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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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der jugendliche Monarch in einem Rosadomino, aber ohne Maske
pl�tzlich mit der �Noblesse" imChcatersaale erschien, den Sau er�ffnete
und sich dann sogar unter bas Publikum mischte. Sie glaubten sich
gleichsam in einen Feenpalast versetzt, w�hrend ihre Gattinnen und
T�chter mit bewundernden Vlicken namentlich die k�niglichen S�nger
und T�nzer betrachteten, die auf Friedrichs Vefehl ebenfalls an dem
Feste teilnehmen mu�ten. Salb herrschte in allen Festr�umen eine
richtige XarneDalsftimmung, so da� der Tanz, an dem zuletzt auch
die �in ziemlicher Anzahl en masque" erschienenen B�rgerlichen
sich �auf dem Theatro" beteiligten, �bis in die Nacht nach 2Uhr hin
dauerte"'.
vergleicht man den Per genannten Fuhrlohn mit dein fr�her gezahlten
und mit dem offiziellen Droschkentarif, so liegt die Schlu�folgerung
nahe, da� der K�nig am (2. imd ;9.Januar 175 den von ihm
gew�hlten Fiaker stundenweise gemietet und sowohl bei der Hinfahrt
wie bei der Heimkehr benutzt hat.
Die auf solche Nielse erzielte Geldersparnis erschien indessen
dem Monarchen offenbar noch nicht gen�gend. Wohl ist man 311*
n�chst befremdet, wenn man in den Monatslisten der SctjatnU�
rechnungen f�r Februar 1752 pl�tzlich der Notiz begegnet, da� �betten
Diaquers, welche 5. K�nigl. Majest�t gefahren^, nicht weniger als
�5 Thaler" ausgezahlt worden seien. Set einer n�heren pr�fung
der noch vorliegenden Quittung �kennt man aber, da� diese scheinbar
hohe Ausgabe m Wirklichkeit auf Sparsamkeitsr�cksichten zur�ck�
zuf�hren war, und da� Friedrich der Gro�e f�r den Berliner llarneval
von (751/52 bei dem Drofchkenbesitzer �peter Walther" eine Art
Abonnement genommen haben mu�. kautet doch die vom 26.Januar
1752 datierte Empfangsbescheinigung walthers kurz und b�ndig:
�Ihr�K�nigl. Majest�t nach der Redoute gefahren d. 7tm Decbr. N5l,
d. tV'n i�ito, d. 2,"� dito, d. 28 t"ldito, Januar U52/ d. n""
dito, d. \s ttn dito, d. 25�" dito." Mit anderen Worten: Ver Fahr"
preis war f�r den K�nig an den Redoutenabenden im Abonnement
von 56 auf |2 Groschen erm��igt worden.
wie aus verschiedenen Q?ueUeii3eugniffeu hervorgeht, hat
Friedrich der Gro�e den Berliner Vpernredouten, auf denen ein so
ungezwungener Ton herrschte und das h�fische Zeremoniell fast voll-
st�ndig verbannt war, lange ein besonderes Interesse entgegengebracht.
Da er bei diesen Festen die Anwesenheit m�glichst vieler �Personen
b�rgerlichen Stande?" w�nschte, befahl er bereits MitteDezember 5 742,
da� in Dero allerh�chstem Namen" �an die 200 der reputierlichsten
V�rgertochter" nicht nur �durch den Cammer-ITtotir, &ar3u en masque
311 erscheinen, invitiret", sondern auch, ffumb sich getnigfamb diver-
(treu zu k�nnen", w�hrend des CanzenZ �mit Chocolade, limonade,
Cass�e und kalte (!) A�che frei bewirtet werden" sollten'. Bis zum
Ausbruch des eben igen Krieges d�rfte es wenige Hebouten-
abende gegeben haben, die er nicht wenigstens f�r kurze Zeit besuchte.
Seine Absicht, unauff�llig zu kommen und unerkannt wieder zu ver�
schwinden, war naturgem�� unausf�hrbar, sobald er bei den in der
HarneD?l&3eit allw�chentlich stattfindenden Aedouten ballen f�r die
Fahrt vom Schlosse zum Opernhaufe eine k�nigliche StaatZkarosse
benutzte. So ist es denn schon nach einigen Jahren dahin gekommen,
da� er alsHeboutenbcfud)erfta) der VerlinerDroschken Zu bedienen pstegte.
