Path:
Der Ort der Abendmahlsfeier Kurfürst Joachims II. am 1. November 1539

Full text: Der Ort der Abendmahlsfeier Kurfürst Joachims II. am 1. November 1539

50
in christliche Ordnung und Deformation gebracht, welches ich auch anher erwartet, ganz gerne gef�rdert gesehen und
nichts h�heres begierig gewesen. Aber dennoch habe ich nicht finden m�gen, da� sich die Sachen zu einiger Deformation
geneigt, fondern je l�nger, je mehr und weiter verlaufen und emgeri�en, und auch also, da� bei mir zu einem
christlichen Aonzil nicht einige fernere Hoffnung gewesen. So habe ich mich hiebevor in diesen Sachen bei Kaiserlicher
}1Tajeft�t meiner znstenden und anliegenden Not beschwert und an Kaiserliche Majest�t durch ihrer Majest�t Vize^
kanzlern und an mich daneben geschickten (Dratorn, Dr. Mathias Held^, gelangen lassen, welchergestalt ich von den
Protestierenden benennet, umringt und allenthalben benachbart, wie gewaltig dieselbe kehre inmein ?an& und F�rstentum
einri�e, wie emsig von meinen Untertanen deshalb in mich gedrungen, wie besorglich und gef�hrlich alle Sachen
gerichtet und also, wo ich l�nger zusehen und nicht auf andere Wege wachten w�rde, w�re nichts Gewi�eres zu
vermuten, dann da� einmal meine Untertanen Zu Emp�rung gerecht, alle Gottesfurcht, Gehorsam der Gbrigkeit,
christliche Zeremonien der Airchen fallen und, wie in anderen umliegenden K�nigreichen, Kur* und F�rstent�mern,
da ce zum emsigsten gewahrt worden, dennoch bcschehen w�re, ohne und wider meinen willen andere viel unchristliche
Sekten und ruchloses Wesen eingef�hrt werden m�chten; wie ich mich bamalen erboten, noch bis auf Vstern (558
zn verharren, ob in mittlerer weil den Dingen Ma� und ein bequeme heilsame Arznei h�tte k�nnen gefunden werden.
Als aber dieselbe und die andere Ostern (1,559) und mehr Zeit dar�ber versto�en und ich doch nichts Hoffliches vermerkt,
bas sich 511 christlicher Reformation angelassen, bin ich 511 (Erhaltung g�ttlicher Furcht, Gehorsam der �brigfeit, auch
der heiligen Airchen lobliche und christliche Zeremonien, nicht mir zu �u�erlichem Nutz, sondern dem Allm�chtigen
ju Ehren, meinen armen Untertanen und mir zu Heil und Trost endlich und einmal gebrungen worden, eine christliche
Ordnung f�r die Hand zu nehmen, am Cage Allerheiligen . .. angefangen, wobei niemand das Seine genommen
oder auch verstattet wurde, sondern mit zeitigem gutem Rat ineiner vornehmsten Pr�laten, R�te und Tandst�nde die
offenbaren und gr�bsten Mi�br�uche, die man ohne erschrecklich Aergernis nicht umgehen m�gen, abgetan, die Zeremonien
der Kirchen in hohen und gro�en Ehren gewahrt und erhoben und also dieselbe meine Ordination derma�en gefa�t,
da� die im heiligen g�ttlichen Wort der ungef�lschten g�tlichen Wahrheit ergr�ndet, der Aufsatzung Christi, dem
apostolischem Gebrauch und der rechten alten und unbefleckten christlichen Airchen ganz gleichf�rmig und gem�� und
also, wie ich die vor dem letzten Gerichtsstuhl des Herren, der kaiserlichen und Eurer A�niglichen Majest�t mit gutem
Gewissen, Ehren und Fugen zu verantworten ohne allen Zweifel wei�. .. ."
Einfacher, schlichter und wahrer, als es hier vom Aurf�rsten selbst geschehen ist, k�nnen wohl kaum die
Beweggr�nde geschildert werden, die zur Einf�hrung der Reformation am November gef�hrt haben. Vas
Ereignis machte damals, wie verst�ndlich, gro�es Aufsehen-, und trotzdem sind wir �ber seinen Verlauf so gut wie
gar nicht unterrichtet. Das Vatum, das lange Zeit zweifelhaft war, darf zwar jetzt als feststehend " Brandenburg zur lutherischen Kirche, Berlin \839, 5, 7; ein
Vuchlein, das alle (Qucllenftc�en Zusammentrat und deswegen noch heute unentbehrlich ist. Ans folgendem Schreiben des Rmfiirsten
Joachim II. an den ?anbgrafeu Philipp von Hessen vom (8. (DFtober (,539 erhellt, da� gerade f�r den I.November J539 eine Abendmahls-
feier geplant war: �Auch freiuitlidier lieber schwager und gefatter. Eitlen mir Ewer ?ieb gauy freuntlich, von (?. ?. von Zcittungen der
orthe ober 0011 Rom. Kay-. Mat., dem Koninge von Frankreich oder hohen Potentaten \d)ts zukommen. Ewcr lieb wolle� uns dieselbigen
hierbe^ mittheilen, von Quittungen dis; ort^s wissen wir sonderlich nit, allein� das wir pormittels gptlidjcr vorleihnng willens fein uff
omnium sanetorum schiersten Me rechte whare Christliche Religion in unfern landen auch 511 predigen, au�zukuudigen nud die heilige��
Sacrament nach Ginsatzung Christ, nusers l^ern oorreichen 311 lassenu." (Staatsarchiv zu Marburg. Politisches Archiv des tandgrafe� Philipp,
Hr. H66/ Fol. (05.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.