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Der Fürst von Ligne und die Hohenzollern

Full text: Der Fürst von Ligne und die Hohenzollern / Tschirch, Otto

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Landhause am Abh�nge des Kahlenbergs �ber der herrlichen Donaustadt Deriebt, versch�nt der rauschende Festakkord
des wiener Kongresses, den er mit feinen witzwortcn und Spotwerscn begleitet und dein er nach seinem eignen Ausdruck
das Schlu�wort gibt durch sein Cotenbeg�ugnis, die Gestaltung eines Feldmarschalls, wie ja denn �eine sch�ne (eich"
Me h�chste Wonne der neugierigen Wiener war und ist.
Auch �as Verh�ltnis 511 den Hohenzollern bietet in dein �berreichen Leben dieses vielge wanderten Weltmannes
manche fesselnde Episode.
Nach Geburt und �berlieferung scheint freilich der wallonische Edelmann als Untertan und treuer Vasall
des Habsburgischen Hauses, das damals die s�dlichen Niederlande besa�, zum Feind und Vck�mpser der preu�ischen
Herrscher vorbestimmt. Schon sein Vater verficht streitbar diesen Standpunkt. Als in, Jahre der junge K�nig
Friedrich II.den F�rsten Claudius von Ligne, den Vater unseres Helden, damals �sterreichischen Fcldzeugmeistcr und
Inhaber eines wallonischen Fu�regimcnts, aufforderte, den Dienst der K�nigin von Ungarn zu verlassen, widrigenfalls
er ihm drohte, seine Herrschaft Wachtendom, die im preu�ischen Herzogtum Geldern lag, einzuziehen, lehnte der F�rst
die Aufforderung des K�nigs stolz ab: seine Ahnen h�tten stets dem Hause Gesterreich gedient, und seine Ehre verlangte
deshalb, da� er ihnen Treue bewahre. Er wolle lieber seine in sircu�en liegenden G�ter opfern, als seine starte! wechseln.
Vcr A�nig hat dann auf die Einziehung des erw�hnten Gutes verzichtet, zumal da er von seinen Beamten darauf
aufmerksam gemacht wurde, da� in Brabant eine dein K�nige geh�rige, wertvollere Herrschaft Turnhout lag, an der
man sich h�tte schadlos halten k�nnen'. Auch der junge F�rst Karl-Joseph, den schon fr�h hei�e Ruhmbegierde auf
das Schlachtfeld trieb, sollte seine ersten kriegerischen Lorbeeren im Kampfe gegen das Hohcnzollernhaus pfl�cken.
Gleich nach dein Aufbruch des Siebenj�hrigen Krieges erschien er als Hauptmann im wallonischen Fu�regiment seines
Vaters auf dem b�hmischen Kriegsschauplatz und st�rzte sich mit Begeisterung in die Abenteuer und Gefahren des
Lagerlebcus. Bei Kolin durfte er den Sieg durch Anteil an der Verfolgung vollenden helfen. Seinen ersten Ruhmestag
aber erlebte er in dem Treffen bei Aloys, das dein General Winterfeld das Leben kostete; er erst�rmte mit seinem
Bataillon den Holzberg bei G�rlitz und erbeutete zwei Fahnen. Bei Leulhen hielt er bis zuletzt mit den Seinigen
standhaft aus, und die �sterreichische Ruhmesnacht des Ueberfalls von Hochkirch findet ihn in den vordersten Reihen.
Beim gl�cklichen Finkenfang zu 2Naxen tat er sich mit seinen tapferen Wallonen so r�hmlich hervor, da� die Kaiserin
den jungen Helden dazu bestimmte, die frohe Siegesbotschaft nach f)aris zu bringen, wo der geistreiche, gl�nzende
Kavalier eine viel bemerkte Rolle spielte. Bald eilte er in das Kriegsaet�mmel Zur�ck und nahm an dem
Streifzuge nach Berlin wie an der blutigen Corgauer Schlacht ehrenvollen Anteil.
Er war wegen seines unerschrockenen Vraufgehens der Liebling der gro�en �sterreichischen Feldherren London
und Lacy, die er hoch verehrte und deren Ruhm er verk�ndete. Aber auch die Gr��e des f)reu�cnk�nigs lernte er
als Gegner bewundern, und es kam die Zeit, wo er mit ihm Erinnerungen und Gedanken tauschen konnte. Eine
pers�nliche Ber�hrung dieser beiden so verwandten Pers�nlichkeiten mu�te f�r den einen und den andern �beraus
anregend wirken. Beide von spr�hendem geistigen Leben, beide ges�ttigt von der Bildung des Aufkl�rungszeitalters,
gelehrige und reichbegabte Sch�ler der feinsten franz�sischen Kultur und leidenschaftliche Musikfreunde, beide Meister
vornehmen weltm�nnischen Umgangstones, angriffslustig und anz�glich, aber immer anmutig und gef�llig in, Wort-
gefecht, erf�llt von gemeinsamen, gro�en Kriegserinnerungen, die sie im entgegengesetzten Feldlager gesammelt hatten:
so traten die beiden M�nner einander gegen�ber. Zuerst erschien Ligne im Gefolge des jungen Kaisers Joseph
vor Friedrich, als dieser dem Kaiser auf dessen Besuch in Nei�e seinen Gegenbesuch zu Neustadt in M�hren machte.
Bald genug gewann der F�rst, der nach anf�nglicher gemessener Zur�ckhaltung rasch auftaute, durch seine unersch�pflichen
feinen, geistreichen Wendungen die besondere Gunst des scharf urteilenden K�nigs. So bei jenem Abendessen, wo man
die Frage aufwarf, was man zu sein w�nschen k�nnte, und Ligne die bekannte Antwort gab: �wenn ich die Wahl
h�tte, m�chte ich bis zu meinem drei�igsten Jahre eine sch�ne, bezaubernde Frau sein, von meinem drei�igsten bis
1 Kgf. Geh. Staatsarchiv 311 Sfiliit. Rep, XI 154 I-igne, Fase. 4. 1742.
        
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