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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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vorhergehenden Tage. Auch h�re ich, da� wir �bermorgen wohl erst bis Dresden kommen werden. Ich fange also
immer dieses schreiben hier an. ...
Gestern Nachmittag ging ich mit Anton um die Htadt, welche von wallen, mit V�umen besetzt, umgeben
ist. Hin und wieder sind dieselben auch durch h�bsche Anlagen unterbrochen. Vie Spree, welche hier in der Nachbar-
schaft entspringt, hat ordentlich ein romantisches Tal Hierselbst, welches ziemlich tief ist und hin und wieder felsigt.
Wann werde ich Dich wieder an den Ufern der lieben Spree umarmen k�nnen? Anton sagte, auch ich k�nnte der
Spree meine Gr��e an Dich zurufen, wie Marie Stuart) sie den Wolken auftr�gt.
Dresden-Neustadt, den 31.. PU�rz
Als ich den Vrief bis hier geschrieben, erhielt ich die Nachricht, das Aaupl^^uartier^ breche auf, welches
auch geschah. U)ir ritten bis Stolpen, wo Anton und ich nachmittags ein wundersch�nes altes Schlo� bestiegen, auf
Vasaltfelsen erbaut. Den andern Morgen fuhr ich niit ihm bis zum Wei�en Hirsch. Vl�cher und f>rinz August
waren auch zu Wagen. Das andere Personal des t)A. ritt. Daselbst wurde zu Pferde gestiegen, und wir r�ckten in
die Neustadt von Dresden, den auf dem rechten Elbufer erbauten Stadtteil, ein. Der Kommandant der Neustadt kam
uns entgegen und empfahl mir die Stadt, worauf ich ihn nat�rlich an Vl�chern verwies als unser Vberhaupt. In
der Altstadt jenseits der Elbe steht winzingerode '. Es gab viele Herren hier zu sehen sonst. Der Einzug war nicht
sehr feierlich, obgleich einige Vivatschreier sich aus vollem Halse kuft zu inachen suchten. Ich kann es den Sachsen
auch nicht verdenken; denn bis jetzt hat Preu�en f�r die allgemeine Sache nichts getan; es setzt sich erst in Vewegung.
Vie Rettung kommt ja eigentlich weiter her. Auch hat der Sachsenk�nig noch keine bestimmte Erkl�rung gegeben,
ob er der alten Partei Freund zu bleiben oder sich an uns anzuschlie�en gedenkt.
Nachmittag.
Hier blieb ich stehen, als Anton hereintrat. Vrum weiter. Der Aommandant der Neustadt ward bei mir
zum Essen gebeten. Nach aufgehobener Tafel besuchte ich die Generalin Vischoffwerder 2, rechte Mutter der Hofdame 2,
welche vor 9 Jahren viel G�te f�r mich gehabt hatte. Abends war ich im Schauspiel, wo ich auch heute die Vefkilm
italienisch sehen werde. Diesen Morgen kam der Kronprinz.
Tausend Dank f�r Deinen Vrief, auch f�r den, welchen I�rgas mir eben �berbrachte. Antons Eltern
desuchte ich auch so gegen Mittag. Den guten Freund sehe ich hier deshalb nicht so viel; denn er hat von nur in
Dresden einmal f�r allemal Urlaub hinzugehen, wo er will. Abends, ehe ich zu Vette gehe, kommt er aber noch.
50ten.
Ich kann nur immer st�ckweis den Vrief fortsetzen, denn jedesmal fast werde ich unterbrochen. Man sagt
mir, teo sei in Breslau. Vb das wahr sein mag? .... Gestern sah ich Winzingerode, welcher die russischen Truppen
kommandiert, so zu Vl�cher geh�ren. Er gef�llt mir ungemein; er hat so etwas Festes, Bestimmtes und Offenes
in seinem ganzen Wesen und scheint dabei gutm�tig und fromm. Der W. R�der* ist ihn: zugeteilt worden von
unserer Seite; er soll den General sehr verehren.
Mit wahrer Freude habe ich den Kronprinzen wiedergesehen. Unsere Entrevue fand statt bei der alten
70j�hrigen Prinzessin Elisabeths Tante des s�chsischen K�nigs, einzig zur�ckgeblieben von der kgl. Familie. Es schien
mir eine ernste gute alte Frau szu sein), w�rdevoll und einfach. Sie hat vielen Mut gezeigt, sagt man, bei den ver-
schiedenen Auftritten Hierselbst. An Davoust hat sie geschrieben, sie wisse sehr wohl, er habe die sch�ne Br�cke nur
aus B�sheit sprengen lassen. Jedermann siehet ein, da� diese Ma�regel unn�tz ist; denn seit einigen Tagen ist die
Elbe schon auf einer Flo�br�cke zu passieren.
1IVintzingerode, Ferdinand, Frhr. v. russischer Geneial t�er Kavallerie, gest. ;sis. � 2 Gemahlin des bekannten preu�ische�
Generalleutnants und Staatsmannes Ioh. Rudolf v.Vischosswcrder, gest. teos. � 8 Vischoffwerder, Charlotte v., Hofdame der K�nigin
Friederike von Preu�en (gest. tso�), � * Roeder, Wilhelm v., Hauptmann, Adjutant 3charnhorsts, a?s dessen Vertrauensmann er im Stabe
wintzingerodes bis Zur Schlacht bei Gro�-G�rschen wirkte. Er fiel am 30. August ;s^3 in der Schlacht bei Culm, � 6 (Beb. (736, gest. \8*8.
        
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