Vie Frage, ob man K�nig Friedrich auch noch nach als
einen gelegentlichen Verliner Drofchkenfahrgast bezeichnen darf, l��t
sich ait der Hand des mir zug�nglich gewesenen Quellen Materials
weder inbejahendem noch in verneinendem Sinne beantworten. Das
Eine steht indessen unanfechlbar fest, da� bas Beispiel des Monarchen,
der die hauptst�dtischen Fiaker sozusagen �hoff�hig" gemacht hatte,
nunmehr von den Mitgliedern des Herrscherhauses und von den
Spitzen der Hofgesellschaft flei�ig nachgeahmt wurde. So wissen wir
3. V., da� Prinz August-Wilhelm am 9. Januar l,?5H sich abends
in einer Droschke zu einem im Palast seines Biubers Heinrich ver-
anstalteten Massenfeste begab, und da� die als �pasquino von
Berlin"* in der preu�ischen Hofgeschichte dieser Jahre vielgenannte
Reichsgr�fin Charlotte Sophie Bent�uo�, die in der Maske einer
provinzlerin sechs Tage sp�ter die Gpernredoute besuchte, schnell in
eine Droschke schl�pfte, als sie sich der bewundernden Zudringlichkeit
ihrer vielen Verehrer nicht mehr zu erwehren wu�tet So h�ren wir
ferner von mehreren Fiakerfahrten, die Prinz Heinrich \7^ und ;?5�
allein ober in Gesellschaft des bejahrten Schutzpatrons der Haupt�
st�dtischen Droschkenkutscher, Freiherrn von P�lluitz, und des scharf�
z�ngigen Kammerherrn Grafen (?. A.H. von lehndorss unternahm*.
In den Monatslisten der k�niglichen Schatullrechnungen f�r
Januar \?ty entdeckt man, mitten zwischen Ausgabeposten von
mehreren tausend Talern, pl�tzlich die bescheidene Summe von 8Groschen
�an einen Fiacken, welcher St. K�nig!. Majest�t nach der Redoute ge-
fahren" '. Inder noch vorhandenen Quittung vom 3(.Dezember l7^8
dezeugt der betreffende Fuhrmann, namens �Di^litz",w�rtlich: �Den
Dienstag 4 Abends habe um 8 Uhr nach der Redontte gefahren und
hernach habe von 8 bis 9 Uhr muffen warten unter den (!) Schlo�.
Davor nach der Taxe habe zu fordern e Groschen. Diese bevor-
stehende 8 Groschen habe von den (!) Herrn (Dber-C�mmcrer Freyders-
darfst richtig empfangen, welches ich hiedurch bescheinige."
Gb R�nig Friedrich, um fein Inkognito zu wahren, sich bei
feinen Fahrten zur Gpernredoute seitdem regelm��ig einer Droschke
bedient hat, l��t sich nicht mit Sicherheit feststellen. Inden Monats�-
Verzeichnissen der Schatullrechnungen taucht jedenfalls erst Februar i?5l.
wieder ein Ausgabeposten, diesmal im Betrage von;Taler s Groschen,
�an die Viacres" auf, �welche 5r. ll�nigl.Majest�t nach der Redoute
gefahren". Eine n�here Erl�uterung zu dieser Notiz geben zwei
(ynittungen, die sich erhalten haben. In der einen, vom 52. Januar
475 5, erkl�rt der Fuhrmann �Gottfried Thiele", da� er �Sr. Majest�t
den A�nig nach der Redoute gefahren" und �davor das Fuhrlohn
;tz Groschens richtig empfangen" habe, und eine Woche darauf
�bescheuniget" der Droschkenbesitzer �Sentzky" den Empfang derselben
Summe, mit dem schriftlichen Vermerk: �Der Fiaquer No. 2l hat
am ;y. Januar Ihro A�nigl.Majest�t nach der Redoute gefahren."
Auch in der ersten Zeit nach dem Huberwsburger Frieden
erfreuten sich die Verliner Droschken, deren Zahl bis ;?6y auf 2s
stieg, bei Hofe einer gro�en Beliebtheit. Der bald nachher eintretende
verfall des hauptst�dtischen Fiakerwesens hatte verschiedene Ursachen*.
Zun�chst nahm die Zahl eleganter und mit guten Pferden bespannter
privat-MietZkutschen, die fast f�r denselben Preis zu haben waren,
immer mehr zu. Dann aber war das Netragen der Droschkenkutscher
allm�hlich �ein so ungesittete? und ruchloses" geworden ,da� �per"
sonen aus den h�heren St�nde� und Frauenzimmer" sich eines Fiakers
nicht mehr bedienten. Das Aussehen der Droschken ward nunmehr
immer d�rftiger. Die bemittelten Fuhrwerksbrsitzer erkl�rten ihren
Austritt aus der Privilegierten Gesellschaft, und an ihre Stelle traten
�arme, anderweitig keine Vesch�ftigung findende Fuhrleute", die �sich
nur auf bestimmte Monate zum Fiakerfahren .. . annehmen lie�en".la��net �eridjie Dom �. und 52. t�ttober (7^3 im D�sseldorf� %[.Staats'
dcd)lt>. Vgl. auch ?. Schneider. Geschichte der 5 jugrunbr. � * Birnstag
=- S\. Dfjfnibcr.
� 2 Gemein! !st nat?rlittj {rirbrldis jrrunb und ,^oftohim, brr �rff.
It�mmeiel Michael Gabtlel Hredetsdoif.
� lehndorff, 5. !.<�.
�
a t�l,nd�ff, 5. 1.31. u.
�
� Crljnborff, 5. w,3V
u.2^. � *IMIjerf�Sar�brr be! IHrtmci, 1. c, 5. 158. lel,nd�sff. Drei�ig 3"l!��(=�-.
Nachtl�g�. II,53Y (�oil^n J9J3), rritltjllim Jununi �?KY, da� der Feldschei d�K�nigin
?HfafcfHV
    
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