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Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

Full text: Die Hohenzollern und die wirtschaftliche Entwicklung ihres Staates

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sich je^t leidlich abgerundet. So inapte man denn den Versuch mit einem Grenzzollsystem, und man bestimmte die
Zolls�tze so niedrig, da� der Anreiz zum Schmuggel jetzt ganz fortfiel, Fremde Manufakturwaren zahlten nicht mehr
als io�/n ocs wertes, Kolonialwaren 20%. Das waren nach damaligem Ma�stab so niedrige Zolls�tze, a# das
preu�ische System �on *8\8 fast a?s freih�ndlerisch gelten konnte.
Dieses Zollgesetz von \818 ist nun zur Grundlage des deutschen Zollvereins geworden. Manche Patrioten,
namentlich s�ddeutsche, halten sich die Zollcinigung im Deutschen Vund so gedacht, da� sie aus einem gemeinsamen
Veschlu� aller deutschen Staaten hervorgehen sollte. Die M�glichkeit eines solchen Zollvereins war aber so gut t�te
ausgeschlossen durch den scharfen Gegensatz einer mehr frcih�ndlerischen und einer schutzz�llnerischcn Richtung, die sich
in Nord- und S�ddcutschland feindlich gegen�berstanden. Und so ergriff die Regierung Friedrich Wilhelms III. unter
der Leitung von Motz und Maa�en den plan, einen Staat nach dem andern zum Anschlu� an bas preu�ische System
zu veranlassen, wobei allerdings einige Konjefftonen gemacht werden mu�ten. Auf diese Weise ist es gelungen, bis
655 den Zollverein zustande zu bringen und ihn dann allm�hlich weiter auszubauen, welchen Segen bas f�r das
gesamte deutsche Wirtschaftsleben mit sich gebracht hat, bedarf keines n�heren Nachweises. Dieser Zollverein aber,
das mu� mit Nachdruck hervorgehoben werden, ist ein Werk preu�ischer Staatskunst gewesen. (Es hat in der Folge
nicht art Reibungen gefehlt, die aus dein Gegensatz der freih�ndlerischen norddeutschen und der schutzzo'llnerischen
s�ddeutschen Richtung hervorgingen; und als auch in England und Frankreich seit dein Handelsvertrag von \B60
das freih�ndlerische Prinzip zum Durchbruch gekommen war, da gab es eine schwere Kctf�s im Zollverein, die ihn
fast zu zersprengen drohte. England hatte damals den mit Frankreich vereinbarten niedrigen Tarif gleich alleu Staaten
gegen�ber in Geltung gesetzt; Frankreich aber hielt seine alten hohen Z�lle zun�chst gegen�ber den Aontinentalstaaten
aufrecht und verlangte vertragsm��ige Zugest�ndnisse von denen, welche die Vorteile des niedrigen franz�sische englisch en
Tarifs genie�en wollten. Preu�en sah sich daher, wenn es nicht von dein wichtigen franz�sischen Markte verdr�ngt
werden sollte, gezwungen, einen Handelsvertrag mit Frankreich auf der gleichen freih�ndlerischen Safts zu schlie�en,
wie die war, auf welcher der englisch-franz�sische Vertrag beruhte; dadurch wurden freilich Verhandlungen mit Gesterreich
�ber dessen Veitritt zum Zollverein, die man fr�her zugestanden hatte, unm�glich gemacht; aber diesen Veitritt Gesterreichs
sah Vismarck schon aus politischen Gr�nden nicht als w�nschenswert an. Die schutzz�llnerische Abneigung der S�dstaaten
gegen einen so liberalen Handelsvertrag wurde nun von Gesterreich damals geschickt benutzt, um die Zollvereinsgenossen
gegen Preu�en aufzudringen; nur mit gro�er M�he gelang es, den Zollverein zu erhalten und ihn ganz und gar
in bas freih�ndlerische Fahrwasser hin�berzuf�hren ((865). Es ist bekannt, wie bann der Zollverein in einen
Zollbund mit Vundesrat und Parlament umgewandelt worden ist � der wirtschaftliche Vorl�ufer des Deutschen Reiches.
Die liberalen Ar�fte, durch dercn Mitwirkung die Gr�ndung des Reiches erm�glicht worden ist, haben auch
weiterhin das wirtschaftliche kebcn des deutschen Volkes in Handel und Gewerbe beherrscht. Gerade weil Vismarck
das Gef�hl hatte, da� er diese Ar�fte nicht entbehren k�nne, lie� er ihrer Wirksamkeit freien Lauf, obwohl Handels-
und Gewcrbefreiheit keineswegs in seinen eigenen innersten Gedanken und �eberzcugungen wurzelten. Er berief sich
in diesen Dingen, die ihn: pers�nlich ferner lagen, gern auf die Einsicht der berufenen Fachm�nner; und namentlich
Rudolf Delbr�ck, der schon als Ministerialdirektor im preu�ischen Handelsministerium bei der Durchf�hrung des gro�en
Aamvfes uni den Freihandel in den sechziger fahren das Veste getan hatte, blieb als Ehef des Reichskanzleramtes
der f�hrende Geist in der deutschen Handels und Gewerbepolitik. Es war die Zeit, wo die Freihandelsdoktrin , wie
sie die sogenannte klassische National�konomie der englischen Schule lehrte, weithin die Geister beherrschte und der
Aongre� der Volkswirte diese kehren auch in Deutschland in weiten Areiscn verbreitete und befestigte. Aber bald
machten sich m�chtige Gegenstr�mungen demerkbar. Die Handelspolitik in Ru�land und Nordamerika war niemals
ganz freih�ndlerisch geworden und zeigte die deutliche Neigung, ihren Zollschutz eher zu verst�rken als abzuschw�chen;
auch in Frankreich und Vesterreich machten sich �hnliche Stimmungen geltend. In Deutschland selbst brachte die
gro�e allgemeine Arisis, die dem Kriege folgte und die durch die Neberspekulation der Gr�nderzeit noch verst�rkt
worden war, eine l�ngere Depression hervor, die zu ung�nstige�! Urteilen �ber das bisher befolgte System manchen
        
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