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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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es bas erste Mal sei.) wir hatten den f�nften Tag non der Welt; es war ordentlich warm uno zum ersten Mal
so heiter, da� wir die SdjneeFoppe und den gr��ten Teil des Gebirges nach unserer Durchfahrt durch das Vreslauer
Cot ganz deutlich sehen konnten, saurer gute Vorbedeutungen. ?s war, wenn ich Anton ansah und dann wieder
das Gebirge betrachtete, als w�ren wir, wie vor drei Jahren, wieder auf der Reise. Er war so gut, so freundschaftlich,
da� ich es nicht genug sagen kann. Nach 7 Uhr diesen Morgen waren wir abgereift, und dennoch hatten wir uns
in einem fort etwas zu erz�hlen. Bald nach unserer Ankunft nahm er bis zum Mittwoch Abschied. Er will Weib
und Amder noch sehend Mittwoch treffen wir in einem andern Marschquartier wieder zusammen. W�rest Vu auch
so nah, liebe, teure Marianne, und. das kleine Engelchen! wie wollte ich zu Euch stiegen! Aber gewi�, wir werden
froh uns wiedersehen. Gott wird schon alles zum besten leiten. � wie gl�cklich ist er, feine Geliebten bald
umarmen zu k�nnen!
Ich schreibe Dir gerade auf derselben Ztelle, von wo ich dem alten Grafen Stolberg vor drei Jahren
geschrieben hatte, ihn zu fragen, ob ich nach petcrswaldau kommen d�rfe. Auch an den lieben Anton richtete ich
damals einen Brief, wie weit entfernt war ich in jener Zeit zu glauben, da� wir beide vereint, drei Jahre nachher,
in demselben Zimmer sein w�rden und zwar in solch einem Moment auf den, Marsche zum Aampf f�r Vaterland,
Recht und Ehre, eine Sache zu verfechten, welche wir als die rechte erkannten! Bei Glatz verabredeten wir alsdann,
im Fall eines Arieges Hand in Hand zu gehen. Und nun hat Gott es so zugelassen, �wie der Herr gewollt, also
ist es geschehen, wie der Herr will, so wird es weiter gehen." Das schrieb ich gestern der Rehdiger^ in ihr
Stammbuch. Vu wei�t, Werner^ l��t � Cuthern sagen. In Paris hatte ich diese Worte, wenn alles sich zu
verfinstern schien, oft f�r mich wiederholt. Und Gott hat immer geholfen. Er hat mich durch Ungl�ck kr�ftiglich
zurecht gewiesen, aber den tiefgefallenen Reuigen hat er wieder aufgerichtet. Ich f�hle eine solche Araft in meinen
Adern bei dem Gedanken an ihn, da� ich getrost den Zeiten und der Ewigkeit entgegen sehe.
Viel und oft will ich mit Anton von meiner teuren Marianne reden und ihm, den� geliebten Freunde in
Worten sagen, was ich verschweigen mu�te, weil ich Niemand fand, der mir wert genug war, von Dir aus Herzens-
grund mit ihm zu sprechen. Ihm, dem Freunde, den, Gatten, dem Vater will ich meine Seele �ffnen. Unsere gleichen
Verh�ltnisse sollen ein unzerrei�bares Band um uns kn�pfen. Vie Freundschaft zum Freunde soll durch unsere liebe
zu unserem Weibe geheiligt und ewig werden. Wenn wir beide uns dann wieder ans Herz dr�cken werden, geliebte
Marianne, dann hoffe ich, sollst Vu weit zufriedener als jemals mit mir sein. Die Ver�nderlichkeit und �ble kaune
sollen nichts mehr verm�gen. wA.'s Erziehung und h�here geistige und k�rperliche Bildung soll uns dann ernstlich
besch�ftigen. Das Treiben in der Welt, das Sehen, Erfahren, Venken und Handeln wird mich ruhiger stimmen.
Die M�hseligkeiten und Gefahren werden mein Blut abk�hlen, und Vu wirst alsdann um so ungest�rter Veinen
sicheren Gang fortwandeln k�nnen; Du wirst mich mit Dir nehmen auf den einzigen wahren Weg, den ich nicht
mehr verlassen will. Ich suche meinen Geist mehr als je dem Guten und w�rdigen zuzuwenden; denn ich gehe
einem sehr ernsthaften Gesch�ft entgegen. Was mir im Wege steht und mir hinderlich sein k�nnte, einem sch�nen
Ziele entgegen zu eilen, will ich fortr�umen und ausrei�en, sollte es ja in meinem eigenen Innern haften.
Nachschrift. Bunzlau, den 23. (M�rz
.... Gestern kamen wir hier an. vorher marschierte ich zum ersten Mal mit Vl�cher und zwar nach
Haynau. Heute ein Ruhetag in Vunzlau. Ich kaufte von den irdenen Gef��en diesen Morgen und werde sie Dir
�berschicken .... Morgen geht es nach Naumburg am Aueis. Va kommt Anton zur�ck. Uebermorgen sind wir
in Sachsen. Gott mit Dir und WA. M�gen die Augenz�hne endlich durchbrechen!
Dem Willhelm.
1 Auf seiner Besitzung Kreppelhof bei tandeZhut in Schlesien.
� ' Graf Christian Friedrich, gest. \&2*> � 3 Rhediger,
Philippine o., Gemahlin des Staatsrats v.R., auf Striefe bei Breslau, geb. o. Rannewurf, ehemals Hofdame der prit:3efjtn Marianne.
�
* �ac^arias Werner in feinem Drama �Martin luther oder die Weihe der Kraft".
$Q&tnjoUtrn>)ahlbuch l?Ib. W
        
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