Path:
Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

Full text: Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

192
allgemeinen Vund der Hansa verzichtet, die ja ihrer Eingliederung in den territorialen Staatsverband nat�rlich im
Wege stand; und fast in allen handelspolitischen Fragen standen fie in einem meist ungel�st bleibenden Gegensatz Zur
Ritterschaft. Vie St�dte beanspruchten anf�nglich wie anderswo in Deutschland bas Recht, bas sie umgebende platte
Tand durch ihre Zwangs- und Vannrechte wirtschaftlich 511 beherrschen, namentlich auch Me kandleute zu zwinge��,
ihr �bersch�ssiges Getreide zum verkauf auf den st�dtischen Markt zu bringen, wo es der Preissetzung durch die
st�dtische Vehdrde unterlag. Dieses Recht haben die St�dte in den ostelbischen Gebieten nicht zu behaupten vermocht.
Der lockende Gewinn der Aornausfuhr nach dem Auslande, der namentlich im \�, und Jahrhundert sehr stark
wirkte, hat den grundbesitzendcn Adel, der ohnehin damals die kriegerische Erwcrbsm�glichkeit mehr und mehr verlor,
dazu veranla�t, erst den Aornhandel in die eigene Hand zu nehmen und dann allm�hlich die Gro�gutswirtschaft
auszubilden, die den deutschen Osten charakterisiert; die Landesherren hatten hier als die Besitzer gro�er Dom�nen
dag gleiche Interesse mit der Ritterschaft. Nat�rlich war der Adel immer mehr f�r freie Aussuhr des Getreides und
anderer landwirtschaftlichen Produkte, tute 5. V. der wolle, w�hrend oie St�dte in Zeiten der Feuerung die Beschr�nkung
der Ausfuhr und namentlich die Stopfung der Schiffahrt verlangten und auch die wolle gern im Lande behalten
h�tten, um den preis des Rohstoffs f�r ihre Tuchmacherei herabzudr�cken. Die kurf�rstliche Wirtschaftspolitik hat in
dicfcn wie in anderen Fragen kein festes System verfolgt, sondern je nach den Umst�nden bald dieser, bald jener Seite
nachgegeben, je nachdem es ihr mehr auf die Unterst�tzung des Adels oder der St�dte ankam. Eine bei- wichtigsten
Nahrungen in den St�dten war damals die Vierbrauerei, die noch nicht zu einzelnen gr��eren Seirieben zusammen-
gefa�t, sondern auf einen gro�en Teil der V�rgerschast, als ein Anh�ngsel der Haus- und Ackerwirlschaft, Derbrettet
war. Dieses bl�hende Gewerbe war von dem Markgrafen Johann einer besonderen st�dtischen Steuer unter-
worfen worden; und die St�dte wachten seitdem auf bas eifers�chtigste dar�ber, da� die Vierbrauerei, die auch auf dem
platten Lande als gelegentlicher Nebenbetrieb vorkam, dort nicht den Umfang eines mit ihnen in Aonkurrenz tretenden
Gewerbes annehme. Trotzdem konnte die Zunahme des Vicrbrauens auf Ritterg�tern und Domaneu vorwerken nicht
gehindert werden, und die neue viel h�here Viersteuer, die (5^9 eingef�hrt wurde, traf denn auch das l�ndliche
Vrauercigcwerbe ebenso wie das st�dtische; ungeschlichtet aber blieb vielfach der Streit um den Arugverlag, d. h. darum,
ob die l�ndlichen Gastwirtschaften ihr Vier nur aus der Stadt ober auch aus einer l�ndlichen Brauerei beziehen d�rften.
Auf �eit Landtagen spielten diese und andere wirtschaftliche Fragen eine gro�e Rolle; 511 einer klaren und endg�ltigen
L�sung ist es lange nicht gekommen. Das Ende war schlie�lich eine scharfe wirtschaftliche und verwaltungsrechtliche
Trennung von Stadt und Land. Auch nach au�en hin war der Erfolg dieser territorialwirtschaftlichen Politik sehr
zweifelhaft, wie namentlich der ber�hmte Streit um die Schiffahrt auf der ��er beweist. Ein Teil des Vderstroms
war drandendurgisch ; Frankfurt a. V. war vom \5. bis ins \7. Jahrhundert bei weitem die wichtigste Handelsstadt
der ZT?arF Brandenburg. Frankfurt aber hatte ein Stavelrechl, bas es sowohl dem pommcrschen Stettin wie dein
schlesischen Breslau gegen�ber nachdr�cklich geltend machte: kein Schiffer durfte an der Stadt vorbeifahren; alle waren
mu�ten dort ausgeladen und drei Sonnenscheine hindurch zum verkauf ausgestellt werden; insbesondere den Handel
der Stettiner mit Heringen, Salz und Fettwaren suchten die Frankfurter f�r den oberen tauf der Gder an sich zu
bringen. Demgegen�ber behauptete Stettin als Seestadt das Recht, die Frankfurter wie alle anderen Schiffer von der
Einfahrt in die See abzuhalten und sie zu zwingen, alle von ihnen eingef�hrten waren an Stettiner Aaufleute
abzusetzen. ?s Farn dar�ber feit (562 zu vielf�ltigem Streit, wobei sich die brandenburgischen Landesherren auf die
Seite ihrer Stadt Frankfurt stellten; feit \572 sogar zu einer v�lligen Handelssperre, die beide St�dte stark sch�digte
und den Handelsverkehr auf der ��cr fast ganz unterband, zumal da die Frankfurter wegen ihres Streites mit Breslau
zugleich auch die Schiffahrt oberhalb ihrer Stadt verboten. Dieser Zustand hat in her Hauptsache bis zum Drei�igj�hrigen
Kriege gedauert; \623 ergingen endlich Urteile des Reichskammergerichts, die den Frankfurtern sowohl Stettin wie Breslau
gegen�ber recht gaben; aber die Gegner appellierten, und der Rechtsstreit ist nie zur endg�ltigen Entscheidung gelangt.
Ver allgemeine wirtschaftliche R�ckgang, der sich in Deutschland feit der zweiten H�lfte des
bemerkbar machte, ist auch in Brandenburg unverkennbar. Die gro�e Preissteigerung, die in ganz Europa durch die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.