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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Frtedrich-Wilhelm I., Friedrich der Gro�e und
die Verliner Droschkenkutscher, von Fritz
Arnheim.
betrieb. Die Ergebnisse der Woche vom 2*, bis 50. Dezember waren
freilich keineswegs ermutigend: Die Tageseinnahme der einzelnen
Kutscher schwankte zwischen H Groschen und i Caler 56 Groschen,
�vom pubfico wurde", wie es in einer (Duc�e bei�t, �von der
ungewohnten Bequemlichkeit noch wenig Gebrauch gemacht." Die
Fahrg�ste waren fast ausnahmslos Mitglieder der Hofgesellschaft, die
sich, auf ausdr�cklichen Befehl Friedrich Wilhelms I., flei�ig der Fiaker
bedienen mu�te, um da? Unternehme� in Gang 311 bringen. Vie
Berliner B�rger indes, denen man bei Hofe doch sonst �eine ganz
besondere Schw�che f�r das Neue" 1nachzusagen pflegte, standen der
Droschkeneinrichtung h�chst mi�trauisch gegen�ber, schimpften laut
�ber die nach den damaligen preisverh�'ltnissen allerdings ungew�hnlich
hohe Taxe 1111& benutzten bei ihren Fahrten nach wie vor �Micks-
chaisen" oder andere �verschlossene" Mietsfuhrwerke. die sich im besitz
von Privatpersonen befanden. Um diesen Ucbclsla'nden abzuhelfen,
verf�gte schon am 4. Januar 5?qo eine k�nigliche Kabineftsorber,
da�, au�er den �Fuhrleuten von Profession", k�nftig nur noch bell
Gastwirten das vermieten von wagen zum Gebrauche innerhalb der
st�dtischen Grenzen gestattet sein solle. Au�erdem aber wurde f�r
Fahrten �au�erhalb des Walles", von der Friedrichsstadt nach der
�orotbeettfrabt 8 oder von einem dieser beiden Stadtteile nach der
inneren Stadt der anfangs festgesetzte Fahrpreis von 6 auf 5 Groschen,
bei stundenweisem Mieten des Fiakers von � auf 6 Groschen nnd
f�r jede folgende Stunde von 6 auf 5 Groschen erm��igt. Nur der
Mindesttarif von q Groschen f�r Fahrten �innerhalb des Walles"
blieb unver�ndert bestehen.
Ende Februar 7^0 �nachte der berliner Agent der Kleoischen
St�ube seinen Auftraggebern folgende Mitteilung: �weil die hiesige
Residentz durch den neuen Anbau derma�en erweitert worden, da�
einer 311 dein andern an entlegene �ri�311 Fu� nicht fommen kann,
so haben 5. K�nig!. Majest�t die Zu paris nnd ?oubon gew�hnliche
fiacres ober eine gro�e Fuhrleute Gesellschaft etablttet und zu dein
Ende ein Reglement publtctren lassen'."
wie aus einer scherzhaften Acu�erung Friedrichs des Gro�en
in feiner �Elegie der Stadt Berlin an den Baron p�llnitz"" nnd
auch ans anderen Zeugnissen erhellt, ist es der aus der Hofgeschichtc
der drei ersten preu�ischen K�nige wohlbekannte Freiherr Karl ludwig
pon P�llnitz gewesen, den� das Berliner Droschkenmcsen feine Ent-
stehung zu verdanken hat. Er, der auf feinen langj�hrigen eure*
p�ischen Irrfahrten die Vorz�ge der ausl�ndischen Fiakercinrichtung
kennengelernt und nach feiner Heimkehr (!,?25), trotz seiner aben-
teuerlichen Vergangenheit, schnell am preu�ischen Hofe wieder festen
Fu� gefa�t hatte, wu�te Ende ;739, in einer Sitzung des Cabaks�
kollcgmms, den �Soldateuk�'nig" Friedrich-Wilhelm I. von der Not�
wendigkeit besserer �ffentlicher Verkehrsmittel in der sich immer mehr
ausdehnenden Haupt� und Residenzstadt Berlin 511 �berzeugen".
