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Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

Full text: Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

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einige Fragmente der Darstellung aus dem Nachla� von Voltaire, dem Friedrich seinerzeit diese St�cke abschriftlich mit*
geteilt hatte, ans Licht zu ziehen', welch herrlicher Fund! Vilbel doch eben dieses Vorwort mit seiner k�stlichen Frische
und Urspr�nglichkcit, mit feiner offenen spr�che eines der reizvollsten uno den jungen K�nigunvergleichlich charakterisierenden
Bekenntnisse, die aus seiner Feder geflossen sind. Freilich mu� die Hoffnung, die ganze erste Darstellung noch aufzufinden,
a?s aussichtslos bezeichnet werden.
Un: das Werk der zweiten Gruppe, bu Schilderung des Siebenj�hrigen "Krieges, hatte sich schon ein Mythenkranz
geschlungen. Die erste Niederschrift sollte einem Vrande zum Opfer gefallen sein und der K�nig nunmehr inm�rchenhaft
kurzer Zeit das ganze Werk nochmals geschaffen haben. Doch ein Brief seines vertrauten Rabin ettssekret�rs Eichel,
der vor einigen Jahren aufgefunden wurde, zerst�rte diese Legende. Auf Grund dieses Briefes konnten wir feststellen,
da� der Brandschaden, wenn �berhaupt, nur einen kleinen Teil der Darstellung, im �brigen aber nur Material betraf,
das der Darstellung als Unterlage diente 2
wenden wir un? zu der dritten Gruppe, der Schilderung der polnischen Teilung und des Bayrischen (Erbfolge^
kriegcs. Noch Hans Droysen hatte in feinen verdienstvollen �Beitr�gen zu einer Bibliographie der prosaischen Schriften
Friedrichs des Gro�en", der bisherigen Auffassung folgend, angenommen, der A�nig habe die polnische Teilung nur
zweimal dargestellt, in den beiden uns erhaltenen Niederschriften von \775 und 3. Demgegen�ber hatte ich an
der Hand einiger Aeu�crungen Friedrichs bereits sarauf hingewiesen, da� noch eine dritte verfa�t fein m�sse, und zwar
im Jahre 1,773 4,
Die Frage nach dieser Nrfassung ist bedeutsam genug, um sie auf Grund des heute vorliegenden Materials
nochmals genau zu untersuchen und damit, wenn m�glich, v�llige Aufkl�rung zu schaffen.
Nachdem K�nig Friedrich, durch Voltaires Schriften angeregt, sich im Herbst 1"^2 dazu entschlossen hatte, die
Geschichte feiner Zeit aufzuzeichnen, sehen wir ihn sowohl nach dem Dresdener, wie nach dein Hubertusburger Frieden
seine Monographische T�tigkeit wieder aufnehmen. So entstand die Darstellung der drei Kriege, die er bis dahin
gef�hrt hatte. Dabei d�rfen wir die interessante Tatsache nicht �bergehen, da� er zu Anfang Februar des Jahres \~$S,
als der Abschlu� der Aachener pr�liminarien zum allgemeinen Frieden in sicherer Aussicht zu stehen schien, den
Minister Graf po6eiui?s beauftragte, eine Nebersicht der wichtigsten Verhandlungen mit den verschiedenen H�fen Europas
seit dem Dresdener Frieden anfertigen zu lassen. Am 1.5. November desselben Jahres � im Oktober war inzwischen
der Aachener Frieden zum Abschlu� gelangt � teilte er feinem Akademiepr�sidenten und Freunde Maupertuis mit:
�Unverweilt werde ich die Arbeit an den Jahren \7^6 und %7 aufnehmen." Und nochmals erging am H.Februar {755
durch Eichel der Befehl des K�nigs an po6etpils zur Abfassung eines �Pr�cis von allen denjenigen fecreten als auch
anderen N�gociation��, so Seine Majest�t mit ausw�rtigen H�fen feit dein Dresdener Frieden, also feit \7$6 bis
gehabt haben". 5 wenn Friedrich jedoch weder \7^8 noch \755 zur Bearbeitung der eingeforderten Materialien
geschritten ist, so wird den Grund daf�r die Erkl�rung im �Vorwort" zur �Geschichte des Siebenj�hrigen Krieges"
bilden: �Seit dem Frieden von Dresden habe ich der Geschichtsschreibung entsagt; denn politisches Rankespiel, das zu
keinen Ergebnissen f�hrt, verdient so wenig Beachtung wie gesellschaftlicher Klatsch"."
Anders die tage im Jahre 1.772. Am Februar war der Tcilungsvertrag �ber Polen zwischen Preu�en
und Ru�land abgeschlossen ? und am 5. August Gesterreich diesem vertrage beigetreten. Damit war die Erste Teilung
Polens vollzogen. Am h. September war der A�nig von der schleichen Revucreise zur�ckgekehrt, und schon am
1 Mitgeteilt 00� Droyfen in seinen ,.VeitrAa.cn zu einer Bibliographie der prosaische� Schriften Friedrichs des Gro�en". Heft II,
S. 27ff. (piogtainm des N�ingst�diischcn Gymnasimns, Neilin \9o5.)
�
3 pgi.'polz. Zur Entstehungsgeschichte der Histoire de la guem:
de sept ans Friedrich? des Gro�en, l^ohenzollern Jahrbuch �9N. S. 76 ff. � 3 VqU Droysen, Beitr�ge, keft II, 5. 22f. Vas Manuskript
der noch nicht ver�ffentlichten Raffung oou U"� befindet sich im K�nig!. Geheime� Ztaalsarchio zu Verlin; die Raffung ron l,??) ist
gedruckt in den ,,?uvres de Fr�d�ric k- Grand" (zitiert: Clevres), herausgegeben von 3. V. (?. preug, 23?>. b (Berlin 564?). � * Vgl.
??ofteii3on�rit -Jahrbuch (909, 2. 29. � n vgl. Johann Gustav Provfcn, Zu den historischen Schriften Friedlich? &es Gro�en (Zeitschrift
f�r preu�. Gesch. und Landeskunde, Vd. 18, 5. lff.), und Nosec, Nricfwechsel Friedrichs des Gro�en mit Grnmblow und l??aupertui�(Publikationen aus den K�nig!, preu�ischen Staatsarchiven, 5Zd. 72, 3. 23s), Leipzig ;8y8. -- " Vgl. ?uvres, Vd. 4, S. XIII.� 'Aus
politischen Gr�nden wurde er auf de� {5.Januar zur�ckdatiert.
        
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