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Aus dem letzten Jahrzehnt Friedrich Wilhelms III.

Full text: Aus dem letzten Jahrzehnt Friedrich Wilhelms III.

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Vefuch an der Grabst�tle der K�nigin Luise. Vie K�mpfe in Polen.
Berlin, den 5.A9. [fo!] M�rz 1.83^.
Am 10"" waren die Vr�der und ich in Person, und die abwesenden Schwestern gewi� in Gedanken,
am bewu�ten Grt. Das Wetter war sch�n und trocken, so da� ich die Vr�der bis zur Ch�re der lheuern Statte
begleiten konnte. Hinunter zu gehen, durfte ich aber nicht wagen, wegen meines Eatharr's, der mich noch immer plagt.
Da� solche Tage sich vorzugsweise dazu eignen, uns auf dag verg�ngliche alles Irdischen aufmerksam zu machen und
uns zu erinnern, an das zu denken, was droben ist, davon bist auch Du, mein geliebtes Rind, durchdrungen; unsere
Gedanken und Gef�hle m�ssen also dieselben gewesen seyn.
Bis jetzt leider hat der vor praga so blutig errungene Sieg 1 noch nicht die gehofften Resultate herbeigef�hrt,
indem der Kampf gegen die Elemente und 'die Jahreszeit fast noch schwieriger wird als der mit den verwegenen
Rebellen. Etwas bestimmtes ist uns seitdem nicht zugekommen, so da� wir in einer immerw�hrenden Spannung
leben, und doch k�mmt so viel darauf an, wie und wie bald diese hartn�ckige Rebellion beendigt werden wird.
Bei uns geht Ms jetzt. Gottlob, noch alles feinen ruhigen ordentlichen Gang; ob dies aber dauernd seyn wird, steht
bei Gott! ... <; mF.W.
!2. Erinnerung an den Geburtstag der K�nigin tuise. Her Feldzug in Polen. Der Maler Kr�ger, pers�nliches. Russische Geschenke.
Potsdam, den 57./2Y. M�rz
Ich bin auf ein paar Stunden nach Potsdam gekommen und benutze diese Augenblicke der INu�e, die ich
in Verlin noch seltener finde, um Dir diese Zeilen zu schreiben.
Deinen Vrief vom mein geliebtes Aind, erhielt ich vor ungef�hr 8 Cagen, ich h�tte Du gern
fr�her darauf geantwortet, konnte es aber aus vorangef�hrten Gr�nden nicht eher als jetzt. In meinem letzten Vriefe
nahm ich als gewi� an, da� Du am in Gedanken, mit uns vereint seyn w�rdest. Da� ich mich nichk t�uschte,
beweist mir Dein Schreiben von jenem Cage, in welchem sich Dein herrliches, treu-kindliches Gem�th von Neuem
so innig aussprach. Meine Gef�hle dabei begreifst Du.
Heute erhielt ich Nachrichten aus dem Hauptquartier des FeldMarschalls Diebitsch durch den Major Vrandt,
der von dem Feldmarschall Gneisenau ihm zugesendet wurdet um sich mit ihm von Posen aus in Communication
zu setzen. Der Stillstand in den Hauptoperationen dauerte noch, wegen der schlechten Jahreszeit und den daraus
entstandenen grundlosen wegen. In diesem Augenblicke mu� das Garde- und II.Infanterie-Corps ziemlich mit der
Hauptarmee in Verbindung seyn. Alle �brigen Nachrichten lauteten befriedigend. Sinnen Aurzeni werden nun wohl
die ferneren Operationen wieder ihren Anfang nehmen, da die Witterung trockner geworden, die Halsstarrigkeit der
Insurgenten aber sich noch nicht beugen zu wollen scheint, wie traurig, da� so viel tapferes Russen -Vlut vergossen
werden mu�l
Kr�gern ", der gerade mit meinem Portr�t f�r die Gallerte der Gener�le besch�ftigt war, theilte ich die Stelle
aus Deinem Briefe mit, die sich auf sein Gem�lde bezog. Er war ausser sich vor Gl�ckseligkeit, nur mit dem Urtheil
�ber Prittwitzens Schimmel wollte er nicht einverstanden seyn, der ein Englisches K2� Pferd von priins. zorts vorstellen
soll und der sich Deines Veifalls gerade am wenigsten zu erfreuen hat. Er ambitionirt gar sehr eine Reise nach
Petersburg zu unternehmen, vermuthlich dann wenn �nein l'artrait squ^rre vollendet seyn wird. Die �hnlichkeit
wird frappant gefunden. ...
1Schlacht vom 25. Februar (83�, f. Schiemami 3, 98 ff. � 2 vgl. Aus beut Leben des Generals der Infanterie H. v. Vrandt
2, 70 ff, � 8 Der ber�hmte Maler Franz Kr�ger, der \8W auch nach Petersburg kam.
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