Path:
Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

112
fort und bekommt kein Geld, bas vom Pupillen-Kollegium, bas das seinige verwaltet. Daher glaubte ich, ihr sagen
zu d�rfen, da� Du es ihr gewi� gern vorschie�en w�rdest, was er zur (�quipage braucht, nur vorschie�en, denn sie
h�lt os f�r einen Schimpf, es geschenkt zu bekommen. So �u�ert sie es sich bei jedem, der mich um etwas bat. Dabei
hat fie heut einen Vruder verloren, und da meinte ich, das tun zu d�rfen. Aber sie hat noch nicht gesagt, wie viel
sie bedarf. Noch eins. Ich versprach ihr, Dir den August zu empfehlen, der nicht gern bei den J�gern gehen m�chte,
sondern bei [fter] Aavallcrie. vielleicht kannst Du ihn gut wo anbringe,!. K�rz, wo er die Anstellung w�nscht, mag
er Dir dann selbst sagen, wenn er zu Dir kommt. Denn ihn sprach ich nicht. Es war blos mit der !Nutter. Also
wei� ich nicht, ob er ein Regiment besonders w�nschen w�rde. Vie Hauptsache aber ist, nicht zu den J�gern zu kommen.
Der capitaine < hat so viel getan dieser Tage, wie nur m�glich f�r seine Art; denn vorgestern hatte
er alle Generale bei sich zu Cisch. Der Arme! Er jammert mich ....
WA. verschlief die Aanonen, auch gestern die beim Tedeum auf dem Lustgarten .... Es ist 9 Uhr.
lebewohl, mein lieber, teurer WillhelmI Ich denk doch gewi�, das Geschick f�hrt uns noch zusammen, ehe
Du weiter gehst. Gedenke viel Deiner
Mariane.
25.
f>rinz Wilhelm an Prinzessin Marianne.
Breslau, den 8. l?l?v^ \8\5 2.-
liebste Ich wei� nicht, wo ich anfangen soll, Dir zu danken und zu antworten so recht von
Herzensgrund, wie ich m�chte, so bin ich durch das schnelle aufeinander Ankommen Deiner Nr. y,
und 15^ �berrascht worden. Nr. jO^ hat sich allein noch nicht eingefunden. Die Freude, Dich sicher zu wi�en, das
kcid �ber meine Anstellung, die innere Anstrengung, alles sdas^ und besonders noch dazu der Gedanke an den
50.Januar" versetzen mich in eine so seltsame und widersprechende Stimmung, da� ich erst nach und nach mich sammeln
kann und, wie ich mich gesammelt habe, Dir so manches auseinander setzen werde. Urteile also, ob ich nur einen
Vegriff von Deiner kage machen kann.
Also zuerst von Dir, Du, guter Engel. Es ist mir eine zentnerschwere k�st vom Herzen gefallen, seit ich
wei�, da� Verlin von den Franzosen) ger�umt ist. Nun wird ja vor der Hand nichts Mehr f�r Euch Geliebten zu
bef�rchten sein. Ich bin recht traurig. Euch verla�en zu haben. Nie werde ich es nur verzeihen k�nnen, wer
konnte aber auch nur ahnden, da� man mich wieder dahin zur�ckschicken w�rde ....
Unangenehme Posten zu bekleiden, dazu bin ich gut genug. 2Nan will meine Jugend" nicht benutzen, und
ich soll sie auch nicht benutzen. Das ist klar. Ifts Neid, ists Geringsch�tzung, ists an tiebe? Ich wei�
es nicht .... Wenn ich alt geworden bin ohne Feuer' und nat�rlich auch ohne Erfahrung bin, weil ich in der
Jugend nichts erlebt, dann werden sie auf einmal mir Armeen zu kommandieren geben. Vilde Dir nicht ei,:, da�
ich jetzt mich zu einein Armce-Aommando w�rde gedr�ngt haben; denn viel zu sehr f�hle ich, was nur dazu noch
mangelt. Aber ins Feld h�tte ich gemocht, unter wem es sauch) gewesen w�re, den Arieg zu lernen, warum habe
ich meine Jugend mit Exerzieren, meine reiferen Jahre mit Nriegstudicren besch�ftigt, wenn ich nie Gebrauch davon
machen soll, wenn ich das Gelernte nie unter einein f�higen Haupt erproben darf?
Und nun noch dem Freunde ein Gleiches bereiten zu m�ssen! Das ist sehr hart. Ich bin recht neugierig
auf Antons Antwort. Ingenheim meinte, er w�rde nun wohl zu Haus? bleiben. Ich meine es aber nicht. Branden-
burg wollte mit mir gehen, als auch hier die Nachricht verbreitet war, ich w�rde mit Scharnhorst das Corps 6'^rm^e
hier f�hren. Nun braucht es der Erinnerung nicht mehr. Es versteht sich von selbst, da� er eine andere Bestimmung
1 Prinz Heinrich. � 2 ptI6 schreibe'! gelailgie erst sp�ter in Marianne? H�nde (f. Nr. 28).
�
n Pom 2!, Februar, z, ll�d
3. M�rz. � * Vom 2. M�rz.
� �'* Todestag des Prinzen Tassilo.
� � Wilhelm war damals 30 Jahre alt. � 'D. h. ohne im Feuergewesen 311 sein.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.