Demzufolge ward, zur Pr�fung und Ausf�hrung des planes, durch
Kabincttsorder vom 15. Dezember 1739 eine besondere Kommission
eingesetzt, der auch psllnitz als Sachverst�ndiger angeh�rte, nnd
bereits zehn Tage sp�ter erhielt die Berliner B�rgerschaft durch die
hauptst�dtischen Leitungen auf amtlichem Wege Kenntnis von der
geplanten Einrichtung, die den wohlhabenderen Veo�lkerungsklassen
ein bequemes Bef�rderungsmittel zu bieten und gleichzeitig beut
Berliner Stra�enleben einen wirklich gro�st�dtischen Charakter zu
geben bestimmt war. vom 2$. Dezember an sollten, zun�chst probe-
weise, vom fr�hen Morgen bis zum sp�ten Abend f�nfzehn Fuhr�
lente ait f�nf n�her bezeichneten Steifen mit ihrer Mietskulsche halten,
bereu Benutzung 311 Fahrten innerhalb nnd au�erhalb des �Walles",
zu Stllildcnfahrten usw. einem jeden nach einem genau festgesetzten
Tarif freistehen sollte.
Diese Ma�regeln und der Umstand, da� der sonst so sparsame
Monarch f�r die Herstellungskosten der ersten vierzehn Droschken je
1,00 Taler beizusteliern vorsprach, machten den hauptst�dtischen Fuhr�
werksbesttzern neuen Mut, so da� durch Allerh�chstes Reglement vom
56. Januar die Gr�ndung der Verlinischen privilegierten Fiaker�
gesellschaft erfolgen konnte. Jeder Droschkenbesitzer sollte mindestens
drei oder vier gute Pferde im Stall und, au�er der eigentlichen
Fiakerkutsche, auch noch einen bequemen viersitzlgen Reservewagcn
haben. Die Kntschcr. die �keine Jungen, sondern t�chtige Knechte"
sein und, zum Zeichen ihrer privilegierten Stellung, eine rote Kokarde
an der Hutkrempe tragen sollten, hatten im Winter von ? Uhr, im
Sommer von <� Uhr morgens bis 10 Uhr abends
�
samt ihrer gut�
bespannten, mit einer gro�en wei�en Nummer versehenen Droschke
�
auf der ihnen angewiesenen Stelle zu halten. Ihre Beaufsichtigung
lag in den H�nden eines von der Gesellschaft zu besoldenden �Wagen�
kommisfarius", eines ehemaligen Unteroffiziers, der tagt�glich zu
Pferde die f�nf Haltepl�tze � �am Dom" (jetzt: Schlo�platz), �beim
Gouverncurhause" (jetzt: Amtsgericht. Lcke Juden- und Konigstra�e).
�beim markgr�flichen Palast der Neustadt" (jetzt: Palais Kaiser
Am weihnachtsmorgeu ;?3?, um halb acht Uhr, begann in
der preu�ischen Hauptstadt zum erstenmal ein �ffentlicher Droschken-
1 Hprllncr Spricht vom 27. Februar 4?Hs� im D�sseldorfer Kgl. 5�a.,�5-
archw,
�
� In [tiefer �tegic (g^r. in �?uvres de Fr�d�ric le Grand", XV, 19-1
Merlin H850]) l��t bei K�nig l?^ die SloM �crliti �. a. folgende lilogr ober l'en
aus Setliii scheide Snron anstimmen
-
�Cw lieaux jours o? mes fiacres, iv�!, pur
la sagesse de mont muant, me r�jouissaient pat chaque secousse qu'ils donnaient
? mon pav�, prenant ces secousses puur de3 agaceries de mon infid?le." � 3 lieber
die Anf�nge dr5 Verliner Jiafertvcleiis bis jum lade jrie�rirfj;millie[ms I. vgl.
Hieierifi, (sielchichlliche und st.ttistische tltitleilungcn l1l>�i das �ffentliche Fuhrwesen
Berlins; in; Zeitschr. bc& Ngl, preu�, eintij?ifdren Suteuus, V, 15bff, (ferlin 1965).
lSE. �I.$, v. Ctrjnliorff, Drei�ig 3ai;re uni f>off Friedrichs d. Gr. usw,. S. 24�
tGoil^ l?07). � � l?ut?rlidf audf in uni^ercrjrter �ichMng.
Cc&mjoUtrn-On^rbudf 19(5. 29
        
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