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Der Plan einer Mitregentschaft des Prinzen Heinrich und Friedrichs des Großen "Exposé du gouvernement prussien" 1776

Full text: Der Plan einer Mitregentschaft des Prinzen Heinrich und Friedrichs des Großen "Exposé du gouvernement prussien" 1776

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wir wenden uns nunmehr zu der Denkschrift K�nig Friedrichs, dem �Expos� du gouvernement prussien,
des principes sur lesquels il roule, avec quelques r�flexions politiques". 1
Ueber die Zeit ihrer Entstehung waren bisher die Ansichten geteilt v, obwohl das Dokument selber feste
Anhaltspunkte daf�r gibt.
Der erste findet sich in den: Abschnitt �ber die Rechtspflege (De la justice), wo von einer �soeben vollzogenen"
proje�reform (comme on a fait ? pr�sent) die Rede ist. 5chon seit dem Herbste (77^ war sie auf Betreiben des
schleichen Iustizmmisters von Canner tm Gange; Ende Dezember ;??5 berief der K�nig ihn und den Gro�kanzler
von F�rst nach Potsdam, um, wie er diesem schrieb, �mit Such beiden den Entwurf zur neuen Proze�ordnung
durchzugehen". Sie erste Konferenz erfolgte am H.Januar 1776. Friedrich selbst berichtet dar�ber an den Prinzen
Heinrich, und am 1,5. Januar vollzog er die �Neue Verordnung, um die Prozesse zu verk�rzen". Ein zweites Edikt
folgte am \\. September des Jahres 2.
Jeder Zweifel daran, welche der beiden Verordnungen im �Txpose" gemeint sei, schwindet angesichts der
Angaben, die der A�nig ebendort �ber seine finanzielle Ariegsr�stung macht. Gehen wir diesen nach.
Da die j�hrlichen Rein�bersch�sse aus den Einnahmen des Staates, so f�hrt Friedrich aus, nicht hinreichten,
um die au�erordentlichen Kosten eines Krieges zu decken, habe er daf�r besondere Ma�nahmen getroffen. Sie bestehen
in der Anlegung emes Staatsschatzes, der zwanzig Millionen Taler umfassen soll, und einer Reihe von Nebenkosten
zur Vestreitung der Mobilmachungs kosten und weiterer Kriegsbed�rfnisse. Vor allen' kommt f�r uns der �Cresordepot
bei der Generalkriegskasse" in Betracht: in ihm plante der A�nig den Sold f�r das ganze Heer auf ein Jahr im
voraus niederzulegen. Auf elf Millionen war die Summe berechnet. �VierMillionen", so hei�t es nun im �Expose",
�sind schon vorhanden; die weiteren werden es in drei Jahren sein."
Schon an anderer Stelle habe ich nachweisen k�nnen, da� Friedrich in allen seinen Regierungsma�nahmen
ganz systematisch zu Werks ging Das trifft nicht nur f�r die Zeit vor dem Siebenj�hrigen Kriege zu, sondern
ebenso auch f�r die nach dem Kriege. Zur Speisung des Tresors war aus den Rein�bersch�ssen des Staates j�hrlich
eine feste Summe ausgeworfen: 700 000 Taler aus den schlesischen Einnahmen und 600 000 aus denen der �brigen
Provinzen, die noch ini Fr�hjahr gleichfalls auf 700 000 erh�ht wurden. Vei dieser Summe hatte es auch nach
763 zun�chst sein Bewenden; erst infolge der Erwerbung von wcstpreu�en traten dann noch weitere H00000 Taler
hinzu, so da� der ganze Vetrag sich seitdem (Etatsjahr I,??5/?H) j�hrlich auf 5 800000 belief.
Sofort nach dem Hubertusburger Frieden wurde mit der Auff�llung des durch den Krieg vollst�ndig ersch�pften
Staatsschatzes begonnen und dieser bis 5? 73 auf rund l^'^ Millionen Taler gebracht, bei denen es dann verblieb.
Damit war ann�hernd die urspr�nglich ins Auge gefa�te Summe der zwanzig Millionen erreicht, und sie w�re schon
fr�her beisammen gewesen, h�tte Friedrich nicht Teile der j�hrlich f�lligen Tresorquanten noch f�r andere Kassen
1 Abgedruckt: ?uvres, Vd. 9, 5.^8�ss.; Kitnijcl,Ad. 2, 3.9, w�hrend Roscr (5. Aufl., Vd. 2, S, 550;
5. und 5. Aufl., Vd. 3, S. *Ui und Forschungen, Vd. 56, S. 462 f. n. <5?3ff.) sie dem Jahre >??? zuweist. � " vgk. Koser, 3. Aufl.,
Vd. 2, S. 54^; 4. und 5. Anfi., Vd. 3, 5.<*(2f.; Reimann, steuere Geschichte des Preu�ischen Staates, Vd.U, 5. 60<)ff. (Gotha 1868).
Die Erlasse an F�rst und Canner vom 21. �ezewdcr N?5: G. St. 21. Am 5. Januar *?76 schreibt Friedrich an Heinrich: �J'ai eu chez
moi 3a haute justice, et je me flatte d'avoir si bien r�ussi, par les moyens qu'on va employer incessamment, qu'aucun proc?s ne pourra tra�ner
en longueur, et c'est, je cro�s, un bon service que j'ai rendu au public." Und am 9. Januar: ,,Daii5 peu de jours la simplification
des plaidoiries sera mise en r?gle, et je vous avoue, mon cher fr?re, que je m'applaudis d'avoir rendu ce service au public. Nous n'avons
point touch� aux lois, nous nous sommes born�s ? simplifier les formes, et je me flatte qu'au moyen de cette correction les proc?s
s'abr�geront pendant une quinzaine d'ann�es et jusqu'au temps que les plaideurs inventent de nouveaux subterfuges pour �luder les lois."
(<5.5U 71.) � * Vgl. meine Au5f�hrungen �ber Staatsschatz und schlesische Festungsbauten f�r die Jahre ,?H6� 56 in der Einleitung zu de�
�Preu�ischen und Oesterreichischcn Akten zur Vorgeschichte des Sieben ja"beigen Krieges", S. XVIUff. (Publikationen aus den K�niglich
preu�ischen Staatsarchiven, Vd. 7^; teigig (899). F�r das Folgende vgl.Roser, Die preu�ischen Finanzen von (763 bis 1786 (Forschungen
zur Vranoenburgilchen und Preu�ischen Geschichte. Vd. \6 f 3. 445 ff.), und Gr�nhagen. Der Schlesische 5chay (Zeitschrift des Vereins fiir
Geschichte und 3IItatum Schlesiens, Vd. 27, 5. 206 f.).
fjolj�n]o[l�n'3afetb�d! 1916. 2*
        
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