mo    r 12    0 Uhr, So 14    8 Uhr, –F –2 –1 Brunch jeden 1. Sonntag von 11    5 Uhr –1 Foto: Medienwerkstatt Nachbarschaftsheim Neukölln e.V. V om 25. bis 30. März findet zum 8. Mal im Kino „Babylon Berlin:Mitte“, RosaLuxemburg-Straße 30 „11mm – Das Internationale Fußballfilmfestival“ mit über 50 internationalen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmproduktionen rund um das Thema Fußball statt. Am Samstag, 26. März gegen 15.45 Uhr eröffnet ein im Körnerkiez gedrehter Kurzfilm das Kinder- und Jugendfilmscreening: „Bad Girlzz Training“ „Bad Girlzz Training“ entstand in der Medienwerkstatt des Nachbarschaftsheims. Finan- ziell ermöglicht hat ihn unser Kiezpate Kurt Krömer, der den Erlös seiner Benefiz-Gala im Oktober 2010 wieder an Projekte im Kiez gespendet hat. „11mm“ wird von der DFB-Kulturstiftung präsentiert und ist ein Projekt des Vereins für Sport und Kultur Brot & Spiele e.V.  C. Mattern körner post Termine märz 2011 4 Weitere Termine finden Sie unter www.qm-koernerpark.de, Aktuelles • Schmuck Schmieden in Silber Di, 17-19.30 h, Mi, 12-14.30 h, Sa, 15-17.30 h; 2,5 Std.    0 € zzgl.Material, Atelier Kirkara, /2 Jonasstr. 33, www.kirkara.de, Tel. 0176-2487 4348 • Sitzung der Aktionsfondsjury. Mi, 2.3./ 6.4., jeweils 18 h (??), Quartiersbüro, Emser Str. 15 • Vorbereitungstreffen zum Körnerkiezfest (7.5.) Do, 3.3., 14.30 h, Boom!, Thomasstr. 27 Di, 22.3., 18 h, Cosisuca, Nogatstr. 30 • Treffen der Kiezredaktion. Mo, 7.3., 17 h Quartiersbüro, Emser Str. 15 • Sitzung des Quartiersrats. Do, 24.3., 18 h Café Balsamico im Albrecht-Dürer-Gymnasium, Emser Str. 137 • Attacke gegen Hundekacke. Fr, 1. 4., 12 h Peter-Petersen-Schule, Jonasstr. 15 ..................................................... raum für theater – musik – performance, Thomasstr. 27, Gartenhaus: • Open Stage und Session. Fr, 25.3., 21 h Wer auf die Bühne möchte, kommt bitte spät. 20.45 h ..................................................... – Kunstraum, Werkstatt, Atelier, Jonasstr. 29, www.godsdogs.de, Termine nach Vereinbarung: • Atelier Party mit Ausstellung „sacre du printemps“, Performance, Tanz, DJ, in Kooperation mit Kunsthandel Lintner. Sa, 19.3., ab 20 h • Finissage der Ausstellung „Black Hole Society“ mit Live-Performance und Video-Übertragung Do, 31.3., 21 h ..................................................... März Sa, 12.3., 15-17.30 h • Der literarische Zirkel II. Kazuo Ishiguro So, 26.3., 18-20.30 h • Ikebana - Die Kunst des Blumensteckens Grundkurs. 10 Termine incl. Material    45 € /1 Tel. 6200 8625, barbara.huebner@berlin.de .................................................... Familienbildungszentrum (FABIZ) Altenbraker Str. 12a, Tel. 8485 5686: • Infoveranstaltung: Erste Hilfe am Kind Sa, 12.3., 10-15 h, Anmeldung erbeten • „Griffbereit“. Zweisprachige Spielgruppe für 1- bis 3-Jährige, arabisch-deutsch. Mo, 10-12 h • Rückbildungsgymnastik für Frauen nach der Geburt Di, 12.15-13.45 h, Beginn: 14.3. • Offene Krabbelgruppe für Eltern mit Kindern (8-18 Mon.) Mi, 11.15 - 12.45 h; 2 €    ermin /T • PEKiP®. Spiel und Bewegung im ersten Lebensjahr Einstieg noch mögl. Do, 13-14.30 h; 10 T. 60 €    5 € /2 • Geburtsvorbereitung für Schwangere Fr, 12-13.30 h, Beginn: n.V. .................................................... Atelier & Praxis für kunsttherapeutische Begleitung, Jonasstr. 44, www.farbfeuer-berlin.de, Tel. 2903 5731/7816 341: • Meditatives Malen (Works.) Di, 17.30-19.30 h; 15 €    0 € /1 • Aus Alt mach Neu (Works.) Alte Bilder mit Keilrahmen neu beleben und umgestalten. Mi, 19-21 h, Anmeldung • Offenes Malatelier Do 18.30-20.30 h; 9 € incl. Material • Sonntagsmalen f. Eltern m. Kindern, 14-17 h, 9 €     € /7 • Paarmalen, Ausdrucksmalen in der Gruppe. 