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Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

Full text: Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

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besch�ftigen � gleichsam eine Porbereitung f�r den heraufziehenden Krieg, den bas unabl�ssige wetterleuchten am
drohend bew�lkten politischen Horizont bereits ank�ndigte.
Von einschneidender Vedeutung ist die folgende Schrift, die am 2\. Dezember \T�8 abgeschlossenen �R�flexions
sur la tactique et sur quelques parties de la guerre ou Reflexions sur quelques changements dans la fa�on de
faire la guerre 1." Friedrich zieht darin aus den K�mpfen und Erfahrungen des neuen Krieges mit den Gesterreichern
die praktische Folgerung, Sie haben, so f�hrt er aus, die Aunst, ihre Stellungen zu w�hlen und zu befestigen, unendlich
vervollkommnet, sie verf�gen �ber ein ungeheures Aufgebot an Artillerie. Daraus erw�chst f�r die preu�ische Kriegs*
f�hrung die Notwendigkeit, sich den ver�nderten Verh�ltnissen anzupassen. Mit einer Reihe von Betrachtungen, in
welcher Weise dieses geschehen m�sse, schlie�t der Aufsatz 2.
Die vierte und letzte in der Zahl der grundlegenden Schriften, bas Gegenst�ck zu den �Generalprinzipien"
bilden die am \2, November |77O beendeten ��l�ments de castrametrie et de tactique" 3, ihrer Niederschrift
war Friedrich, wie er selbst berichtet 4, durch die Beobachtung veranla�t worden, da� einige Generale, die er w�hrend
des Krieges mit der F�hrung von D�tachements betraute, die ihnen unterstellten Truppen ungeschickt verwandt hatten :
�Um solchen groben Fehlern k�nftig vorzubeugen, verfa�te der K�nig ein Werk �ber Taktik und kagerkunst, das
allgemeine Regeln f�r die Defensive wie f�r die Vffensipe, sowie verschiedene Angriffs- und Verteidigungspl�ne nebst
allen Dispositionen enthielt, und zwar auf Gegenden angewandt, die die ganze Armee kannte." So war es in der
Tat, wie es dort hei�t, ein �Lehrbuch voll handgreiflicher Vorschriften, die durch die Erfahrung der vergangenen
Ariege erh�rtet waren".
(Eine zweite Gruppe innerhalb der knegswifsenschaftlichen Schriften des K�nigs stellen seine milit�rischen
Testamente dar, die er im Rahmen feiner politischen Testamente von (752 und (768 niedergeschrieben hat". Dem
Gesamtcharaktcr des Testaments von \752 entsprechend, entwirft er in dem Abschnitt �ber das Heerwesen ein ersch�pfendes
Bild der preu�ischen Armee, ihrer (Organisation und Ausbildung, endlich auch ihrer k�nftigen Vermehrung, die ihm
unter der Voraussetzung neuer Landerwerbungen als �Zukunftsphantasie" vorschwebt, 3n dem milit�rischen Testamente
�on \?<�$ hingegen legt er das Schwergewicht aus die Verwendung der Truppen im Felde. Dem Dienst in Friedens-
zeiten stellt er bei den einzelnen Waffen den Dienst in Kriegsjetten gegen�ber, und in einem besonderen Abschnitt
behandelt er in gro�en Z�gen die Strategie oder, wie die Heberschrift lautet, die �Principes fondamentaux de la guerre".
Bei Abfassung dieser Schriften war Friedrich nicht von dem Ehrgeiz beseelt, ein neues System der Rriegs^
kunst aufzustellen. Sein Blick blieb vielmehr einzig und allein auf den praktischen Zweck gerichtet. Alle oben aufgez�hlten
Werke und nicht etwa blo� die Testamente beziehen sich nur auf Preu�en, dienen nur der Nahrhaftigkeit des preu�ischen
Heeres; denn, wie der U�nig im Anfang der �Generalprinzipien" sagt, unsere Nachbarn sind unsere Feinde: �Beide
Worte sind leider zum wechselbegnff geworden."
Zur vollst�ndigen R�stung geh�rte auch die Aufstellung von Feldzugspl�nen. Zum Teil sind sie bereits im
Zusammenhange der bisher aufgef�hrten Werke behandelt. So tr�gt das zweite Aapitel der �Generalprinzipien" die
Ueberschnft: �Des pro^t� 6e c^mpa^ne". Friedrich entwickelt darin Angriffspl�ne gegen Sachsen, B�hmen und
1 Abgedruckt: ?uvres, Ad. 28, S. *5(ff. Vas dort irrig angegebene ?ages&dtiim der Abfassung (27. Dezember) beruht auf einem
Schreibfehler.
�
a Diese Denkschrift teilte der K�nig seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, mit, der darauf antwortete : ,J'ai trouv� le
syst?me militaire des Autrichiens mis au jour et tous les usages qu'on peut mettre en ?uvre contre ce syst?me d�velopp�. IIest difficile
d'�tablir des principes assur�s contre un ennemi qui, par la grande sup�riorit� du nombre, a la facilit� de mettre en usage des entreprises
multipli�es, qui [a] des corps de troupes contre lesquels il [n']y a souvent pas m?me un d�tachement. Avant cette guerre on aurait dit qu'il
est impossible de r�sister 2, tant d'ennemis joint ? l'art que les Autrichiens mettent ? faire la guerre. Vous avez su r�soudre ce probl?me.
Deux campagnes de suite, et d�truite l'opinion qu'on a d? naturellement avoir." Die Antwort ii^einridjs (m�t dem falsch angesetzten
3aft�sbatum �;?57") ist abgedruckt von panrcmns im HohenMern "Jahrbuch \9\2, S. 25. Auch au prtn3 Jeririnatib von Vraunschmeig
und an General fouque' sandte der K�nig im Dezember ;?58 die �R�flexions" (vgl. ?uvres, Vd. 20, S. Utff- und Nd. 2�, 5, XXI). �
8 Abgedruckt: ?uvres, Vd. 2% 5. lff. � * vgl.?uvres, B?>. 6, S. 95-
� 6 Fnr bas milit�rische Testament von l.752 vgl. Acta Borussica,
Beli�ldenorganisation und allgemeine Staatsoenualtung, Bb. 9, S. 5??ff. (Berlin t^o?) und Kiintjcl, Die Politischen Testamente derHohenMern, Vd. 2, S. 55ff. (leipzlg und Berlin 19U); f�r bas von \7Wi vgl. Miscellaneen zur Geschichte K�nig Friedrichs des Gro�en,
2. U9ff. (Verlin (878).
        
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