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Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

Full text: Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

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Aurf�rst durch den Bau des M�llroser Aanals den Handel von Breslau �ber Spree und Havel in die Elbe nach
Hamburg zu leiten, wodurch Verlm zu einem gro�en Umschlagsplatz werden sollte. Vie brandenburgische Post ging
in fortlaufenden Kursen von Memel bis an die holl�ndische Grenze. Ver Vau der Saaleschleusen, die Danckelman,
der Fortsetzer der Wirtschaftspolitik des Gro�en Aurf�rsten, unter seinein Nachfolger durchf�hrte, versorgte die mittleren
Staatsgebiete mit dem hallischen Salz und machte sie in diesem Artikel unabh�ngig von L�neburg und Stettin. Vie
Aufnahme der reformierten Fl�chtlinge aus Frankreich und der Pfalz diente zur Bef�rderung von Handel und Gewerbe;
ebenso die Zulassung von j�dischen Familien in Berlin, die von Wien her angesiedelt wurden � Jahre
nach der Vertreibung der Juden aus der Mark Brandenburg. .
Vas ftaalswirtschafllichc Ideal des Gro�en Aurf�rsten ist aber, wie gesagt, noch nicht zur Durchf�hrung gelangt,
weil es ihm nicht gelungen ist, Stettin und die Oderm�ndungen zu erwerben. Als dies seinem zweiten Nachfolger,
Friedrich Wilhelm I., gelang, Stettin also preu�isch wurde (5 720), da war die Welt schon zu sehr verwandelt, als da�
die Pl�ne des Gro�en Aurf�rsten noch h�tten durchgef�hrt werden k�nnen. An der Ostsee hatte sich eine neue
Gro�macht gebildet: das Ru�land Peters des Gro�en hatte das Erbe Schwedens �bernommen. Und im Westen
hatte die Personalunion zwischen England und den Niederlanden unter dein Vranier Wilhelm III. die alte Rivalit�t
der beiden Seem�chte beseitigt; sie �bten nun seit dem Utrechter, Frieden einen so starken Vruck auf den Seehandel
aus, da� das Aufkommen einer preu�ischen Seemacht als ausgeschlossen erscheinen konnte. Ver n�chterne Sinn
Friedrich Wilhelms I. wollte daher von Flotten- und Aolomalvolilik nichts mehr wissen; was von Schiffen und Aolonien
noch �brig war, wurde an die Holl�nder verkauft, und die Wirtschaftspolitik Preu�ens nahm mit bewu�ter Einseitigkeit
eine entschieden binnenl�ndische Richtung. Vicse Richtung hat auch Friedrich der Gro�e in der Hauptsache innegehalten.
Er hat den Antrag des ber�hmten, in feinem Vaterland mit Undank belohnten franz�sischen Admirals de la Vourdonnaye,
ihm eine Ariegsflotte zu schaffen, abgelehnt. Er meinte, da� sein Preu�en nicht imstande sei, zugleich eine Landmacht
und eine Seemacht zu unterhalten, w�re es ihm gelungen, Vanzig zu erwerben, so h�tte er den Plan vielleicht doch
noch einmal erwogen; da dies aber nicht der Fall war, so ist es dabei geblieben, da� Preu�en zun�chst darauf verzichtete,
eine Seemacht zu werden. Friedrich hat darum die Schiffahrt und den Seehandel nicht vernachl�ssigt. Er hat eine
der versandeten Vderm�ndungen ausbaggern lassen und den Hafen von Swinem�nde angelegt; Stettin, das bis dahin
mit einem Aran und einer wage ausgekommen war, nahm seitdem in Handel und Schiffahrt erheblich zu. In
Emden wurden Aompamen f�r die Heringsfischerei und f�r den asiatischen Handel begr�ndet. Aber alles das geh�rt
nicht eigentlich zu dem Aern der friderizianischen Wirtschaftspolitik. Vas Hauptgewicht legte er ebenso wie sein Vater
auf die Bef�rderung der Manufakturen. Manufakturen und Aommerzien � das waren die beiden gro�en Schlagworte
des Merkantilismus; und man k�nnte die damaligen Staaten danach einteilen, ob sie mehr d�m einen oder dem
anderen Pol sich zuneigten. In Holland galten die Aommerzien mehr als die Manufakturen; ebenso anf�nglich in
England, bis um die Wende des und 59. Jahrhunderts mit der Anwendung der Vampfmaschine Industrie und
Handel in ein vollkommnes Gleichgewicht gebracht wurden. In Frankreich �berwog seit Colbert entschieden das
Manufakturinteresse; und auf diese Bahn ist im Jahrhundert auch Preu�en getreten. Es handelt sich dabei um
die Industrialisierung eines bisher ganz �berwiegend von agrarischen Interessen beherrschten Staatswesens, in welchem
die Gewerbe noch kaum wesentlich �ber das alte Zunfthandwcrk hinausgekommen waren, w�hrend doch andererseits
die Bev�lkerung, und zwar nicht blo� in den oberen Schichten, die fremden Manufakturwaren, die von Holland,
Hamburg, Sachsen, Frankreich und der Schweiz eingef�hrt wurden, sehr stark begehrte und nicht mehr entbehren mochte.
Es fehlte im kande an Aapital und Unternehmungsgeist, auch an geschulten Arbeitern und an Gesch�ftsm�nnern, die
zu organisieren und zu disponieren verstanden. Vie Aaufleute waren nur Aonmnssion�re des Auslandes; sie hatten
kein Interesse daran, da� eine einheimische Industrie ins (eben gerufen wurde, weil sie f�rchteten, da� ein solcher
Umschwung ihnen das Gesch�ft verderben werde. Vie wenigen weitblickenden M�nner, die es etwa gab, wollten
nicht ohne Vorsch�sse und Privilegien das Risiko �bernehmen; und so war es n�tig, da� die Staatsgewalt, d.h. der
A�nig, in einer weise anregend, f�rdernd, unterst�tzend, beaufsichtigend eingriff, wie es uns heute als ganz unerh�rt
        
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