2 Std., 15 € incl. Material • Psych. Lebensberatung f. Frauen. S. Engel, Tel. 626 1287 • Geburtstag feiern im Atelier Für max. 8 Kinder (4-9 Jahre) und für Erwachsene ..................................................... Altenbraker Str. 26, www.fincan.eu, Theaterkarten: info@fincan.eu bzw. 62730874 (AB): • Tango Argentino. Mi, 20-21 h: Niveau II, Mi, 21.15-22.30 h: Niveau III, Milonga jeden letzten Mittwoch gegen 22.30 h; 5-8 € • Entdecke Hatha Yoga. Di, 19-20.30 h: Anfänger, Do 18.30-20 h: Fortgeschrittene; 3-8 € • Türkische Filmreihe. Do, 20.30 h • Blumesein (Modern Jazz). Fr, 4.3., 20 h • Moya (Vocal Jazz). Fr, 11.3., 20 h • Soundwitch Project (Asian /Oriental/ Global Jazz) Sa, 12.3., 20 h • Philosophischer Salon. So, 13.3., 18 h „Die Wunde schließt nur der Speer, der sie schlug.“ • „Anders der Rabe“. Ab 2 (30 Min.) www.juliadeboor.de; 2-5 €    -8 €, So, 13.3., 16 h /3 • Performance. Sa, 19.3., 20 h • „Wie der Josa den Mond verzauberte“. Ab 2 (40 Min.) www.juliadeboor.de; 2-5 €    -8 € So, 20.3., 16 h /3 • Nereden (Weltmusik trifft Improvisation) Fr, 25.3., 19 h • Märchen, Mythen und Musik … Ab 4, 2-5 €    -8 €, /3 www.wundervollerzaehlerey.de, So, 27.3., 16 h • IMPROWELTEN (KlaraLi meets 4 cellos) Mo, 28.3., 19 h ..................................................... Jonasstr. 25, www.IntegraleMedizin-eV.de, Tel. 2509 1792: • Kiez-Frühstück. Kleinigkeit mitbringen! Mi, 2.3., 10-12 h • Shiatsu-Dehnungsübungen Mo, 18.30–19 h; 2 €    ermin, 12x /T • Shiatsu-Kurs II. Mit Vorkenntnissen Mo, 19–20.30 h; 5 €    ermin, 12x /T • Kostenlose, psychologische Erstberatung Mo, 15–17 h: nach tel. Absprache Mo, 17–21 h: Einzelsitzungen/Coaching; 50 €    td. /S • Fünf Elemente Qigong. Di, 20–21 h; 5 €    ermin, /T 12x, Tel. 6272 3171 bzw. 0160 - 6511628 • Integrale Runde. Der Außergewöhnliche Gesprächskreis. Do, 17.3., 17–19 h • Begleitete Frühlings-Fastengruppe. min. 4 Treffen, möglich mit Qigong, Shiatsu und Massage 14 Tage: Einführung am Fr, 18.3., 18.30-20 h, für jeden Geldbeutel, 95–215 €, mit Anmeldung • Literarischer Salon. Schreib-Spiel-Abend für Frauen; 5 €    ermin. Mi, 30.3., 19–21 h /T .................................................... Thomasstr. 27, Tel. 5682 1964, www.kunstraumt27.de, Mi- So 15-19 Uhr: • Ausstellung bikini (bis 10.4.) M. Bause (Malerei), L. Grave (Malerei), D. Mallwitz (Skulptur) Vernisage. Fr, 4.3., 19.30 h • Künstlergespräch. Do, 17.3., 19.30 h • Künstlerfilmvortrag von Detlef Mallwitz Do, 24.3., 19.30 h .................................................... Kultur * Kiez * Kneipe, Emser Str. 131, www.laika-neukoelln.de, Tel. 01577-7541789, Di-Sa ab 19 Uhr, So ab 15 Uhr: • „TATORT“ od. „Polizeiruf 110“, jeden So 20.15 h • Buchstabenklinik (Musikalische Lesung) Di, 1.3., 20 h • Josefin Winther (Akustik-Pop-Rock) Do, 3.3., 20.30 h • „Little brother is watching you“ (Kurzfilm) So, 6.3., 18.30 h • KörnerTrashKino (Überraschungsfilm) Mi, 9.3., 20.30 h • Die Sonntagsgruppe (Impro-Theater) Do, 10.3., 20 h • Miss Qunicy (Country-Rock) Fr, 11. 3., 20.30 h • ErneuerBAR* (Veranstaltung der BUND-Jugend Berlin) Di, 15.3., 19 h • David Hull & Band (Konzert: Akustik-Folk) Do, 17.3., 20.30 h • dicht.IT-Poetry Slam (Slammer welcome) Fr, 18.3., 19.30 h • Ca Boume (Akustik-Folk-Pop) Do, 24.3., 20.30 h • Tidemore (Folk-Pop). Sa, 26.3., 20 h • Robin Aigner (Folk-Blues). Do, 31.3., 20.30 h .................................................... kunstraum t27 BOOM! Farbfeuer LAIKA B–Zwinger Café & Galerie im Körnerpark Schierker Str. 8, Tel. 8975 2523, www.cafe-im-koernerpark.de: Galerie: • Ausstellung Seraphina Lenz (bis 10. April). Vernissage am So, 6.3., 12 h Café: • Hey, Muzungu! – Reisenotizen aus Uganda. Lesung, Dia/Video, mit Norbert Weber Do, 17. 