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Der Fürst von Ligne und die Hohenzollern

Full text: Der Fürst von Ligne und die Hohenzollern / Tschirch, Otto

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sechzigsten aber ein gl�cklicher, ruhmgekr�nter Feldherr!" � �Der versteht'^.," sagte Friedrich heiter, �in der Jugend
�??yvtcn und Rosen, und wenn diese einmal zu welken beginnen, umkr�nzt er das Haupt mit unsterblichen Lorbeeren/'
�Aber weiter, 5iguc!" rief dcr Aaiser, �denn unm�glich werden Sie Ihr Leben mit sechzig Jahren abschlie�en wollen?"
Nach kurzem Besinnen erwiderte dcr F�rst: �Don meinem sechzigsten bis zum achtzigsten m�chte ich Aardinal sein." �
�wahrlich, wahrlich! der Eigne ist ein weiser 2TZann", rief der K�nig, nahm scheinheilig die H�nde faltend eine
fromme Ali?ne au und begann in salbunggreichem Cone einige gottselige Verse herzusagen.
Gin anderes, vier stunden w�hrendes Gespr�ch zwischen kigne und Friedrich ber�hrte die genieinsamen
Ariegserinnerungen, die dem Nleister der Fcldhcrrnkunst Gelegenheit gaben, mit hoher Achtung von dem �sterreichischen
Heere und seinen F�hrern, insbesondere Craun, koudon und Tacy, zu sprechen.
Als noch im selben Jahre die dem F�rsten von 3igne geh�rende, zwischen Hennegau und dein G�tlicher kande
gelegene reichsumniltelbare Herrschaft Fagnolleg vom Aaiscr zu einer Reichsgrafschaft erhoben wurde, sicherte der A�nig
dem F�rsten seine guten Vicnste zu, dieser Grafschaft die Areisstandschaft
im niedcrrheinisch- westf�lischen Aiei.se zu verschaffen, was freilich erst nach
sechzehn Jahren zur Ausf�hrung gedieht.
Auch die neue Entfremdung zwischen dem preu�ischen und dem
�sterreichischen Hofe, ja der Waffengang zwischen beiden im Vaynschen
Erbfolgekriege, an dem der F�rst von Tigne, inzwischen vom General-
major zum Feldmarschalleutnant erhoben, wiederum im kaiserlichen Heere
teilnahm, st�rten die Beziehungen de Eignes zum Ao'nige,. die durch brieflichen
Verkehr gepflegt worden waren, nicht f�r l�ngere Zeit.
Zwar hatte Friedrich kurz nach dem Ariege den �sterreichischen
Offizieren den Eintritt in seine Staaten ohne eine von seiner eignen Hand
gefertigte Erlaubnis untersagt. Aber im Sommer entschlo� sich der
F�rst, im Vertrauen auf die alte Zuneigung seines k�niglichen G�nners,
nach Potsdam zu reisen, und bat den A�nig um die Erlaubnis hierzu,
die alsbald in freundlicher Form erteilt wurde-. Als de Tigne mit seinem
�ltesten 5ohne in Potsdam eintraf, wurde er mit ausgezeichneter Liebens-
w�rdigkeit empfangen und war t�glicher Gast an der k�niglichen Cafel.
Hier gab sich der Herrscher zwanglos als der bezauberndste Schw�tzer auf
allen Gebieten der Wissenschaften und der sch�nen A�nste. De Tigne zeigte
sich als sein ebenb�rtiger Partner, meinte aber doch, es bed�rfe der vollsten
Geistesgegenwart und im Umgange mit dem Philosophen
Neustadt d, .>. Sept. t?7O. Kupferstich v. ?. CLjoti�ttnecfi
von Sanssouci; man m�sse immer unter den Waffen stehen, um ihn� geh�rig erwidern und die rechte Mitte zwischen
einem kleinen Angriffe und einer gro� angelegten Verteidigung beobachten zu k�nnen.
Die beiden genialen Plauderer machten weite Htreifznge durch ihre AncgZerlebnisse, wobei Friedrich neben
strenger Arilik dcr �sterreichischen Kriegf�hrung auch warme Bewunderung und anderer kaiserlicher Feldherren
�u�erte. Daneben gab es reizende Wortgefechte, die in geistreichen Wortspielen gipfelten.
Als einmal das Gespr�ch auf virgil kam, sagte de kigne: �welch gro�er Dichter, aber welch schlechter
G�rtner!" Friedrich, der mit dem Wallonen die Leidenschaft zum Reimen und zur Gartenkunst teilte, erwiderte eifrig:
1 schreiben Friedrichs an den Gesandten u. Rohd in !vie� Dom 25. November \77O und art den Stacitsmiiiiftcr Graf u.Fnickcn�
stein vom 29, Februar U^2. pol. Korrespondenz Friedrichs des Gro�en, Vd. 30, 285. ZI, 779.
�
2 De ligne schrieb zuerst aus Wien
an den K�nig, trat alsdann seine Reise an, ohne einen Bescheid von Friedrich erhalten 311 haben. 3n Dresden machte er halt und
wiederholte seine Bitte in einem am 3uli \78O an den K�nig gerichteten Briefe, den der preu�ische Gesandte Baron v.Rewitzky ait den
Ministor v. Herhberg bef�rderte. Friedrich erneuerte seine (Erlaubnis, die er bereits vorher nach Wien gesandt hatte. Kgl. Geh. Staatsarchiv
zu Berlin. Kep. 96. 202B, � Rep. XI154b. Ligne. Fase. 5.
        
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