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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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Der Ueberlieferung des K�niglichen Hauses entsprechend, erhielt der Prinz eine ausschlie�lich milit�rische
Erziehung. Bei seiner Vorliebe f�r die Reiterwaffe wurde er J80{ aus dein Potsdamer teibgarde-Vataillon, wo er
seit \799 Dienst getan, in das gl�nzende und ber�hmte Regiment Gardcdukorps versetzt. An der Spitze einer
Kavallerie- Vrigade empfing er bei Auerstsdt die Feuertaufe und wurde dabei schwer verwundet. Kaum hergestellt,
suchte er abermals im Felde sich su bet�tigen. Sein Wunsch blieb unerf�llt. Vagegen ward ihm bald nach Abschlu�
des Tilsiter Friedens eine bedeutungsvolle, aber um so schwierigere politische Aufgabe �bertragen. 3n Paris sollte
er mit Napoleon verhandeln, um der furchtbaren Bedr�ckung Preu�ens zu steuern und den drohenden Untergang von
der alten Monarchie abzuwenden.
Im Januar traf der 2Hj�hnge Prinz in Paris ein. Ein Erfolg war, nach tage der Umst�nde,
seiner Sendung nicht beschieden, so r�hmenswert auch Eifer, Umsicht und Gewandtheit waren, die er bei dieser
Gelegenheit entfaltete.
Die Jahre, die dem Wiederaufbau des preu�ischen Staates gewidmet waren, mu�te der Prinz, wider seinen
Villen und seine Neigung, in tatenloser Zur�ckgezogenheit verbringen. Als endlich die ersehnte Stunde der Befreiung
schlug, war er einer der ersten, der nach Breslau eilte, um in dem bevorstehenden heiligen Kampfe nicht zu fehlen.
Aber es dauerte geraume Zeit, ehe er angemessene Verwendung fand und seiner tatendurstigen Seele Gen�ge zu tun
vermochte. Meist als Kavallerief�hrer t�tig, hatte der junge F�rst wiederhalt Gelegenheit, sich auszuzeichnen und
unsterblichen Ruhm zu ernten.
Die Absicht des K�nigs, den bew�hrten Soldaten imJahre nach Beendigung des Krieges, als Statthalter nach
Dresden und in die Rheinlande zu senden, kam nicht zur Ausf�hrung. Einsichtsvolle Staatsm�nner, wie Niebuhr,
und einflu�reiche Generale, wie Gneisenau, �u�erten Bedenken. So unterblieb einstweilen des Prinzen Verwendung
auf einem seiner Neigung und seinen F�higkeiten entsprechenden Posten. Erst neun Jahre spater kam man auf den
fr�heren Gedanken zur�ck: Am 3.September wurde der Prinz zum Gouverneur der Vundesfestung Mainz ernannt.
Bis zum Herbst dann in den Jahren 135H �^839, 58HH�^6^9 verwaltete er das verantwortungsvolle Amt
mit Umsicht und mildem, vers�hnlichem Sinn. Im Herbst ward er als Generalgouverneur von Niederrhein
und Westfalen nach K�ln berufen. Gbwohl seine T�tigkeit hier nur bis zum Fr�hjahr w�hrte, gelang es ihm
und seiner Gemahlin doch, sich die Zuneigung der anders gearteten Bewohner zu erringen, so da� sie ihnen ein
freundliches Andenken bewahrten.
Die Zeit, da Prinz Wilhelm ohne �ffentliches Amt war, verbrachte er, seinem Hange zur Einsiedelei mehr
und mehr nachgebend, meist in der Zur�ckgezogenheit von Sch�nhausen bei Berlin und Fischbach im RiesengebirZe,
einer Besitzung, die er 5.822 erworben hatte.
Die Bekanntschaft seiner Gemahlin Marianne, geb. am Gktober mit der er ein vorbildliches Familien-
leben f�hrte, hatte Prinz Wilhelm imFr�hjahr in Wilhelmsbad bei Hanau gemacht. Sie stammte aus den: land-
gr�flichen Hause Hessen-Homburg. Ihr Vater, Landgraf Friedrich V. war der Urenkel jenes kriegerischen
�Prinzen von Homburg", der seinen Ruhm durch die Schlacht bei Fehrbcllin begr�ndet hatte. Ihre Mutter Karoline
war eine Tochter der �Gro�en kandgr�fm". Karolines Schwester Friederike war die zweite Gemahlin K�nig
Friedrich Wilhelms II.von Preu�en. Eine dritte Schwester war mit dem Zaren Paul I.von Ru�land verm�hlt gewesen.
Der ersten Begegnung des Prinzen Wilhelm mit seiner Base war bald eine zweite im Vethmannschen Hause
zu Frankfurt a. M. gefolgt. Vie anmutige Erscheinung Mariannes und ihr liebensw�rdiges Wesen entfachten in dem
Herzen des 20j�hrigen Prinzen eine gl�hende Neigung, die allerdings zun�chst auf der anderen Seite nur schwachen
Widerhall fand. Trotzdem kam an� 2^. August die Verlobung zustande, der am Januar die Verm�hlung
in Berlin folgte.
Wie ihr Gemahl, so war auch Marianne anfangs steif und von �ngstlicher Zur�ckhaltung. Erst ganz allm�hlich
fand sie sich zurecht in der fremdartigen Umgebung, in dem damals so n�chternen Berlin, schlo� mit ihrer Schw�gerin,
der K�nigin luise, innige Freundschaft und erwarb sich die kicbe und Verehrung der ganzen K�niglichen Familie.
        
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