3., 19 h, Reservierung Tel. 8975 2523 • Der Weingarten im Körnerpark TV-Aufzeichnung, Di, 22.3., 16-19 h • Punos Folk Jazz. Fr, 25.3., 20 h ..................................................... Nogatstr. 30, www.cosisuca.de, Mo-Fr 12-20 h, So 14-18 h, Brunch jeden 1. Sonntag von 11-15 h: • Brunch. So, 6.3., 11-15 h • Ausstellung Urbane Vielschichtigkeit Vernissage am Fr, 25.3. Fincan Nachbarschaftsheim Neukölln Schierker Str. 53, www.nbh-neukoelln.de Tel. 687 5096 bzw. 8486 6586: • Familientrödel. Sa, 2. 4. ab 11 h, Aufbau ab 9 h Anmeldung; 6 €     € und ein Kuchen /3 • „Bewegung am Vormittag“. Gelenk- und wirbelsäulenfreundl., Tel. 2847 8493 bzw. 0157-8847 9200, Mi, 10-12 h im Saal ..................................................... Emser Str. 124, www.werkstadt-berlin.com, Mo-Sa ab 19 Uhr: • Ausstellung Francesca Tosarelli (bis 30.3.) Vernissage am Mo, 4.3., 19 h • Art Clinic # 7. Kritik- und Feedbackrunde für Bild. Künstler. D. Hansen (DE), L. Munn (NZ), A. McCormilla (IRL) Mo, 7. 3., 20 h • Live Hörspiel: Die tönenden Hörlinge Do, 24.3., 20 h • Jazz-Session mit David Hagen Do, 31.3., 20-22 h Cosisuca SuppenLeseCafé ..................................................... Emser Str. 117, Tel. 3950 5376, Mi-Fr 14-19 Uhr, an jedem 1. Sa 14-17 Uhr (nur während einer laufenden Ausstellung): • Ausstellung Urbanis (Malerei, bis 25.3.) Vernis. Fr, 4.3., 19 h • Märchenabend mit Diana Krüger und den Musikern Martin & Stefan. Fr, 18.3., 19 h • Der philosophische Zirkel. Sa, 5./19.3., jeweils 15-17 h • Der literarische Zirkel I. Für alle, die selber schreiben Creativ-Centrum Neuköllner Leuchtturm WerkStadt e.V Integrale Medizin e.V. 5 märz 2011 körner post Projekte Attacke gegen Hundekacke Frühjahrsaktionstag am 1. April Z um 7. Mal startet in diesem Frühjahr die alle zwei Jahre stattfindende „Attacke gegen Hundekacke“ der Peter-Petersen-Schule. Vom 28. bis 31. März beschäftigen sich die SchülerInnen im Unterricht mit der Problematik Sauberkeit und Hundekot im Kiez. Am Freitag, 1. April um 12 Uhr startet die Demonstration vor der Peter-Petersen-Schule. 2009 haben nach Polizeiangaben 500 Kinder und Erwachsene an der Demo teilgenommen. Dieses Jahr werden ebenso viele Teilnehmende erwartet. Neben der BSR, der Bequit GmbH und den Stadtteilmüttern sind noch weitere Akteure aus dem Kiez logistische Unterstützung. Auch in diesem Jahr wird der Frühjahrsaktionstag im Quarbeteiligt. Sie können die Kinder in ihrem wichtigen tier mit den Schulaktivitäten kombiniert. Anliegen unterstützen, in dem Sie sich im C. Hoffmann April noch stärker als sonst für saubere Straßen einsetzen und z.B. Müll von der Straße sammeln oder vor Ihrem Haus auf SauberAttacke gegen Hundekacke keit achten. Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen, sich an der bunten Demonstrati- am Fr, 1. April, 12 Uhr vor der Peter-Petersen-Schule, Jonasstraße 15. on zu beteiligen. Das Projekt „Sauberer Kiez – Mach mit“ Das Quartiersmanagement leistet mit seinem Projektpartner Umweltconsulting Dr. Hoff- wird mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt finanziert. mann („Sauberer Kiez – Mach mit“) wieder VIBE : Integration für benachteiligte Flüchtlingsjugendliche Ein neues soziales Projekt in Neukölln D as Projekt „Verbesserung der Integrati- des Kurdistan Kultur- und Hilfsvereins onsbedingungen von benachteiligten (KKH) richtet sich an junge Flüchtlinge Flüchtlingsjugendlichen“ unter der Regie im Alter zwischen 16 und 27 Jahren, die eine Duldung, Gestattung oder Aufenthaltserlaubnis besitzen. Ziel ist es, sie in sozialen und beruflichen Fragen zu beraten und zu begleiten. Das Kürzel „VIBE“ ist ein Begriff aus dem Englischen und bedeutet Stimmung, Atmosphäre oder Gefühl. Diese soll quasi die Arbeitsphilosophie dieses Projektes sein. Es soll eine Foto: KKH e.V. Atmosphäre geschaffen werden, Flüchtlingsjugendliche in der Nogatstraße die den jungen Menschen das Gefühl gibt, nicht anders bzw. fremd zu sein. Es soll in Augenhöhe kommuniziert werden, damit sich die jungen Flüchtlinge ihrer Person und Situation bewusst werden. Ziel des Projekts ist es, ihnen durch die Ermittlung des individuellen Bedarfs und durch Einbindung in Arbeit, Ausbildung, Kurse, o.ä. die soziale Integration zu ermöglichen. KKH e.V., cm Weitere Informationen erhalten Sie beim KKH e.V., Nogatstraße 5, Frau Kofli, Tel. 6107 4368, E.Kofli@kkh-ev.de bzw. Herr Domes, Tel. 7022 7519, domes@kkh-ev.de „Kicken und lesen“ Ein Projekt des Nachbarschaftsheims Neukölln Dr. Hoffmann, den Nachbi Boys rote, grüne und gelbe Trikots überreicht, ziehen sie sie alle für das Fotoshooting über. Die Kapitän-Frage verschieben die Nachbi Boys auf das nächste Treffen. Nach einer halben Stunde Sitzen und Lesen wird es höchste Zeit für das Fußballtraining. Eine Mädchen-Mannschaft gibt es im Nachbarschaftsheim übrigens auch. Sie trifft sich jeden Mittwoch um 16 Uhr. C. Mattern Kicken und Lesen findet jeden Donnerstag um 15.30 Uhr in der Teestube des Nachbarschaftsheims, Schierker Str. 53 und ab 16 Uhr auf dem Außengelände statt. Das Projekt wird mit Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert. W er ist der beste Fußballer, Messi oder Ronaldo?“ Die Nachbi Boys sind sich im Grunde einig, sie stimmen alle für ihr großes Idol Christiano Ronaldo von Real Madrid. Kurz darauf, beim Vorlesen des Kicker-Artikels zur Frage „Wer holt die Torjägerkrone in Spanien?“ gibt es überhaupt nichts auszusetzen, alle lesen flüssig. Mit dem neuen Projekt „Kicken und lesen“ möchte Christian Hörr vor allem Jungs zum Lesen motivieren und ihre Lese- und Sprachkompetenz erhöhen. „Denn Jungs lesen nicht nur anderes, sie lesen auch anders!“ sagt er. Der neue Fußballtrainer kennt die Jungs vom Nachbarschaftsheim gut, schließlich führt er seit knapp zwei Jahren dort das Ferien- und Wochenendprogramm der Coolen Kids durch. Bisheriger Fußball- Verantwortlicher war André Ruschkowski. Die halbstündige Leseeinheit mit anschließendem Fußballtraining richtet sich an 6- bis 14-jährige Kinder aus dem Körnerkiez. Ziel ist es, Lust am Lernen und der deutschen Sprache entwickeln und ihre sozialen Kompetenzen verbessern. Die Teilnahme an Turnieren und der Freizeitliga „Neukölln Champions“ für bezirkliche Jugendeinrichtungen soll die Kinder zudem anspornen, regelmäßig zum Training zu kommen. Geplant sind beispielsweise auch der Besuch eines Hertha BSC-Spiels im Olympiastation, eine Führung über das Hertha BSC-Trainingsgelände der Profis, ein Rap-Workshop und Lesewettbewerbe. Als der Sponsor des Fußballteams, Christian Hoffmann von Umweltconsulting körner post Interview märz 2011 6 Bier trinken und Gutes tun Trinken für einen guten Zweck? Das klingt erstmal wie ein PR-Witz von Becks oder ein Mittelklassewitz von Kurt Krömer. Das Konzept von Sebastian Jacob, Kulturwirt und derzeit Rechtsreferendar, hat aber durchaus Hand und Fuß. Und das Erstaunliche daran ist: das Bier schmeckt sogar richtig gut. Wer es nicht glaubt, kann es