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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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Denke, gestern h�tte ich beinahe den Hals gebrochen. Ich ritt auf meinem gro�en Fuchs spazieren und hatte
auf den schlechten Wegen schon alle IN�he durchzukommen. Da sehe ich in einer Furche des Fel�es � so kam es
mit vor � Schnee liegen, wor�ber Fu�g�nger einen Fu�steig getreten hatten. Vor mir auf geraden! Wege schien ein
Toch zu sein. Ich w�hlte deshalb den Fu�steig, der �ber den Schnee f�hrte, und wie ich darauf kam, patsch, liege ich
mit dem Pferde in einem Graben. Das Pferd f�llt ganz hinein, und ich �ber dessen Kopf auf des Grabens Rand.
Der Fu�steig war nur ein Steg, und da der Graben mit Eis und Schnee bedeckt war, so hielt ich ihn nicht f�rdas,
was er war. Nun wollte ich mir alle m�gliche 2N�he geben, das Ro� wieder herauszuziehen, aber umsonst. Es lag
zu lief, und ich konnte keinen festen Fu� fassen, weil ich fast immer in das (Eis des Grabens einbrach; denn es war
nicht m�glich zu sehen, wo er war. Ich lief alfo nach dem n�chsten Hause in der Vorstadt, welche ungef�hr so weit,
wie die puppen 1 von Verlin � doch nicht ganz �, von dem Ungl�cksfleck entfernt ist. Da fand ich denn einen
Mann, welcher so gut war, mir seine S�hne zur Hilfe mitzugeben, wie wir aber ungef�hr auf der H�lfte des Weges
waren, kam uns ein �T�ann mit dem Fuchs an der Hand entgegen. Dieser hatte das Pferd hinausgezogen, geschickter
als ich. Das arme Der zitterte am ganzen keibe. was am Riemenzeug zerri�en oder aufgegangen war, wurde so
ziemlich wieder hergestellt, uno nun trat ich in dem erb�rmlichsten Zustande von der tDelt meinen R�ckmarsch nach
Hause an. Vu h�ttest bas erb�rmliche Gesicht des armen Pferdes sehen m��en, als ich es verlie�, um Hilfe zu holen.
Es sah gerade aus, als wollte es zu mir sagen: Willst Du mich hier umkommen la�en? Du bist wohl froh, so
gl�cklich davon gekommen zu fein? Ich sch�mte mich, durch die Stadt zu reiten. Es blieb aber nichts anderes �brig.
Und da der Schmutz so �ber alle Ma�en gro� inBreslau ist, so war der Abstand nicht bedeutend, wie ein bego�ener
Hund kam ich hier an; denn au�er, da� ich mit den Beinen einige Mal in den Graben gekommen war, so fiel ich,
als ich nach Rettung lief, noch der Tange lang in den Schmutz; denn ein reiner 2 weg war gar nicht vorhanden. Ich
kann Gott nicht genug danken, so ganz vollkommen wohl, ohne den mindesten blauen Fleck, davon gekommen zu sein.
Vorgestern bin ich auch am hellen, lichten Tage vor aller Welt Augen auf der Stra�e zu Fu� in den Not
gefallen, und den 9,, glaube ich, wars, ebenfalls des Abends. Erz�hle die Geschichte nur nicht zu weit herum ... .
Nun lebe recht wohl und bleibe nur noch so gut, wie es angeht! Gottes Segen ruhe auf Dir und meinem
Sohn! werdet recht gl�cklich! Nehmt, was mir noch an Gl�ck beschieden war, f�r Euch! Gedenke meiner I
Willhelm.
U.
Prinz Wilhelm an Prinzessin Marianne.
Vreslau, den 56. Februar
. .. . Gott gebe, da� ich Deine unendliche kiebe durch Taten verdienen mag . ...
Der Eifer der Studiosen in Verlin, sich jetzt dem Staate anzubieten, ist �u�erst lobenswert. Ich sah den jungen
Nalb. Sage es semer Schwester 2. Er gefiel mir recht wohl; er spricht wie ein Buch. Heinrich soll auch die Stuben
verla�en wollen. Hast Du ihn gesehen? ....
Antons Anstellung werde ich jetzt wohl bald bewirken m��en; denn alles nimmt von Tag zu Tag ein ernst-
hafteres Aussehen an. Eben fahren (!) eine Menge Vlesfierte hier ein, wahrscheinlich vom Re-ynierschen Aorvs, welches
geschlagen 5 und fast auseinandergesprengt sein soll. Die ganze Stra�e ist voller Zuschauer; denn hier hatte man die
ganze Zeit �ber keine Franzosen gesehen, weil Vreslau neutral ist. Vb die armierten Franzosen von diesem Aorps
ihre Retraite hierher nehmen d�rfen wegen der Neutralit�t, wei� ich noch selbst nicht. Nun mu� sich alles bald
entscheiden .... w�rst Du doch hier! Es w�re doch viel besser. Russe WA. von mir. Ich denke recht viel an Euch,
Ihr tieben. Gott segne Euch!
Dein Dich inmalieben^derj Mann Willhelm.
1 Der heutige Gro�e Sietn im Tiergarten; er war ehedem von statuen in lebensgro�e umgeben. � '= richtiger.
�
3 �Ldda 0. Kalb, Hofdame der Prinzessin Marianne.
� * Hm Gefecht bei Aalisch am 52. Februar.
        
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