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Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

Full text: Zur literarischen Tätigkeit Friedrichs des Großen

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Erg�nzung, Sehen wir boxt, wie sich Friedrich m�ht, die Reimpaare 511 finden und auf ihnen den Gedanken auf-
zubauen, so sehen wir ihn hier mit der Hassung des Gedankens ringen. Dort ist er noch nicht der fremden Sprache
v�llig Meister; hier ist der schaffende A�nstler am Werke.
Vie Fragmente definden sich auf einer vom Ministerium aufgesetzten Denkschrift: �Expos� succinct
et na?f sur l'�lection d'un Roi des Romains" im K�niglichen Geheimen Staatsarchiv 511 Berlin, und zwar auf der
R�ckfeite des letzten leeren Blattes, das sie zur H�lfte f�llen, teils quer von links nach rechts, teils �on oben nach unten
geschrieben 11116 mit einigen Schn�rkeleien durchsetzt svgl. das Faksimile). Sie geh�ren zwei verschiedenen Dichtungen an,
der �Ep�tre sur la gloire et l'int�r?t" und der �Ep�tre ? Hermotime".
Veide Episteln sind im November (7^8 entstanden^ un& darauf in die �?uvres du philosophe de Sanssouci"
aufgenommen worden. Ihre Drucklegung war abgeschlossen, als Voltaire am 1,0. 3�li 1.750 auf Friedrichs Einladung
311 fast dreij�hrigem Besuche in Potsdam eintraf. Wie ich an anderer Stelle ausgef�hrt habc^, hat der K�nig diese
erste Ausgabe der �?uvres" von \75O der "Kriltf des Franzosen unterbreitet, die Dichtungen, zum Ceil auf Grund
der Voltaireschen Korrekturen, nochmals umgearbeitet und sie in der neuen Fassung abermals zum Druck gegeben.
Diese zweite Ausgabe der �?uvres du philosophe de Sanssouci" von bildet die Vorlage f�r den Abdruck in
der von f)reu� besorgten Gesamtausgabc der �?uvres de Fr�d�ric le Grand", die um die ZYiitte des vorigen Jahr-
hunderts im Auftrage K�nig Friedrich^Vilhellns IV. erfolgte.
Die Frage ist nun: wann sind die Fragmente entstanden? vor der Drucklegung der beiden Episteln in den
,.(^uvre5" von oder bei der Umarbeitung f�r die zweite Ausgabe von Der Vergleich der Fassungen
van und zeigt, da� die Fragmente tats�chlich in die Zeit des Voltaireschen Vesuches fallen, mithin allein
f�r die Cextgestaltung von in Betracht kommen.
Nur das erste und das letzte St�ck in der Reihe der von oben nach unten geschriebenen Fragmente beziehen
sich auf die ,,I^pltre Zur la gloire I'interet"^. wohin Eigennutz und Ruhmsucht f�hren, zeigt Friedrich darin an
dem Beispiel des Hirten D�mon, der, von ihnen verblendet, alles, was ihm bis dahin licb und teuer war, zur�ckl��t,
um in die N)elt hinauszust�rmen, bis er endlich, durch bittere Erfahrungen von seinem Wahn erl�st, zu seinem alten
friedlichen und beschaulichen Dasein an die Seite seiner f?hyllis zur�ckkehrt. Zun�chst die beiden ersten Zeilen:
Tu t'ignores toi-m?me, aper�ois tes U]ent$!
Ta modeste vertu, ta �:voil? tes talents.
Der erste Blick lehrt, da� wir es bei ihnen mit feinem Reinwersuch im engeren Sinne zu tun haben, sondern
mit der Formulierung des Grundgedankens der Epistel: in ihnen ist mit knappen Worten, in scharfer Antithese das
Problem und die Moral des Gedichtes ausgesprochen. 2??it den Worten: �Tu t'ignores toi-m?me, aper�ois tes talents"
tritt die Ruhmsucht vor den f)ir�en, um ihm ihr verderbliches Gift ins Ohr zu tr�ufeln. 3n breiterer Ausf�hrung ist
dieser Gedanke in den Zeilen der Epistel wiedergegeben:
La Gloire parle ainsi: ,Je te plains, cher pasteur;
�Faut-il que les talents dont ton esprit abonde,
�Restent ensevelis pour nous et pour le monde? 11
,,I1 faut ? tes vertus une illustre carri?re,
�II est temps, viens, suis-moi, parais ? la lumi?re,
�Cesse de te cacher ton m�rite Eminent,
,,I,a. fortune t'appelle, et la gloire t'attend."
1 Mit &cm Sdjicibett com 29. November (?^h iibet-fditbtc fie der K�nig abschriftlich an Voltaire, der am 26. Januar (7^9
darauf antwortet, vgl. Briefwechsel Friedrichs des Gro�e� mit Voltaire, herausgegeben von Aoscr und Bans X>royf , �3?>, 2, S, 255 ff.
und 2^off. (publifationeu au� den K�nigl. preu�ischen Staatsarchiven, �?�), 82; findig 1909). Vie f�r die Drucklegung in den �?uvres
du philosophe de Sanssouci" leridicrten Fassungen, die das Datum des 26. September bzw. 5. (DFtobei* 17^9 tragen, befinden sich im
ohenzollern -Museum 311 Berlin (vgl. ?}ans Droyfen, Friedrichs des Gro�en literarischer Nachla�, 3. 27; Programm &es niast�dtischen
Gymnasiums, Neilin (9U)- - a vgl.f)oi}cn3ol(mt'3?l?rbnd? 1909, S. l^ff. � 3 Abgedruckt: �
    
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