testen: Quartiermeister gibt es im Laika, Emser Straße 131 und im Ungeheuer, Emser Straße 23. Herr Jacob, wie geht das, wenn man für einen guten Zweck Bier trinkt? Quartiermeister ist ein soziales Projekt. Hundert Prozent unserer Gewinne werden eingesetzt, um soziale Projekte und Initiativen in der direkten Nachbarschaft zu fördern. Ich habe nach einer Marktsituation gesucht, wo ein durchschnittlich gut informierter Verbraucher sich leicht für ein sozial nachhaltiges Produkt entscheiden kann. Da kam ich auf Bier in Verbindung mit einem lokalen Foto: Quartiermeister Kann Biertrinken sinnvoll sein? Der komplette Gewinn von Quartiermeister geht an soziale Projekte. sozialen Zweck. Bier wird fast immer im sozialen Umfeld getrunken, wir trinken das Bier aus der Region und wir reden darüber. Wenn es dabei einen sozialen und lokalen Zweck erfüllt, macht es Sinn, dieses spezielle Bier zu trinken. Man sieht: „Aha, wenn ich dieses Bier trinke, passiert etwas, es ist nicht wieder eine von diesen Marketingkreationen!“ Das muss sich dann herumsprechen. Unser ganzer Gewinn fließt in soziale Projekte – und zwar nicht irgendwo, sondern da, wo du trinkst, in deinem Kiez. Im Grunde lässt sich die Idee auf vier Worte runterkochen: Trinken für den Kiez. Seit September 2010 ist Quartiermeister auf dem Markt. Und wer hat etwas davon, wenn viel Quartiermeister getrunken wird? Zur Zeit kommen durch Quartiermeister etwa 1.000 € pro Monat für soziale Projekte zusammen. Bislang haben wir Bildog e.V., die KiezAktivKasse Kreuzberg und das Netzwerk Schülerhilfe Rollberg gefördert. Gerade bereiten wir zwei weitere Förderkooperationen vor: Zum einen mit dem „Plan MSA“, ein Freiwilligen-Projekt in Kreuzberg, das Jugendliche mit Schwierigkeiten in der Schule auf die Mittelschulabschluss­ prüfung vorbereitet. Und zum anderen mit Cosy Concerts, einem interessanten Kulturfestival, das Zuschauern die Türen zu den Wohnungen der Künstler in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain öffnet. Können sich soziale Projekte auch selbst bewerben? Ja, klar. Man kann uns eine Mail schreiben oder Vorschläge machen. Demnächst kann man auf unserer Website www.quartiermeister.org einen Förderantrag herunterladen. Der Quartiermeister-Verein entscheidet, welche Projekte gefördert werden. So eine Idee müsste eigentlich total einschlagen. Wie läuft es denn bisher? Wir kommen sehr gut an. Quartiermeister hat sich als erstes Produkt dem Kollektiv seiner Konsumenten zu hundert Prozent verpflichtet. Ich wollte kein Charity-Produkt kreieren, wo du dich als edler Konsument dafür entscheiden kannst: „Jetzt mach ich mal was Gutes.“ Das Schöne an Quartiermeister ist, dass du dich ganz normal verhältst: Du gehst ein Bier trinken, du zahlst so viel wie üblich dafür und es bleibt gleichzeitig etwas übrig für eine gute Sache in deinem direkten Umfeld. Wir haben es so kalkuliert, dass der Kasten für 10 € verkauft werden kann. Davon können wir derzeit ca. 3 € für den sozialen Zweck abführen. Regional heißt, dass das Bier aus Berlin stammt, oder? Unser Kooperationspartner ist die GarleyBrauerei, ein nah an Berlin gelegener Familienbetrieb in Sachsen-Anhalt, der unabhängig und traditionell wirtschaftet und ein gutes Bier produziert. Es gab keine Berliner Brauerei, die dafür in Frage kam? Leider nicht, das ist ein trauriges Kapitel. Der Brauereimarkt in Berlin sieht derzeit so aus, dass es nur die großen und die Mikrobrauereien gibt. Die großen sind mittlerweile alle in der Hand des Dr. Oetker-Konzerns. Wenn ein regionaler Wertschöpfungszirkel entstehen soll, wo regional Bier produziert