Path:
Der Plan einer Mitregentschaft des Prinzen Heinrich und Friedrichs des Großen "Exposé du gouvernement prussien" 1776

Full text: Der Plan einer Mitregentschaft des Prinzen Heinrich und Friedrichs des Großen "Exposé du gouvernement prussien" 1776

176
Er selbst war kinderlos, 3m Jahre l.?^^ hatte er seinen Vruder August-Wilhelm offiziell zum Thronfolger erkl�rt,
indem er ihm den Titel �Prinz �on Preu�en" beilegte 1, kurz bevor diesen, sein �ltester Sohn, der sp�tere K�nig
Friedrich-Wilhelm II., geboren war. wenn er selbst fr�h dahinschied und August-Wilhelm ihm bald folgte, dann
Faut es in der Tat 511 einer vormundschastlichen Regierung, deren Eventualit�t er eben im Testament ins Auge fa�te.
Zun�chst behandelt er die Gefahren, die er f�r den preu�ischen 3laat dabei voraussah. Nicht den Ausbruch
von inneren Zwistigkeiten und B�rgerkriegen, wie sie Frankreich w�hrend der Minderj�hrigkeitsregierung A�nig
Ludwigs XIV. erlebt hatte, bef�rchtete Friedrich, wohl aber nach seinen eigenen Worten �eine schwache Regierung,
schlechte Verwaltung der Finanzen, schwankende Politik, Lockerung der ZNannszucht und Verfall der Ordnung im Heere,
die die Truppen bisher unbesiegbar gemacht hatte". Die gr��te Gefahr indessen, f�hrt er dann fort, bedeute ein
�u�erer Krieg; denn sicherlich werde das Haus Gesterreich sogleich die Gelegenheit wahrnehmen, um aus dieser �Zeit
der schw�che" Vorteil zu ziehen, �w�re das doch der Augenblick, un: die heranwachsende 2Nacht des preu�ischen
Staates niederzuwerfen".
Nur auf allgemeine Ratschl�ge will sich der A�nig beschr�nken. Aehnlich wie er an anderer stelle im Testament
ge�u�ert hat, �da� sich Prinzessinnen nie und unter keinerlei Vorwand in die Regierung mischen d�rfen ?", so will er
auch hier die A�nigm-Witwe von der vormundschaftlichen Regierung ausgeschlossen sehen. Vie Gr�nde, die er daf�r
angibt, sind rein sachlicher Natur. Er schreibt: �Zn der Regel l��t sich ein Mann bei seinen Handlungen mehr von
der Ueberlegung leiten als eine Frau. Er ist mehr Zur Arbeil geschaffen und infolgedessen zur Aufrcchterhaltung der
bestehenden Ordnung in allen Zweigen der Regierung besser bef�higt als eine A�nigin-Witwe. Ihr sind die Gesch�fte
neu, sie neigt dazu, sich von den Alinistern beherrschen zu lassen, und ist unf�hig, das Heerwesen gut zu verwalten."
wein also soll diese Aufgabe zufallen? Die Antwort lautet: dem n�chsten m�nnlichen Verwandten. Wohl bezeichnet
Friedrich gleichfalls im Testament die Prinzen von Gebl�t als �eine Art Zwitterwesen, die weder Herrscher noch
Privatleute sind, und die sich bisweilen sehr schwer regieren lassen". Wenn �berhaupt, so k�nnten von ihnen Intrigen,
Kabalen oder R�nke ausgehend Es war wiederum das Veispiel der franz�sischen Geschichte, das dem A�nig vor-
schwebte, aber diese Gefahr wollte er f�r Preu�en nicht gelten lassen: �InPreu�en haben sie weniger Macht als
irgendwo sonst", f�gte er daher sogleich hinzu. Und so weist er denn auch im Aapitel �ber Vormundschaften den
Einwurf sofort zur�ck, da� es f�r den jungen A�nig sehr gef�hrlich w�re, in der Abh�ngigkeit eines ehrgeizigen
Gnkcls oder Vetters zu stehen; denn die Zeiten, da man mit Gift arbeite, seien l�ngst vor�ber; Heer und kand h�tten
dem jungen Herrscher den Treuschwur geleistet; der Vormund m�sse sich also innerhalb der ihm vorgeschriebenen Grenzen
halten. Dagegen verbietet Friedrich, einen Ministerrat dem Vormund an die Seite zu setzen: nur ein einzelner verm�ge
den Staat mit sicherer Hand zu lenken, �wie man einen: geschickten General", schrieb er, �Vollmacht erteilt, die f�r
das Staatswohl n�tzlichsten Operationen auszuf�hren, ebenso mu� auch der Vormund w�hrend der Regentschast eine
unbeschr�nkte Herrschaft f�hren und nicht an die Zustimmung eines Ministerrates gebunden sein. Der w�rde ihm nur
zu unrechter Zeit Hindernisse in den weg legen oder Anla� zur Vildung von Parteien geben."
Nach diesen Grunds�tzen hat er denn auch Zehandelt, indem er f�r den Fall des Todes des Prinzen von Preu�en
seinen zweiten Bruder, den Prinzen Heinrich, zum unumschr�nkten Vormund des minorennen Neffen Friedrich-Wilhelm
bestimmte. Vas geschah am Vorabend des Siebenj�hrigen Krieges durch die Tutelardisposition von: 1.5. August \7S?\
Aber auch f�r die weiteren Eventualit�ten traf er darin Vorsorge: starb gleichfalls Prinz Heinrich, dann sollte der
j�ngste Vruder, Prinz Ferdinand, an dessen Stelle treten. wenn der K�nig endlich f�r den Fall, da� auch dieser vorzeitig
dahinging, den Markgrafen Friedrich-Wilhelm von Schwebt zum Vormund ausersah, so geschah das dagegen nur mit
einer Klaufei; denn diesen: sollte ein Ministerrat, ein �conseil de r�gence", den er im Testament vou 1,752 ausdr�cklich
verwarf, beigegeben werden, und ferner sollte der Markgraf sich mit milit�rischen Angelegenheiten nicht befassen d�rfen.
1 Vurch Perf�gung vom 30. 3nni \iw. Schon am 2%, Februar \7^4 schrieb Friedrich an August.Wilhelm : �Je n'ai point
d'enfants, je puis mourir, et je vous regarde comme mon h�ritier" (vgl. ?uvres, 3t>. 26, 5. 66).
�
B vgl. Kttttfjel, 25d. II, S, 35. �
3 Vgl.R�ntzel, Nd. II,S. 35. � * vgl.3, B. (?. Preu�, Friedrich der Gro�e, �?b. I, 5. 54? (Verlili(852).
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.