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Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

Full text: Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

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Friedrich der Gro�e griff das Werk der Industrialisierung des Tandes in gr��erem Ma�stabe an. (Er war
schon a?s Aronprinz mit Aaufleuten wie Gatzkowski tri Verbindung getreten und gr�ndete gleich nach feinem Regierungs-
antritt ein besonderes Departement f�r Manufakturen und Aommerzien bei der obersten Verwaltungsbeh�rde, dein
Generaldirektorium. Diesem Departement wurde vorgeschrieben, nicht nur die vorhandenen Manufakturen m�glichst
zu bef�rdern, sondern auch die, welche noch fehlten, einzuf�hren und in Gang 511 bringen, damit wom�glich alles,
wag man brauchte, im 3ande selbst hergestellt w�rde. Nach diesem Prinzip ist bann auch jahrzehntelang mit Nachdruck
und Aonseauenz gearbeitet worden. (Eine ganz besondere F�rsorge wandte der K�nig dabei der Seidenindustrie zu,
weil da-. Geld, welches f�r franz�sische, holl�ndische, s�chsische und Schweizer Seidenwaren au�er Landes ging, nach
Ausweis der damals von Friedrich selbst zuerst geschaffenen Handelsstatistik den gr��ten Posten unter allen Einfuhr-
artikeln ausmachte. Das war eine Industrie, die in der Hauptsache ganz neu gegr�ndet werden mu�te. Der K�nig
lie� durch feine diplomatischen Agenten geschickte Meister in ?yon und anderswo anwerben; er schenkte ihnen H�user,
Ger�tschaften, versah sie mit Rohstoff und Vorsch�ssen und gab Soldatenkinder aus dem Potsdamer Waisenhaus bei
ihnen in die kehre. Aaufm�nnische Verleger wurden ebenfalls mit Vorsch�ssen und Privilegien ausger�stet, um den
Betrieb in Gang 311 bringen und den Absatz zu organisieren. Den Rohstoff bezog man meist aus Italien-, um einen
best�ndigen Vorrat davon zu schaffen, wurde ein staatliches Scidenmagazin angelegt, das nach den w�nschen der
Kaufleute assortiert war und ihnen Aredit gew�hrte. Zugleich hat sich der K�nig die gr��te M�he gegeben, auch
die Seidenzucht selbst in seinem (ande einzuf�hren, wie es Heinrich IV. in Frankreich getan hatte. Diese Bem�hungen
blieben nicht ohne Erfolg, aber in der Hauptsache blieb man doch auf die italienische Seide angewiesen. Es ist nun
in Her Tat gelungen, den betrieb her neubegr�ndeten Industrie schon bis 311111 Siebenj�hrigen Ariege so in Schwung
zu bringen, da� durch ihre Fabrikate der inl�ndische Bedarf in der Hauptsache gedeckt und die Einfuhr fremder
Seibenwaren verholen werden konnte.
Alle die neubegr�ndeten INanufakturbelriebe beruhten auf k�niglichen Privilegien und gro�enteils auch auf
k�niglichen Vorsch�ssen oder sonstigen Beg�nstigungen, wie Betriebs- und Erportpr�mien und dergleichen. Vie Aehrseite
war eine sehr weitgehende und tief eingreifende Staatsaufsicht, die sich nicht nur auf die soziale, sondern auch auf die
�konomisch-technische Seite des Gewerbcwesens bezog. F�r eine ganze Reihe von Gewerben, namentlich f�r die Textil-
industrien, gab es umfangreiche obrigkeitliche Reglements, in denen ganz genau vorgeschrieben war, aus welchen Stoffen
und in welcher G�te die verschiedenen Artikel zu verfertigen waren; dazu kamen dann Vorschriften �ber das Verh�ltnis
zwischen den hausindustriellen Meistern und ihren kaufm�nnischen Verlegern, die ebenso Bedr�ckung und Ausbeutung
auf der einen, wie Untreue und Fahrl�ssigkeit auf der andern Seite verh�ten sollten. Solche Reglements gab es auch
in Frankreich, in Holland und anderswo; holl�ndische Reglements enthalten sogar kohnvorschriften, wovon man in
Preu�en abgesehen hat. Vie Beobachtung der Reglements wurde durch Schaumeister und Fabrikeninspektoren kontrolliert;
nur vorschriftsm��ig gefertigte waren erhielten den Stempel, der den Abnehmern ihre G�te verb�rgte und den
Fabrikanten einen Anspruch auf die ausgesetzten Pr�mien gab. Bei Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitern
fungierten obrigkeitliche Aommissionen als Schiedsgericht und Einignngsamt.
Nach dem Siebenj�hrigen Ariege trat eine allgemeine Handels- und Geldkrisis ein, von der auch Preu�en
betroffen wurde; Bankrotte in Amsterdam und Hamburg zogen auch viele Berliner H�user in Mitleidenschaft. Man
hatte damals von der Nalur solcher internationaler Arisen noch keine rechte Vorstellung, und der A�nig suchte die
Stockung zu �berwinden, indem er eine gro�artige Rartellierung der wichtigsten Manufakturbekiebe ins Auge fa�te,
wobei die neubegr�udete Bank als allgemeines Arediwermittlungsinstilut im Mittelpunkt stehen sollte. Damals ist
auch das Tabaksmouopol eingef�hrt, eine Seeversichcrungsgesellschaft, eine tevantische Aompanie begr�ndet worden.
Der gro�e Plan des A�nigs, von dem wir in den erhaltenen papieren nur noch Spuren und Andeutungen finden,
ist nicht oder doch nur st�ckweise zur Verwirklichung gelangt; aber er brachte eine gro�e Beunruhigung in die
Gesch�ftswelt; und namentlich die anf�ngliche Absicht des A�nigs, den ganzen kaufm�nnischen Zahlungsverkehr
zwangsweise an die Bank zu weisen, rief Best�rzung und Mi�trauen hervor und trieb bedeutende Aavitalicn ins
        
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