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Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

Full text: Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

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Ausland. VieKrisis wurde dadurch nat�rlich noch versch�rft; und als der K�nig, der im stillen �berzeugt war, da�
nur die Opposition der Kaufleule das Ucbel verschuldet habe, sich an das Generaldirektorium wandte, um dessen
Meinung �ber die Ursachen der Krisis zu erfahren, da sandte ihm das Generaldirektarium einen Bericht, der eines
der merkw�rdigsten Aktenst�cke der preu�ischen Vcrwallungsgeschichte darstellt: es wollte n�mlich gerade die Ma�regeln,
die der K�nig damals getroffen hatte, namentlich auch die Einrichtung der Bank, in erster kinie f�r den Verfall der
Gesch�fte verantwortlich machen. Das war weit �ber das Ziel hinausgeschossen, und der K�nig lie� sich nicht beirren.
Er schrieb eigenh�ndig einen sehr ungn�digen Bescheid unter den Bericht. Seinen Weg verfolgte er weiter; Nur die
Absicht, einen Zwang zur Benutzung der Bank auszu�ben, lie� er fallen. Die Krisis ging dann wieder vor�ber,
und die Gesch�fte bl�hten wieder auf. Zm gro�en und ganzen hat der K�nig seinen Zweck doch erreicht; die
Handelsbilanz, die noch bei seinem Regierungsantritt passiv gewesen war, wies in den achtziger fahren einen Ueberschu�
der Ausfuhr von 3�H Millionen Talern auf; der gesamte Betrag des Aus- und Einfuhrhandels Zusammengenommen
betrug am Ende des Jahrhunderts etwa Millionen Caler. Nicht alle Gewerbe, die er gepflanzt hat, haben
sich erhalten, so z. V. nicht die Berliner Seidenindustrie, die heute vor der von Krefeld so gut wie ganz verschwunden
ist. Aber das ist doch erreicht worden, da� auch in Preu�en die Elemente des modernen industriellen Lebens geschaffen
worden sind: ein intelligenter, kapitalkr�ftiger Untcrnehmerstand und eine breite Schicht flei�iger, disziplinierter gewerblicher
Arbeiter, die nicht mehr in dem engen Rahmen des alten Zunfthan dwcrkes t�tig waren.
Die Kommerzien mu�ten, wie schon gesagt, in den: friderizianischen System hinter den Manufakturen
zur�cktreten. Der Handel sollte zum Diener der einheimischen anstatt der fremden Gewerbt�tigkeit werden. Er mu�te
sich vollst�ndig umorientieren, und manche alte Handelsverbindung wurde dabei durchschnitten. Mit Sachsen und
auch mit Vesterreich kam es zu einer v�lligen Handelssperre; die magdedurgischen Durchfuhrz�lle suchten den Handel
von Hamburg und L�neburg nach Th�ringen, Sachsen und Schlesien an die Magdeburger und Berliner zu
bringen; die schlesischen Durchfuhrz�lle wollten die s�chsischen waren, die nach Polen gingen, durch preu�ische
verdr�ngen; in noch ausgedehnterem Ma�e bezweckte der polnische Handelsvertrag von 5??5, alle fremden Waren
aus dem Westen von Polen abzuhalten und den Export nach diesem wirtschaftlich ungesch�tzten kande zu einem Monopol
f�r die preu�ischen Manufakturen zu machen. Das gelang alles nur zum Teil, weil der Handel hie und da andere
Wege suchte als bisher, und weil bei den ung�nstigen Grenzen und dem Maugel eines Grenzzollsystems der
Schmuggel unausrottbar war.
Der Tendenz zur Abschlic�ung nach au�en stand aber auf der anderen Seite eine fortschreitende Befreiung
des inneren Marktgebietes gegen�ber. Der Zusammenschlu� im Innern war ja ebenso ein Prinzip des Merkantilismus
wie der Abschlu� nach au�en. Allerdings lie�- sich beides nur f�r das einigerma�en zusammenh�ngende Gebiet der
mittleren Provinzen verwirtlichen, welche Bedeutung aber hier die neue staatswirtschaflliche Handelspolitik hatte, zeigt
am besten die Befreiung der Vdcr. Dieser Strom geh�rte seit der Erwerbung Schlesiens mit seinem ganzen schiffbaren
kauf zum preu�ischen Staat. Jetzt erst h�rte der alte Gegensatz zwischen Breslau und Frankfurt und zwischen Frankfurt
und Stettin endg�ltig auf; die Stapel- und Nicderlagsrechte von Stettin wie von Frankfurt wurden beseitigt; die
Schiffahrt war nun frei bis zum Meer, wo der Hafen von Swincm�nde aufbl�hte. Auch die Binnenz�lle zwischen
den einzelnen Provinzen wurden f�r Manufakturwaren fchon aufgehoben, bis sie ganz verschwanden. Kanalbauten
wie der plauesche, der Finowsche und der Bromberger Aanal erleichterten den wasserverkehr, besonders in west-�stlicher
Richtung; nach der Erwerbung Westpreu�ens wurde die Seehandlungsgesellschaft begr�ndet, anf�nglich um Polen von
der See her mit Salz zu versorgen. Gern h�tte der K�nig nach den: Siebenj�hrigen Kriege einen Handelsvertrag mit
Frankreich und Spanien gehabt, haupts�chlich Zu dem Zweck, um einen direkten Export der schlesischen b'eineninoustrie
nach den Kolonien dieser Staaten einzurichten, w�hrend dieser bisher durch englische Kaufleute vermittelt wurde. Es
ist ihm nicht gelungen; die Engl�nder aber nahmen dabei ihren vorteil wahr, und seit der Kontinentalsperre ist
vollends die irische Leinewand in den Kolonien an die Stelle der schlesischen getreten. Der Handelsvertrag, der mit
der Nordamerikanifchen Union zustande kam, hat keine gro�e praktische Bedeutung erlangt.
        
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