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Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

Full text: Aus dem Briefwechsel des Prinzen Wilhelm des Älteren von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne

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h�ben, um ihren Verlust richtig beurteilen zu k�nnen. Die meisten andern Menschen sehen kleine Rinder wie ein
Spielzeug an, wirklich oder mal gar wie ein Aeffchen oder K�lten. Deshalb ist es besser, den Schmerz ganz tu sich
zu verschlie�en, damit er nicht entheiliget werde. Leute von hier haben mir schon gesagt, es m��te Dir der Verlust
doch recht nahe gegangen sein. Von mir sprachen sie gar nicht, als wollten sie sagen, einem Manne ist so etwas
einerlei. Sie ?icbe zu einem Ainde, die Anh�nglichkeit desselben an feine Eltern, feinen individuellen (I) Charakter, die
Hoffnungen, welche matt darauf baut, die Sorge, welche man um dasselbe ir�gt von Geburt an � das alles sind
Dinge, welche die mehrsten nicht begreifen. Aber, beste Marianne, um den Toten �ergefen wir ja den Lebenden nicht!
Gott gebe, da� er gedeihe! �kr segne Veine m�tterliche Sorgfalt um ihn!
Je weiter es hingeht, mehr w�nschte ich Dich hierher. Hier w�rde Dir der Graus vergehe?!. Uebrigens
wird Heinrich der Veruhiger wohl alles calmieren. Reynier^ glaube ich, ist nicht geschlagen. F�rst Schwarzenberg 2
zog sich bei Ann�herung der Russen auf praga durch Warschau, h�re ich, zur�ck. Er hielt sich zu schwach, sie auf-
halten zu k�nnen. Also, denke ich, ist sihilipp und Gustav 2 2 salvo. Hier r�stet man sich sehr, die Russen zu emp-
fangen. Vie Jugend von big 25 Jahren ist aufgefordert, sich zu stellen. Sie soll kompagnieweise, bei jedem
Regiment immer eine, verteilt werden. Alles hat vollauf zu tun; ich sitze aber noch a �alvo, wie Vu aus den langen
Vriefen siehst, am Schreibtisch.
.... Gestern sah ich zum ersten Male, da es ein ziemlich heiterer Cag war, das Riesengebirge. Sogar die
geliebte Schneekoppe zeigte mir ein Vauer. Ihr Anblick hat mich ganz begeistert ....
Sage doch an V�ltcher, er soll eilends mir die Berechnung schicken von dein, was in meiner Schatulle, in der
Hofstaatskasse und an Papier d. h. Obligationen bar an Geld �brig sei. Ich gab ihm diesen Vefehl, als ich ging.
Er ist aber gewaltig langsam. Sage, er solle sich eilen. Groben hatte ich auch den Auftrag gegeben, sich nach einem
Subjekt zum Sekret�r f�r ftnich?^ unizusehen .... Es ist aber ebenfalls dar�ber kein Vorschlag bei nur eingegangen.
Das geht alles so schl�frig. Die Mebus, dachte ich, w�rde doch endlich vern�nftig werden; es scheint aber das Gegenteil
wirklich. Wenn sie Vir zu m'el zu schaffen macht und sich ferner Vinge erlaubt, die dem Kleinen schaden k�nnen, so
wird am Ende doch nichts als die traurige Trennung �brig bleiben. Hufeland lobte neulich noch besonders den Runzmann.
Gestern Mittag sind die Garden einger�ckt, w�rest Du doch auch einpassiert! Du fragst, bei wem ich wohne.
Es ist ein Rommerzienrat Schiller � kein Verwandter des Vichters. Ich habe hier eine Eckstube, welche, nur etwas
kleiner und blau tapeziert, an die A�nigsberger rosenfarbene erinnert. Das Quartier ist recht bequem und im Notfall
w�re noch Platz f�r Marianne. Voch solltest Du kommen, so w�rden wir wohl ein anderes lokal bekommen, wenn
nicht der Wirt aus seinem eigenen Hause vertrieben werden sollte. Es ist ein' sehr reicher und wohldenkender Mann.
Mit n�chstem will ich Dir die Zimmer ausf�hrlicher befchreibcn. Mir ist zu Mut, als wenn es unter den Fu�sohlen
brennt, so gespannt ....
A��e den Aleinen und sei ferner meine liebe Marianne.
Vein treuer Willhelm.
9-
Prinzessin Marianne an Prinz Wilhelm.
Verlin, den 18^3.
Mein lieber, teurer Willhelm! Ich danke Dir tausendmal f�r Dein Nr. 5, das ich erhalten habe
und mich sehr freute, doppelt, da ich daraus sehe, da� Du Hoffnungen hast, die Vich aufheitern werden. Ich schreibe
Dir, w�hrend die andern soupiren. Ich habe mich im gr�nen Zimmer mit etwas Suppe begn�gt, da ich schon seit
1
.franz�sischer General, gest. {s\\.
� * Schwarzen berg, F�rst Karl, �sterreich. Feldmarschall, gest. ;S2o, f�hrte \B\2 im Feldzuge
gegen Ru�land das �sterreich. Mfsheer mit fraii3
    
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