und lokal getrunken wird und die Mittel vor Ort sozial reinvestiert werden, kann man mit einem Konzern nicht zusammenarbeiten. Die Mikrobrauer machen zwar alle gutes Bier und haben tolle Ideen, aber sie sind zu teuer. Viele füllen nicht mal in Flaschen ab und pasteurisieren ihr Bier nicht, d.h. es ist höchstens vier Wochen haltbar. Deshalb mussten wir uns regional über den Tellerrand von Berlin hinausbewegen. Die Garley-Brauerei hat halb-manufakturelle, halb-industrielle Größe. Was hat es mit dem Namen auf sich? Ein Quartiermeister ist doch eine historische Gestalt. Im Dreißigjährigen Krieg hat der Quartiermeister im Heer das Feldlager bestellt und für das leibliche Wohl der Truppe gesorgt. Heute steht Quartier für Kiez und der Quartiermeister ist derjenige, der sich um das Wohl des Kiezes kümmert. Und natürlich sorgt er auch für das Bier. Bislang wird Quartiermeister in Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain verkauft. Was ist mit den anderen Bezirken? Wir haben auch kleine Außenposten im Prenzlauer Berg und in Moabit. Der Schwerpunkt liegt zurzeit noch auf Neukölln, denn dort wohnen wir und kennen die Kneipen und Cafés. Das Projekt ist aber offen und kann wachsen, auch über Berlin hinaus. Jeder kann mitmachen und mit Biertrinken etwas für seinen Kiez tun. Und das alles machen Sie ehrenamtlich, neben Ihrem Referendariat? Ja, aber es ist mein Herzblut. Das Gespräch führte Claudia Mattern www.quartiermeister.org 7 märz 2011 körner post Von Heidi Göbel Körnerparkgeschichten – mit Vorbildern aus dem Umfeld Fatma Senoglu, Schülerin der Albrecht-Dürer-Oberschule und mit 17 Jahren die jüngste in der Diskussionsrunde. Die Parkgespräche am 28. Januar 2011 hatten „Kindheit in Neukölln – Erfolg trotz sozialer Härten?“ zum Thema und drei Gäste verschiedener Generationen dazu eingeladen. So unterschiedlich die Lebenssituationen und Erfahrungen sind und waren, einig waren sich alle dennoch: Man kann immer versuchen, das Beste aus seiner eigenen Lebenslage zu machen. Das war auch ein schöner Abschluss der vorerst letzten Runde der Parkgespräche. Heidi Göbel moderiert seit 2009 die Veranstaltungsreihe „Parkgespräche – Talk im Körnerpark“, die mit Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert wird. Ko-Moderatoren waren Jan-Christopher Rämer (2009) und Dr. Martin Steffens (2010/2011). Foto:S. Ness Fröhlich „wuppen wir die Welt“ W ir waren froh, mit dem Leben davongekommen zu sein“, sagt Professor Dr. Horst Bosetzky (72), der seine Kindheit in der Ossastraße verbrachte. Er besuchte jene Volksschule in Neukölln, die heute als Rütli-Schule bekannt ist und seine Generation war den Amerikanern sehr dankbar für deren Hilfe und Unterstützung. Außerdem Foto: E. Dangendorf V.l.n.r.: Heidi Göbel, Bezirksstadträtin Gabriele Vonnekold, Horst Bosetzky, Fatma Senoglu, Martin Steffens bedeutete für ihn, als Schlüsselkind groß geworden zu sein, jede Menge Freiheiten, sein Umfeld zu entdecken und auch einiges auszuhecken. „Wir glaubten, wir könnten die Welt wuppen“, ist ein Gefühl aus der Jugendzeit von Bezirksstadträtin Gabriele Vonnekold. Wuppen bedeutet in etwa, etwas im Handumdrehen erledigen oder eben die Welt aus den Angeln heben. Die Spät-68er experimentierten und probierten sich selber aus. „Wenn wir niemanden wählen können, wählen wir uns eben selber“, war die Devise der Alternativen Liste (heutiges Bündnis 90    ie Grünen), /D deren Mitbegründerin sie war. „Menschen, mit denen ich in meinem direkten Umfeld zu tun habe, kann ich als Vorbilder nehmen. Die Stars und Sternchen kenne ich doch gar nicht persönlich. Das sind