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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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WA. habe ich eben eingeschl�fert; er ist gar hold, und ich bin innerlich vergn�gt, da� er mich nun am
liebsten hat. 3e habe seit gestern einen rechten Spa� mit ihm. Auf Deinem schwarzen Tisch, da liegen schwarze
(Dblaien. Da nehme ich zwei halbe und klebe fie mir �ber dem 2TIunb an. Da lacht er sich halb tot und ruft
immer dazu aus: papa. Und so jedesmal, wenn ich den Schnurrbart wiederhole. Es ist eine allerliebste Aehnlichkeit.
AlorgcnZ sucht er Dich noch immer im Bette, Heut nehme ich ihn mit spazieren. Mit der 2Uebu$ hatte ich einmal
wieder eine affaire d'honneur. Denke Dir, hinter was ich gekommen bin, da� sie dem Aiud nachts unter sein langes
R�ckchen ein langes wollenes Aleid anzieht, weil sie behauptet, damals, a?s ich sagte, sie solle ihn bei der Teestunde
nicht verkalten, well er dann nicht so warm wie bei Tag angezogen war, habe [fie] gemeint, ich sagte das f�r die
ganze Nacht unter den Federn. Auntzmann' hat schon gesagt, man d�rfe es gleich weglassen, denn es mutz ihn ja
ganz abmatten vor Schwitzen. Erst f�rchtete ich, er w�rde nun den Winter so hinbringen m�ssen wegen der Gewohnheit.
Dann verbat ich mir auch das allzu arge Sprechen mit ihm. Im Uebrigen gings an mit ihr die Zeit �ber ... .
Vergesse in all dein Rumor von Nachrichten und Visiten nicht Deine Dich �ber alles liebeud?
Alariane.
Ich habe �fr?re du Roi" auf die Adresse geschrieben und halte es f�r sicherer, bannt die Briefe nicht in die
H�nde bes kleinen Wilhelm 2 fallen wegen dem, was wir von den Rindern uns schreiben. � Sind die andern Dir
gleich ober erst ihm in die H�nde gefallen? Das �fr?re du Roi" fiel mir zu sp�t ein.
5.
Prinz Wilhelm an Prinzessin Marianne.
Breslau, den Z.Februar
Gestern habe ich Deinen ersten Brief, Du, beste Marianne, hier in Breslau empfangen und mit inniger
R�hrung gelesen. Es gew�hrt nur eine rechte Beruhigung allez, was Vu mir von Deiner Zeiteinteilung schreibst.
(Es freut mich, da� der Aleine so viel als m�glich um die gute Mutter ist, und recht durchdrungen, ja tr�nen aus-
gepre�t hat mir Dein Gest�ndnis, da� Du mich doch vermissest. �l�ogc der Himmel Dir Deine Tiebe 511 mir cinfi
recht reichlich vergelten!
Gestern Abend habe ich Abschied von Anton genommen, der nun wieder zur�ckgeht, da noch nichts recht
bestimmt scheint .... Es ist soviel keben, Feuer und Enthusiasmus in ihm. Und das alles so nat�rlich, so
ungesucht, da� er mich selbst in eine begeisterte Stimmung versetzt hat. Sollten wir einmal zusammen reisen, so w�rde
sein Gem�t mich gewi� �fters aufrichten. Was ihm an Acnntm�en abgeht, das ersetzt reichlich sein Herz, auf dessen
Liebe und Treue wie auf einen Felsen zu bauen ist ....
?s ist wirklich unter aller Aritik. Wie konnte ich so ganz den Geburtstag des lieben Vaters 8 vergessen!
Aber ich war auch so geplagt hier mit Curaiisen, da� ich gar nicht mehr wu�te, wo mir der Kopf stand und keines
vern�nftigen Gedankens fast f�hig war. Dennoch sollen reichlich meine w�nsche f�r sein Wohl zum Himmel steigen.
Die kleine Cutfc vom K�nige habe ebenso vergessend wenn ich nicht mit Vir bin, so geht es, was die Geburtstage
betrifft, bei mir immer konfuse ....
was macht denn Heinrich, der Veruln'ger, le gardien des princesses? Der K�nig schien nicht sehr erfreut,
da� er nicht kommt. Diesen Abend denke ich mich bei demselben einzunisteln. Des Mittags will ich immer einige
Fremden sehen. Da kommt denn immer nat�rlich einmal f�r allemal Dein Vruder^. Nur die Abende habe ich f�r
mich allein reserviert. Hede� ist ganz gut auf dieser Reise. Nachrichten h�rt man denn hier in h�lle und F�lle.
Aber wer vermag immer die wahren zu unterscheiden? Es kostet schon M�he genug, die wahrscheinlichen heraus-
zufinden, Don den starken, R�stungen hierselbst und im ganzen kande wird gar nicht die Aunde zu Dir gedrungen
'
tfmttjmamt, Johann Heinrich, HofmediknZ, gest. lU2S. � s Per nachmalige Kaiser. � a Ve5 Schwiegervaters, tandgrafen
Friedlich V. von Hessen-Homburg.
� * N�mlich den {.Febrnar ((Sos), ihre� Geburtstag. � " Prinz ?ouis. � � Hedemann.
        
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