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Aus dem letzten Jahrzehnt Friedrich Wilhelms III.

Full text: Aus dem letzten Jahrzehnt Friedrich Wilhelms III.

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Uebermorgen, als am Gr�nen Donnerstage, gehe ich in die Oalais-Aapellc zur Communion, auch Elise 1
will dabei Theil nehmen* Ich fil.'he zu Gott, da� er mir seinen Segen dabei nicht versagen m�ge, beim nur der
Glaube an ihn kann uns in dieser verworrenen Zeit aufrecht erhalten. .. .
Ganz unerwartet erhielt ich vor ein paar Tagen die �ber allen Vegriff pr�chtigen Geschenke des Kaisers.
So etwas sah ich noch nie, pflegt kuise zu sagen, und das mu� auch ich diesmal ausrufen. Die ungeheuere
Porzellan -Vase, die magnifiquen Kristall Schaalen und die ungemein sauder ausgemalten Teller mit preu�ischen
2��i(ttatrs: alles ist unbegreiflich sch�n und herrlich. Si je ne craignais d'abuser, w�rde ich selbst dem treuem HiiKojiatt
meinen submissen Dank schriftlich ausgebr�ht haben, ich ziehe aber vor, Dich mit diesem angenehmen Gesch�fte zu deauftragen.
Ich mu� aber schlie�en denn die Zeit zum Diner <3uppe, Gr�nkohl und das polnische Frikassee aus Ruhberg
5 la Ka^inil. nebst Compot, weiter nichts mehr) nahet. Gott segne Dich und die Veinigcn.... w
U- Unwohlsein des K�nigs. Vie Kampfe in polen uni� m Italien, Belgien. G�rung in Deutschland.
Berlin, den g./2^. April
Seit Tage schon nahm ich mir von einem Tage zum andern vor, Vir, mein geliebtes Aind, zu schreiben,
beider aber bin ich seit fast 3 Wochen immerw�hrend unwohl, manche Tage selbst recht unwohl. Es ist ein komplizirter
Schnupfen-Zustand: Catheralisch, h�morhoidalsch, wiewiebel^ nieint, der aber die Nerven sehr angreift und ermaltet.
Selbst das sch�ne Wetter, das wir vor bis Tagen hatten, bis 2N Grad W�rme, wollte nicht helfen. Ich
glaube es haupts�chlich der sehr abwechselnden Witterung Schuld geben zu m�ssen, wozu noch die Zeit-Conjoncturen
hinzu kommen. Die �uccesse der Polen �ber Geisnar und Rosen haben mich sehr geschmerzt". Vie Insurrektion in
Schamaiten ist auch von keiner angenehmen Natur, zumal es zu Anfang an Ar�ften fehlte, uni sie schnell zu ersticken.
Hoffentlich erstreckt sie sich nicht weit und wird daher wohl bald zu unterdr�cken seyn, sobald Truppen da find. Von
Diebitsch erwarten wir auch von einem Augenblicke zum andern die Nachricht, da� er mit mehr konzentrirten Kr�ften
Revanche genommen haben wird.
InItalien haben dagegen die Vestreicher leichteres Spiel gehabt, das in den g�nstigen Umst�nden lag, unter
denen sie operiren konnten. Da die Sache so schnell abgemacht worden, so ist wohl zu hoffen, da� Frankreich sich
nicht mit den Waffen in der Hand, wie es erst das Ansehen hatte, einmischen wird. Die Velgier zur Raison zu dringen,
wird, da sie rein toll sind, schwer gelingen. Im lieben Deutschland sieht es auch nicht zum besten aus: in Sachsen,
Hessen und Hannover findet sich viel G�hrungsstoff. Allein, wo f�nde der sich jetzt nicht! Die tage kuropens ist
bedenklicher als je, da seit 5 Jahren dag Nebel im Stillen wucherte, ohne da� es den meisten Staatsm�nnern einleuchten
wollte, was mich betrifft, so erf�llte es mich mit steter Vesorgni�, da ich an seinem Daseyn nie zweifelte.
Neues, was nicht die Zeitungen enthalten, wei� ich nicht zu berichten, ich schlie�e daher und um so mehr,
da mich das Schreiben etwas angreift, tebe wohl, mein geliebtes Rind! Gott segne Dich und die Deinigen, und die
allgemeine gute Sache. ....
-f. w.
Tod des Feldmarschalls Diebitsch und des Gesandten Alopeus. pers�nliches.
Paretz, den I./^5.Iuny
Gestern erhielten wir hier die betr�bende Nachricht von dem Tode des Feldmarschalls Diebitsch-Sabalkanski
und das noch dazu an der Cholera und in Zeit von !^0 bis Stunden. <3s ist doch recht traurig, wenn ein solcher
1 Die Gemahlin des Kronprinzen.
�
2 3. W. v. wiebel, der teibarzt des K�nigs. Allg.D. Biogr. 42, 372. � " Pgl. Schiemann,
Geschichte Ru�lands 3, �y?.
� " Am lu.Juni.
        
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