keine Vorbilder für mich“, resümiert Kann Spuren von Wasserfällen enthalten Von Sina Ness, Ahmed und Hussein Ahmed und Hussein Zwei Kinder gehen über matschigen Sumpfboden. Es gewittert. Schritte im Sumpf sind zu hören. Ahmed: Ich wusste gar nicht, dass es so matschig ist im Körnerpark. Man versinkt ja fast im Boden. Hilf mir bitte mal, Hussein. (Ächzt, als Hussein ihn am Arm zieht) Danke. Hussein: Kalt ist es auch. Ahmed: Und ich dachte, dieser Teich mit der Fontäne, der sei nur ein paar Meter groß … Aber man kann das andere Ufer gar nicht sehen. Hussein: Man sieht ja auch kaum was bei dem dichten Nebel! Ahmed: Aber vielleicht ist das gar nicht der Körnerpark, Hussein, und wir sind viel zu weit gegangen … Hussein: Blödsinn, Ahmed, das ist der Körnerpark! Ich war schon hundertmal hier. Ahmed: Ich habe Angst. Es wird schon dunkel … und hier ist überall nur Wasser. Und dieses Rauschen … Man könnte meinen, das ist das Meer! Hussein: Ja … ich hab auch bisschen Angst. Plötzlich tutet ein Dampfer, das Wasser braust. Ahmed: Hussein! Was war das? Das klang wie ein Dampfschiff! Hussein: Ein Dampfer in einem Teich in Neukölln? Ahmed: Schnell, wir müssen ihm winken, bevor er vorbei fährt! A. u. H.: Hallo, hallo! Halt! Nicht wegfahren! Hussein: Sie sehen uns nicht! Ahmed: Was machen wir denn jetzt? Hussein: Hast du dieses kleine Feuerzeug noch, Ahmed? Ahmed: Ja. Hussein Rasch, gib her! (Zündet es an) Mist, das ist zu klein! Schnell, sonst fährt er vorbei... ein Stück Holz! Der Dampfer tutet noch näher Ahmed: Das geht nicht, ist alles völlig nass! Hussein: Komm, Ahmed, wir nehmen unsere Schulhefte! Ahmed: Spinnst du? Hussein: Wir müssen! (Sie holen die Hefte aus ihren Schulranzen) Wir nehmen einfach die Seiten aus der Mitte, das merkt niemand! (Sie reißen Seiten heraus.) Ahmed: Na gut. Komm aber näher dran, sonst fängt es kein Feuer! (Das Feuer erfasst das Papier) Jetzt! Schnell hochhalten, Hussein! Hilfeeee! Hallo! Nehmt uns mit! Hussein: Halloooo! Oh! Er kommt auf uns zu! (Der Dampfer tutet ganz nah, sie jubeln) Die Pausenglocke läutet. Ahmed: (gähnt) Hä? Ist die Stunde schon um? Hussein: (gähnt) Ich glaube, ich bin ein­ genickt. Im Hintergrund plätschert das Wasser, Rayan macht es vor. Ahmed: Ich habe von einem Dampfschiff im Körnerpark geträumt … Hussein: Das war doch mein Traum! – Äh, sag mal, Ahmed, was sind denn jetzt die Hausaufgaben? Ahmed: Hm … Keine Ahnung. Hussein: Schau nur! In meinem Schulheft fehlen ein paar Seiten! Von weitem rauscht das Meer. Das Mini-Hörspiel ist ein Auszug aus Sina Ness: „Kann Spuren von Wasserfällen enthalten“ (entstanden in Zusammenarbeit mit Kindern der Konrad-Agahd-Grundschule), Autumnus Verlag, Berlin 2010. Das Hörspiel-Projekt von Sina Ness wurde mit finanziellen Mitteln des Programms Soziale Stadt unterstützt. körner post märz 2011 8 Nachbarn im Kiez Mit dem Namen hat es übrigens nichts Ungeheuerliches auf sich. Als sich die drei wegen diversem Papierkram und Namensfindung mal wieder die Haare rauften, seufzte Hanno de Buhr: „Mann, das ist ja ein Ungeheuer hier!“ Da hieß es eben so. Den Kiez kennt Christian Schoon, seitdem er vor fünf Jahren von Ostfriesland nach Berlin gezogen ist. „Hier ist wahrscheinlich das beste Potential“ sagt er mit Blick auf die Entwicklung innerhalb der Bewohnerschaft. „Wir haben hier nicht dieses große Konkurrenzgefühl wie in anderen Gegenden Nord-Neuköllns oder Kreuzbergs und können uns relativ unbeschwert einquartieren.“ Unbeschwert und zuversichtlich, doch naiv sind die drei Betreiber keineswegs. „Wir hätten nicht gedacht, dass das Ungeheuer so schnell so gut angenommen wird. Unsere Vorstellungen waren recht niedrig.