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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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(Es ist mir seltsam 511 ��?utc, wenn mir einf�llt, wie so gewi� ich glaubte, Dich und WA. wiederzusehen in
einigen Tagen. Nun hat das ein Ende. Freilich die Ehre gebot, und der folge ich allemal blindlings.
Nun will ich enden; denn gleich fange ich einen zweiten Brief f�r Dich an, welchen R�dlich mitnehmen will.
Dieses [Schreiben j bringt der Cap. Reich'.
k��e den Hohn. Ewige (iebe meiner 2Nariannc.
Dein Willhelm.
tage 311 23ricf 50. sAn den K�nigs
Der Staatskanzlcr hat mir Deine Antwort wegen meines erneuerten Gesuchs �berfracht. Ich sehe daraus,
da� Du auf Deinem Vorsatz beharren willst. Es bleibt demnach meine Schuldigkeit, Dir die Gr�nde auseinander-
zusetzen, welche mich 311 diesen fruchtlosen schritten bestimmten 11116 welche unver�ndert du wesentlichen bleiben und mir
befehlen. Dich zum dritten iHale um eine Anstellung beim Vl�chcrschen Korps zu bitten oder mir doch wenigstens
zu erlauben, um die Person dieses ausgezeichneten �encrais zu bleiben, welchen Du, dem 'Wunsch aller Gutgesinnten
gem��, mit Deinem Pertrauen beehrst und den die Arme? und das ganze ?an6 als eine ihrer ersten St�ben in diesen
verh�ngnisvollen Zeiten betrachten. Unter wem sollte ich also wohl lieber den Krieg zu erlernen w�nschen als unter
diesen:, mit Deiner k�niglichen Gunst ausger�steten, erfahrenen Feldherrn?
Ich w�hlte mit Vorsatz den Ausdruck �den Krieg erlernen"; denn ich f�hle nat�rlich sehr gut, da� ich in
der Kriegswissenschaft noch weil zur�ck bin, weil die Erfahrung die beste kehrmcisterin ist und ich nur bisher drei
00er viermal vor dein Feinde in Affairen stand. Diese Wissenschaft ist ja mein 23eruf, warum �bte ich mich sanft von
Jugend auf im Exerzieren? warum lie�est Du mich und Heinrich sonst bei Tempelhoff in die h�heren Geheimnisse
dieser schweren Kunst einweihen? Warum bin ich Kommandeur eines Kavallerie- Regiments? Warum Generalmajor?
Ader alles dieses abgerechnet, bin ich auch B�rger eines Staates, worin Du selbst jedes einzelne Individuum
aufgefordert hast, jetzt, da f�r die Unabh�ngigkeit Preu�eiis gek�mpft wird, die Waffen zu ergreifen und dem Vater-
lande Gut und 23Iut zu opfern. Da� ich das crstere bereit bin 511 geben, wei�t Du. Denn die H�lfte von den,,
was ich ei�sl meinein Sohne Willhelm Adalbert hinterlassen wollte, habe ich Dir angeboten; aber auch mein Blut
will ich willig hergeben, wenn Gott es so verhangt.
was meinem Sohne an liegendem Verm�gen einst abgeht, will ich ihm durch einen tapferen, rechtschaffenen
Namen ersetzen, den er gewi�, auch wenn ich nicht mehr bin, durch meine cdeldenkende Frau angefeuert, auf seine
Kinder und kinbeskmder wird forterben lassen, seinem Sohne, meiner Frau, deren Vr�der geborene Helden sind,
bin ich schuldig, mich ihrer w�rdig zu erweisen und zwar vor dem Feinde, w�re ich aber auch nicht Soldat, nicht
General, nicht V�rger, nicht Vater und Gatte, so bin ich doch Prinz von Preu�en, das hei�t geborener Soldat, was
w�ren wir alle, h�tte der Gro�e Kurf�rst, Friedrich der Gro�e und Prinz Heinrich 2 nicht gelebt! Ihrem Ruhm ver-
danken wir mehr als man gew�hnlich denkt. Diesen tapferen F�rsten bin ich manche gute Aufnahme im Ausland
schuldig gewesen. Dadurch, da� ich ihnen auf ihrer schweren kaufbahn zu folgen mich bem�hen such?, will ich mich
dankbar gegen sie erweisen.
Jedem Deiner Untertanen hast Du verg�nnt zu w�hlen, zu welchem Korps und welchen Fahnen sie sto�en
wollen, warum sollen, die Dir die n�chsten am Chrone stehen, allein von dieser wohltat ausgenommen sein?
warum Deinen eigenen Vr�dern, welche von einem Vater und einer 2Nutter mit Dir stammen, die Wahl versagen,
wo jeder Gassenjunge w�hlen darf?
Da� der Wirkungskreis, welchen Du mir anweisen willst, ausgedehnt und wichtig ist, leugne ich nicht. Aber
weshalb sollen wir i,n Kriege Provinzen vorstehen, deren Einrichtung wir nicht kennen, weil wir im Frieden uns
nie damit abgaben? Denn im Frieden suchte ich mich bei Scharnhorst oder Vallentini zum Kriege vorzubereiten und
1 Reiche, v., Kapit�n uni? Fichrer eines �auslandischcil freiwilligen I�gerkmps". � 2 Bruder Friedrichs d� Gro�en, gest. (802,
        
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