“ Sie sehen die Sache realistisch und wissen, dass sich das auch ändern kann. Mit dem umgebauten Apotheker-Tresen, dem schlichten Mobiliar und der grau-grünen Ornament-Tapete spricht das Ungeheuer eine bestimmte Klientel an. Christian Schoon legt aber Wert darauf, dass auch alteingesessene Kiezbewohner kommen und nicht nur die neu Dazugekommenen, die jungen, hippen Künstler und Studenten. „Auf den einen oder anderen wirken die vielen neuen Leute bestimmt befremdend und rufen Angst hervor.“ Das gilt aber nicht für alle. Das ältere Ehepaar aus dem Nachbarhaus beispielsweise, das schon seit 20 Jahren hier wohnt, freut sich, dass endlich ein nettes Café hier eröffnet hat und schaut regelmäßig auf ein, zwei Getränke vorbei.  C. Mattern Ungeheuer, Emser Straße 23, Tel. 5483 3722, Di – Sa ab 10 Uhr, So 10 – 18 Uhr, Mo ab 18 Uhr. Wer Kunst ausstellen möchte, kann sich gerne melden. Das Büro kann stundenweise gemietet werden. Grafik: J. Roos M anche Existenzgründergeschichten ziehen sich über Jahrzehnte. Mal findet sich kein passender Ort, mal fehlt der richtige Moment, ein andermal ist die Miete zu hoch oder die Hausverwaltung will am Ende nicht kooperieren. Anne Brannys, Christian Schoon und Hannes de Buhr träumten zwar auch schon seit längerem von einer Kaffeebar, doch sie haben recht zügig Nägel mit Köpfen gemacht. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ sagten sie sich und hielten nach Räumen im Körner-, Schiller- und Richardkiez Ausschau. Als sie die Räume in der Emser Straße besichtigt hatten, setzten sie nach der sensationell kurzen Zeit von nur zwei Wochen ihre Unterschrift unter den Vertrag. Denn genau nach so etwas, einem Raum mit großem Büro, hatten sie gesucht. Seit Januar hat das Ungeheuer offiziell eröffnet. Und es ist, als hätten viele darauf gewartet, denn vor allem an den Wochenenden zur Frühstückszeit (bis 16 Uhr) geht es hoch her. Vom Ungeheuer leben müssen die drei nicht. Alle haben weitere Projekte, die sie parallel verfolgen: Anne Brannys realisiert und organisiert Kunstprojekte, Christian Schoon schreibt u.a. an seiner Diplomarbeit in Humangeografie. Impressum Körnerkiezfest 2011 I Herausgeber: Quartiersmanagement Körnerpark Emser Straße 15, 12051 Berlin Tel. 6298 8790, Fax 6298 87910 www.qm-koernerpark.de team@qm-koernerpark.de V.i.S.d.P.: Ulli Lautenschläger Redaktion: Claudia Mattern Autoren dieser Ausgabe: Heidi Göbel, Dr. Christian Hoffmann, Sina Ness, Rosa Rasend, KKH e.V. Layout: Sonja Seulberger Druck: Ronald Fritzsch, Auflage: 2.500 Die Körnerpost erscheint zehnmal jährlich. Die nächste Ausgabe erscheint Anfang April. Redaktionsschluss: 15. März n Anbetracht der klirrenden Kälte wagt man noch gar nicht daran zu denken, doch die Planungen sind längst angelaufen: Am Samstag, den 7. Mai findet in der Emser Straße in der Zeit von 14 bis 20 Uhr wieder das Körnerkiezfest statt. Gesucht werden Vereine, Kitas, Schulen, Gewerbetreibende, Künstler, Kiezbewohner und alle anderen, die Lust haben, mitzumachen. Die Marktstände werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Für Auftritte steht wieder eine professionelle Bühne zur Verfügung. Das erste Vorbereitungstreffen findet am Donnerstag, 3. März, 14.30 Uhr im Boom!, Thomasstraße 27, Hinterhof statt, das zweite Treffen am Dienstag, 22. März, 18 Uhr im Cosisuca, Nogatstraße 30. Anmelden kann man sich beim Verein Hinter der Fassade e.V., Kerstin Zeller, Tel. 0157    462 6458, kerstin_slobs@yahoo.de. -8 cm Die Körnerpost wird gefördert von:
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